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Brandmauer als taktischer AfD-Beschleuniger? (Politik)

Ulrich, Montag, 21.09.2026, 10:07 (vor 22 Stunden, 29 Minuten) @ Phil

Vielleicht ist Politik für viele Wähler einfach zu komplex und zu wenig greifbar geworden. In meiner Wahrnehmung waren "früher" Wirtschaft und Arbeitsplätze die zentralen Themen.

Jetzt kommen dazu Klimawandel, eine weltpolitisch unsichere Lage bis hin zur Kriegsgefahr, Migrationsbewegungen, KI und gesellschaftliche Themen wie Gendern und Geschlechtsidentitäten. Die Parteien der Mitte und des linken Spektrums besetzen diese Themengebiete mit unterschiedlichen Positionen (auch wenn das immer verneint wird).

Vielleicht ist da für viele Wähler eine Partei der Extreme, die verkündet "wollen wir alles nicht, wir machen weiter wie früher" wegen ihrer Einfachheit interessant. Man muss da nicht viel abwägen, welcher Themenschwerpunkt einem jetzt wichtiger ist und sich Gedanken über Vorgänge machen, die man eigentlich gar nicht versteht.


Also dass die Welt früher einfacher oder geordneter war, ist aber auch eher nicht zutreffend. Zu meinen Lebzeiten gab es die RAF, Oktoberfestattentat, Tschernobyl, saurer Regen und Smog (weil Umweltschutz noch in den Kinderschuhen), Kalter krieg, Zusammenbruch dessen, Wiedervereinigung, Transformation der Industrienation Deutschland (gerade im Ruhrgebiet ja) Golfkrieg, Jugoslawien und erste "Asylkrise" + Änderung Grundgesetz deswegen, Rechtsextreme Anschläge und Terror in den 90igern, dann 9/11, Mega Wirtschaftskrise in Deutschland und daraus resultierend Agenda 2010. Und klar, die Digitaliserung kam in dieser Zeit. Ich wuchs ja quasi noch analog auf. Und vermutlich habe ich noch ne Menge Zeug vergessen.

Also dass das alles irgendwie einfacher oder weniger komplex war... Ich weiß nicht.

Die Frage ist nicht, wie sah die Vergangenheit tatsächlich aus, sondern wie glaubt man, dass sie ausgesehen hat? Und da wollen viele zurück in eine Vergangenheit, die es so nie gegeben hat.

Beispiel war die AfD Sachsen-Anhalt. Da hatte sich Ulrich Siegmund kurzfristig darauf festgelegt, dass es doch in den Neunzigern deutlich besser gewesen sei als heute. Daraufhin hat man ihn darauf hingewiesen, dass in den Neunzigern die Arbeitslosenquote doppelt so hoch war wie heute, und dies ohne die verdeckte Arbeitslosigkeit durch ABM, etc. mit zu berücksichtigen. Auch die Kriminalitätsrate war deutlich höher als heute. Siegmund hat sich zunächst mit angeblich verfälschten Statistiken herauszureden versucht, aber seitdem ist er jede Antwort auf die Frage, wann es denn besser als heute gewesen sei, schuldig geblieben.


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