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Frankreich: Ab Samstag gilt wieder der Gesundheitsnotstand (Corona)

Will Kane @, Saarbrücken, Mittwoch, 14. Oktober 2020, 23:26 (vor 16 Tagen) @ Ulrich Eintrag verschoben durch CHS

Präsident Macron verkündet es gerade via TV.


So etwas war nach der Entwicklung der letzten Wochen und Tage leider zu erwarten gewesen.

Ich habe am Montag zufällig auf WDR 5 eine Wortmeldung eines Mediziners mit teilweise französischen Wurzeln mitgekommen. Dessen Aussage war, dass es neben spezifischen Bedingungen, die die Ausbreitung des Erregers stärker begünstigen als in Deutschland im Sommer in Frankreich durchaus laxere Regeln z.B. in Sachen Maskenpflicht gegeben habe. Dazu dann die stärkere Verbreitung des Erregers in der Bevölkerung. Ein unguter Mix.

Kuriosum (oder eben auch nicht):
Während im Winter/Frühjahr das Elsass und Lothringen neben Paris erster Hotspot und auch ein wesentlicher Ausgangspunkt der Weiterverbreitung waren, sind nun in der zweiten Welle die Infektionszahlen und die Anzahl der Hospitalisierungen hier zuletzt in die Höhe gegangen.

Die SARS-CoV-2 / COVID-19 - Krise wirkt in Frankreich wie ein Katalysator für verschiedene Entwicklungen, die längst überfällig, bedrohlich oder auch nicht aufzuhalten sind. Eine dieser Entwicklungen ist die in kleinen Schritten erfolgende Regionalisierung, die einem Zentralisten wie Macron allerdings nicht schmeckt. Aber es ist niemanden auch in Frankreich mehr zu erklären, warum z.B. der Bürgermeister von Nizza nicht in Eigeninitiative Mund-/Nasenschutz für die Einwohner seiner Stadt ordern darf (und damit schnellstmöglich eine sinnvolle Maßnahme vor Ort umsetzen könnte), sondern die Nationale Gesundheitsbehörde dies untersagt und die Bestellung rückgängig macht, weil es ihre Aufgabe ist. Dass die Materialien dann erst mit wochenlanger Verzögerung eintreffen, interessiert dabei noch nicht einmal peripher.

Der damalige Ministerpräsident Edouard Philippe erkannte das Problem und gestand den Bürgermeistern, Präfekten und Regionalpräsidenten mehr lokale und regionale Kompetenzen zu. Vorbild war dabei Deutschland mit seiner föderalen Politik. Es war für die Bevölkerung auch nicht mehr einzusehen, warum z.B. im kaum betroffenen Südwesten des Landes die gleichen Regeln gelten sollten wie im schwer betroffenen Paris oder im Osten des Landes.

Philippe gewann an Statur und Beliebtheit in der Bevölkerung und schon bald hieß es, Macron sehe in ihm einen Konkurrenten für die Präsidentschaftswahl. Als bei den Kommunalwahlen in den zweiten Durchgängen seine ‚République en Marche!‘ Verluste Einfuhr, nutzte Macron die Gelegenheit, Philippe durch Jean Castex zu ersetzen. Ein typischer französischer Technokrat des Politik-/Verwaltungsapparats. Kritiker dieser Maßnahme sehen dessen Aufgabe vor allem darin, die Beliebtheit Macrons zu stärken. Es gibt mittlerweile immer mehr eigentlich neutrale Stimmen, welche diesen Wechsel auf der Position des Ministerpräsidenten als großen Fehler ansehen.

In den Sommermonaten gab es zwar durchaus lokal etwas unterschiedliche Regeln, das war nach Einschätzung von französischen Experten aber nicht die Ursache, warum die Zahl der Neuinfektionen wieder so stark angestiegen ist. Es gibt da sicherlich mehrere Gründe; einer davon ist schlicht die Neigung sehr vieler Franzosen, sich nicht an Auflagen der Obrigkeit zu halten. Hinzu kommt, dass in den sog. sensiblen Vierteln die staatliche Autorität von einem nicht kleinenTeil nicht ernstgenommen wird.

Ist man im Frühjahr im privaten Bereich doch oft auf Distanz gegangen (was aber längst nicht alle taten), so kehrten im Sommer nicht selten die Begrüßungsrituale wie Wangenküsse oder brüderliche Umarmungen zurück. Nach den Restriktionen des confinement wollten viele auch einfach wieder ihre Freiheit genießen und strömten in die Restaurants und dann auch Bars. Und dort geht es traditionell eng zu. Auf privaten Feiern ohnehin.

Frankreich steht vor einem ganz harten Herbst und Winter.

 

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