Willkommen im BVB-Forum

Brandmauer als taktischer AfD-Beschleuniger? (Politik)

Alones, Montag, 21.09.2026, 16:49 (vor 8 Stunden, 46 Minuten) @ Kashmir

Eigentlich war meine Frage ja wirklich, was da der harte ideologische Kern sein soll. Wie viel jedes einzelne Parteimitglied fliegt und warum, interessiert mich eher weniger. (Ich hoffe aber, dass es Linienflüge sind.)


Moralismus, Genderpolitik, radikaler Feminismus, Cancel Culture, Aufrüstung und Klima (außer es geht um Waffen, Waffen, Waffen). Reicht dir das?


Du klingst einer aus der rechten Blase und außerdem wie ein Mann, der sich über die Frauen von heute aufregt. Cancel Culture ist Gejammere darüber, dass man für das, was man sagt, Widerworte bekommt und darin sind Männer tatsächlich Spitzenreiter.

Dann hier noch einmal ausführlich:

Frauenstatut der Grünen: Ungerade Listenplätze sind Frauen vorbehalten, während gerade Plätze offen für alle Geschlechter sind. Männer haben damit keinen spiegelbildlich geschützten Anteil. Frauenquoten bei Redebeiträgen, Frauenvoten, Vetomöglichkeiten sowie eigene Frauenstrukturen und -gremien existieren ohne entsprechendes Pendant für Männer. Bei Stellenbesetzungen und Repräsentation verfolgen die Grünen ebenfalls ausdrücklich geschlechtsbezogene Förderregeln. Frauen können bei Unterrepräsentation bevorzugt werden; vergleichbare Fördermechanismen für männliche Unterrepräsentation sind deutlich seltener.

Die grüne Gleichstellungspolitik ist programmatisch stark auf Benachteiligungen von Frauen ausgerichtet. Männliche Problemlagen wie schlechtere Bildungsabschlüsse, Suizidraten oder soziale Isolation werden zwar inzwischen thematisiert, stehen aber deutlich weniger im Zentrum eigenständiger Förderpolitik. Gerade bei der Bildungspolitik kritisieren manche einen blinden Fleck gegenüber Jungen: Jungen schneiden bei Schulabschlüssen und Bildungswegen teilweise schlechter ab, ohne dass daraus vergleichbar sichtbare geschlechtsspezifische Förderprogramme entstehen.

Die feministische Außenpolitik erhebt eine feministische Perspektive ausdrücklich zum außenpolitischen Querschnittsprinzip, einschließlich Gender-Budgeting, Repräsentationszielen und einem angestrebten „feministischen Reflex“ innerhalb des Auswärtigen Amts. Frauen und Mädchen werden besonders als geschlechtsspezifisch vulnerable Gruppen betrachtet, während männliche Opfer von Krieg, Zwangsdienst, Exekutionen oder Kampfhandlungen weniger prominent als eigenständiges Geschlechterproblem behandelt werden.

Wehrpflichtfrage: Während die geltende Wehrpflicht ausschließlich Männer treffen kann, wurde innerhalb grüner Frauengremien argumentiert, Gleichberechtigung bedeute nicht zwingend, diese Pflicht auf Frauen auszudehnen. Kritiker sehen darin ein asymmetrisches Verständnis von Gleichstellung.

Bei Gewalt und Kriminalität wird männliches Verhalten häufiger mit problematischen Rollenbildern, Patriarchat oder Gewaltprävention verbunden, während Frauen stärker als schutzbedürftige Gruppe erscheinen. Kritiker sehen darin ein dauerhaft negatives Framing von Männlichkeit. Einzelne Aussagen grüner Politikerinnen verstärken diesen Eindruck. Besonders bekannt ist Jette Nietzards Äußerung, Männer, die beim Böllern ihre Hand verlören, könnten zumindest keine Frauen mehr schlagen, sowie ihre Forderung, Männern müssten Privilegien genommen werden.

Auch Annalena Baerbocks Antwort auf den Vorwurf einer Benachteiligung von Männern ist häufig Teil dieser Debatte: Die Überrepräsentation von Frauen durch Quoten bezeichnete sie nicht als Männerdiskriminierung, sondern als „aktive Frauenpolitik“.

Der Fall Stefan Gelbhaar als Beispiel dafür, dass ein stark opferorientierter Umgang mit Vorwürfen auch erhebliche Nachteile für einen männlichen Beschuldigten erzeugen kann. Die Grünen räumten später selbst ein, mit dem Verfahren strukturell überfordert gewesen zu sein.

Innergrüne Männlichkeitsdebatte von 2026. Felix Banaszak kritisierte ausdrücklich den Eindruck progressiver Milieus, Männern zu vermitteln: „Als Mann bist du das Problem und bleibst es auch.“ Das anschließende grüne Manifest für moderne Männlichkeit räumte ein, man habe Männern lange vor allem gesagt, was an Männlichkeit falsch sei, aber zu wenig positive Orientierung angeboten. Die Autoren sprachen davon, dadurch ein „Vakuum“ geschaffen zu haben. Bereits der Versuch, ein positiveres Männerbild zu formulieren, wurde von Teilen der Partei als Rückschritt oder falsche Schwerpunktsetzung kritisiert.

Dazu passt das frühere grüne Männermanifest von 2010 mit Formulierungen wie „Die Krise ist männlich“ und „Männer, gebt Macht ab“. Selbst frühere Mitautoren haben später eingeräumt, dass eine solche pauschalisierende Ansprache Männer eher abschrecken könne.


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread: