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[Finanzen] Die Mär von: 'die Reichen' zahlen viel Steuern (Sonstiges)

Johan, Bremen, Thursday, 10.06.2021, 21:33 (vor 129 Tagen) @ FourrierTrans

Einkommen in Form von Assets? Alles klar. Ein paar Anglizismen und es merkt schon keiner, dass man keine Ahnung, aber dafür ganz viel gefühlte Gerechtigkeit hat. Hinzukommt: was interessiert mich das US-amerikanische Steuersystem? Weder habe ich einen amerikanischen Pass, noch bin ich dort resident. Aber in diesem Thread kommen die üblichen Verdächtigen und labern irgendeinen Quatsch über deutsche Einkommensteuer, verstehen den Unterschied zwischen relativer und absoluter Steuerlast nicht und erkennen nicht einmal, dass eine höhere Einkommensteuer ihrem Streben nach höherer Verteilungsgleichheit im Wege steht.


Einkommen aus Aktienverkäufen, Dividenden beteiligungen etc. Diese werden viel geringer versteuert als Einkommen und müssen nur versteuert werden, wenn sie "realisiert" werden und die meisten Billionäre können die hier anfallenden Steuer umgehen, in dem sie bei irgendwelchen Nebeninvestments, etc ein paar Verluste angeben. So hat Bezos zum Beispiel 2011 eine 4000$ Steuerrückzahlung für seine Kinder erhalten und in vielen Jahren nicht einen Cent Steuern bezahlen müssen.


Aber falls es Dich beruhigt: ich bin für eine massive Besteuerung von Vermögen nach Ableben. Wir brauchen eine massive internationale Erbschaftsteuer, um das System zu erhalten. Eine nicht umsetzbare Vermögenssteuer und insbesondere eine noch höhere Einkommensbelastung sind hierfür aber keine tauglichen Vehikel.


Darauf können wir uns gerne einigen, aber wir wissen doch beide, dass sowas nie kommen wird. Da werden einmal die üblichen Einwände gebracht, dass man doch die Erben von großen Konzernen nicht so besteuern darf, weil dann die Unternehmen zu Grunde gehen und alle Arbeitsplätze weg sind und man das Gegenteil von dem erreichen wird, was man eigentlich wollte...Dann noch ein paar Signalwörter wie Neid, Sozialismus, Trickle Down und die Debatte ist auch wieder vorbei.


Das muss sich noch zeigen. Es gab in der Geschichte bereits einige Male ähnlich starke Vermögenszentrierungen, wie wir es aktuell erleben (wohl gemerkt, auf das reichte Perzentil schauend, nicht auf den self-made Millionär). Vor der frz. Revolution beispielsweise, oder vor den Weltkriegen, gab es ähnliche Vermögensverteilungen in Europa. Zunehmend dramatische Ungleichheiten führen zu extremen Neigungen der Menschen. Wir sehen das bei Trump, wir sehen das in Europa mit der zunehmenden Etablierung extremistischer Parteien im politischen Umfeld.

Die Weltkriege waren in der Tat mit die größten Umverteilungsereignisse der Geschichte, weil Regierungen hier einen hinreichenden Grund hatten, diese Klasse massiv zu besteuern. War halt fürs Vaterland und da konnte natürlich keiner was sagen. Tatsächlich kann man die Weltkriege in vielen Ländern als die Geburtsstunde der progressiven Besteuerung betrachten.
Ich stimme dir zu, dass die steigende Ungleichheit irgendwann wieder zum Aufstieg von Radikalen und Populisten führen wird. Donald Trump wird da nur ein Vorgeschmack gewesen sein.

VOX


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