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Brandmauer als taktischer AfD-Beschleuniger? (Politik)

Gerling, Hoppecke, Montag, 21.09.2026, 10:22 (vor 4 Stunden, 23 Minuten) @ Pa1n

Wer denkt, dass mit Remigration sämtliche Probleme in diesem Land gelöst sind, dem kann man das schon unterstellen.

Ich habe nicht das Gefühl, dass das auf die komplette Wählerschaft der AfD zutrifft. Das Thema ist derzeit eigentlich keines. Es herrscht derzeit einfach eine Stimmung in diesem Land, dass alles scheiße ist. Festgemacht wird das vor allem an hohen Kosten: für Lebensmittel, für Benzin und Energie, fürs Wohnen. Der Staat gibt 100 Mrd. für die Bundeswehr aus. Die AfD bespielt dieses Terrain meisterhaft, selbst wenn die meisten Menschen weit davon entfernt sind, in Armut zu leben.

Und dann kommt sie nämlich und sagt: wir streichen den Asylanten das Geld oder schmeißen sie raus, alle anderen Zugewanderten auch, Gas holen wir wieder aus Russland, und wenn wir aufhören, die Ukraine zu unterstützen, ist der Krieg da bald vorbei und wir können die Kohle in unser Land stecken.
Mich wundert nicht, dass das verfängt. Und wenn man es dann auch noch ständig hört (Stichwort "flood the zone with shit"), dann wählt man das halt.
Auf der anderen Seite kommt eine Linke daher, die in Berlin 48% bei den 16-24-Jährigen holt mit der Forderung, Wohngesellschaften zu enteignen. Dass die ein massives Problem mit Antisemitismus haben, wird entweder als zweitrangig eingestuft oder ist sogar ein zusätzlicher Grund, sie zu wählen, weil sich auch in der Außenpolitik kaum jemand traut, das Vorgehen der Israelis zu kritisieren, oder maximal halbherzig, wie es Merz getan hat (ich meine, er hätte sowas gesagt wie, es gehe nicht, dass die "Zivilbevölkerung dermaßen in Mitleidenschaft gezogen würde").

Ich mache bei allen Wahlen den Wahl-O-Mat, auch wenn ich gar nicht betroffen bin wie jetzt in Berlin oder MV. Ich bekomme jedesmal Volt oder die Grünen als erste Treffer. Und es ist ja auch einleuchtend: die Grünen sind die Partei, die am ehesten auf wissenschaftliche Erkenntnisse setzen (in diesem Zusdammenhang: der zuletzt von Merz so oft ins Feld geführte Ludwig Erhard dreht gerade übrigens mehrere Runden im Grab wegen des Tankrabatts) und langfristige Lösungen anbieten.
Warum schaffen die Grünen es nicht, diese Lösungen zu verkaufen? Alle Grünenhasser sind ja irgendwie nach wie vor der Meinung, dass die Grünen ihnen ihr Schnitzel verbieten wollen. Zudem habe ich auch oft das Gefühl, dass die Grünen den Menschen vorhalten, dass sie die besseren Menschen sind. Das möchte halt niemand hören.

Ich sehe eine wirklich schwache Bundesregierung, die es der AfD sehr leicht macht. In MV waren es weniger Landesthemen, sondern ein Identitätskampf, der den Wahlkampf bestimmt hat. Und wenn es Themen gab, die doch das Land genuin betrafen, dann sind diese massiv mit außenpolitischen Entscheidungen verschränkt (Nord-Stream, Rüstungsindustrie in den Werften). In Berlin ging es um den Wohnungsbau, und da wird nicht weniger radikal gewählt, weil auch dort von den regierenden Parteien keine Lösungen angeboten wurden oder sie schlecht verkauft wurden.


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