Willkommen im BVB-Forum

Brandmauer als taktischer AfD-Beschleuniger? (Politik)

Phil, Montag, 21.09.2026, 08:57 (vor 4 Stunden, 1 Minuten) @ MarcBVB

Unabhängig davon, dass man keine Nazis wählt, ist die Story schon einigermaßen schlüssig.

Unter Umständen ist ein Teil der Story aber auch schon, dass selbst bei Luckes und Henkels etc. AfD schon von "Nazis" gesprochen wurde. Diese Erzählung verfängt offenbar nicht. Wähler handeln da auch einfach insich unschlüssiger; war immer so und wird immer so sein. Natürlich gibt es auch Leute, die sagen "ich finde diese und jenes komplett falsch, wähle die trotzdem". Ich glaube nun z.B.auch nicht, dass jeder Wähler der Linken in Berlin ein Antisemit ist. Die wählten die trotzdessen und das kann man noch so sehr blöd finden. Es ist einfach so.

Und sie zeigt halt auch, was der Union in den letzten Jahren verloren gegangen ist. Du hattest da immer, den ein oder anderen Rechtsaußen, der auch solche Leute ins Lager der Union gezogen hat (Erika Steinbach zB). Das war schon alles relativ unappetitlich, hat aber dazu geführt, dass es rechts von der Union keinen Platz für jemand anderes gegeben hätte. Da haben dann im Zweifel rechtsextreme Idioten die Möglichkeit gehabt, eine demokratische Partei zu wählen.

Das galt und gilt für das gesamte Spektrum. Auch die SPD, die Grünen und die FDP hatten Räume für wirklich abseitigste Personen und politische Positionen. Was bei der AfD halt inzwischen aber passiert ist: Diese Leute haben sich oder setzten sich zunehmend durch und entwickeln sich zu Mehrheiten in der Partei.

Die anderen Parteien (also SPD, Union, Grüne, FDP) haben hingegen ihre Ränder nahezu komplett raus oder marginalisiert in ihren Spitzen und Gremien. Lustigerweise reden sie aber immer noch so, als wäre es so wie früher. Dabei haben sie sich alle komplett angeglichen.

Und natürlich möchtest du als Wähler schon eine gewisse Richtungsänderung Herbeiführung. Und das funktioniert halt mit der ständigen GroKo halt überhaupt nicht, die Brandmauer schafft dir als Union noch ein weiteres Problem. Wenn du der AfD Stimmen abnehmen willst, dann geht es nicht darum, deren Positionen zu übernehmen. Aber eine Union, die eine genuin "rechte" Partei ist, muss die Möglichkeit haben, entsprechende Politik zu machen. Und dazu zählt dann auch, entsprechende Anträge einzubringen, die deinem Parteiprogramm entsprechen. Und eigentlich darf es dann auch nicht drauf ankommen, welche zufälligen Mehrheiten ggf. entstehen. Du kannst dich halt nicht dauerhaft selbst beschneiden und darauf hoffen, dass der Wähler das schon gut findet.

Spannenderweise haben die SPD oder die Grünen z.B. aber ja nun auch nicht das Gefühl, dass ständig nur ihre Politik oder ihre Programmatik durchgesetzt würde. Sie alle machen auf den Wähler den Eindruck, dass sie gar nicht können, wie sie wollen. Was aber halt in einer parlamentarischen Demokratie und bei unserem System so auch gar nicht vorgesehen ist. Es ging oder geht eigentlich immer um den Ausgleich von Positionen und der Zufriedenheit damit, dass man da auch Teil von ist. Auch diese ist offenbar verloren gegangen.

MFG
Phil


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread: