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Brandmauer als taktischer AfD-Beschleuniger? (Politik)

CF, Montag, 21.09.2026, 14:00 (vor 18 Stunden, 35 Minuten) @ Scherben

Diese Diskussion hatten wir vor einigen Tagen schon einmal. Die Herleitung der Reallöhne ist unzureichend und irreführend und wird der Lebensrealität in keinster Weise gerecht. Wie du schon richtig sagst, ist das Leben insbesondere in den letzten 5 Jahren signifikant teurer geworden in dem Sinne, dass die Entwicklung der Ausgaben die der Einnahmen merklich übersteigt. Miete, Anschaffung und Unterhalt eines Autos, Energiepreise, Versicherungen, etc. unterliegen einer enormen Preisentwicklung, der man sich nicht so einfach entziehen kann wie der Entscheidung, ob ich Brötchen beim Bäcker oder beim Aldi kaufe.


Es ist halt tricky. In diesen Statistiken sind ja auch die Menschen drin, der gar nicht zur Miete wohnen und/oder auch gar kein Auto bewegen. Da steigen dann "nur" die Energiepreise für Strom und Heizung, und die kann man ggf. ganz gut über den gestiegenen Lohn ausgleichen. Wir sind nun einmal ein recht diverses Land.


EU-weit leben in Deutschland mit Abstand mehr Menschen zur Miete als irgendwo anders. Das macht das ganze "Miete-Thema" relevanter als anderswo. Und wenn du wie in einem anderen post feststellst, dass die Reallöhne (eine virtuelle, durchschnittliche realitätsferne Größe) seit 2019(!) um sagenhafte 0,6%(!) gestiegen seien, dann ist das doch schonmal ein kräftiges Statement zur aktuellen Situation, denn diese Zahl ist u.a. deshalb überhaupt positiv, weil die untersten Einkommensgruppen durch den Mindestlohn überproportional profitieren sowie die obersten Einkommensgruppen. Die große Mitte allerdings freut sich maximal über ne schwarze Null - wenn überhaupt. Von den letzten 3-5 Jahren mal ganz abgesehen.


Ich glaube, Du verstehst mich falsch.

Von mir aus wollte ich nicht das Thema platzieren, dass sich die Reallöhne fantastisch entwickelt hätten, weil wir jetzt wieder das Niveau von 2019 erreicht haben. Ich habe bloß auf das Statement reagiert, wonach die Brötchen teurer geworden seien, denn das allein ist nicht der springende Punkt. Inflation und Lohnentwicklung muss man immer gemeinsam betrachten, und zumindest im statistischen Mittel sind wir halt wieder in etwa da, wo wir vor Corona waren. For what it's worth.

Dass man diese Zahlen dann natürlich in Relation dazu setzen muss, wer überhaupt wie stark von den gestiegenen Löhnen profitiert, ist völlig klar. (So einfach scheint mir die Rechnung aber nun auch nicht zu sein, denn z.B. den Mindestlohn gibt es nun bereits seit 2015, und der wird da kaum der treibende Faktor für die Entwicklung der letzten Jahre sein.) Ich halte nur die Erzählung für falsch, es hätte sich insgesamt die Situation für alle verschlechtert. Und die wird erzählt. Gern und viel und gern auch von Leuten meiner Gehaltsklasse.

Für alle würde ich persönlich nie sagen, aber es gibt genügend Menschen, die sich durch das "für alle" angesprochen fühlen. Wenn ich für mich spreche, dann stelle ich fest, dass mir vor 20 Jahren die Anschaffung eines neuen Autos für eine 4köpfige Familie keine großen Kopfschmerzen bereitet hätte. Selbst vor 10 Jahren noch nicht. Heute ist es viel schwieriger und ich komme um das Thema Leasing bzw. Finanzierung nicht herum. Das (als 1 Beispiel) kombiniert mit der globalen Gesamtsituation kann unmöglich eine heitere Grundstimmung im Alltag zur Folge haben.


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