Willkommen im BVB-Forum

Brandmauer als taktischer AfD-Beschleuniger? (Politik)

FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Montag, 21.09.2026, 12:42 (vor 19 Stunden, 4 Minuten) @ NeusserJens
bearbeitet von FourrierTrans, Montag, 21.09.2026, 12:47

Das ist vielleicht der größte Erfolg der Faschos. Da stehen an der Spitze von CDU und CDU Leute wie Friedrich Merz und Markus Söder, und trotzdem gilt die Bundesregierung, die die Union anführt, als "Mitte-Links-Koalition".


Finde ich auch absolut wild. In einer Zeit, in der die Grünen als "linke" Partei Abschiebungen befürworten, in der der Bundesinnenminister rechtswidrige (!) innereuropäische Grenzkontrollen und Zurückweisungen durchführen lässt und in der die "Reformen" der Bundesregierung einen massiven Abbau von Sozialleistungen und Sozialstaat bedeuten, überhaupt noch irgendwie von "links" zu sprechen, ist der größte Erfolg der AfD.

Nur, weil die SPD im Verhältnis zur CDU qua Selbstverständnis etwas linker ist, macht sie noch lange keine linke Politik. Realpolitisch sind doch längst die Grünen die "Mitte", weil alle im Sog der AfD nach rechts gerutscht sind, um dort Wähler abzugreifen.

Das ist so und liegt primär daran, dass politische Begrifflichkeiten und Definitionen teils bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind. "Links" und "Rechts" wird nur noch auf der Klaviatur des oberflächlichsten Kulturkampfes bemüht, in keinster Form mehr in der ursprünglichen und ökonomischen Differenzierung. Ähnlich ist es auch mit Begrifflichkeiten wie "Faschismus".

Meinem Eindruck nach liegt das an einer generellen Abschwächung von Bildung in der deutschen Gesellschaft, aber insbesondere das heutige Bildungsbürgertum, heutzutage stark konzentriert im urbanen Raum, ist teils grotesk dümmlich und nicht in der Lage, kritisches Denken in verschiedenste Richtungen anzuwenden. Trotz einer Inflation in akademischen Abschlüssen in diesem Milieu.

Und ich glaube, das beschreibt das Problem dann doch am besten: Wir leben in einer postfaktischen Zeit, in der Parteipositionierung nicht mehr nach Politik und Fakten betrieben wird, sondern nach Gefühl. Und genau deshalb wird man der AfD auch nicht mit Fakten Herr, weil ihre Wähler eben nur nach Emotionen wählen.

Ich glaube, es gibt für viele Entwicklungen einen "sweet point of no return". Auch in der sozio-ökonomischen und politischen Entwicklung. Es gibt sicherlich seit mindestens 10-15 Jahren eine massive Steigerung der Unzufriedenheit in der Mitte der Gesellschaft. Es gibt auch sehr eindeutige Daten darüber, dass es der Mitte immer schwerer fällt, sozial aufzusteigen oder mitzuhalten und nicht abzusteigen. Der neue Arbeiter ist heute eigentlich der Akademiker mit 65k Jahresgehalt. Er trägt halt nur keinen Blue Collar mehr und hat eben einen Hochschulabschluss. Ganz non-chalant sind dann beispielsweise heutzutage auch schon zwei, nicht selten volle, Gehälter mit eingepriesen. Was völlig undenkbar war in den 80er Jahren. Nach und nach baut sich eine enorme, oft schwer zu artikulierende, Wut und Aufgeregtheit auf. Getriggert wird diese dann durch völlig nebensächliche, aber dennoch genau dieser Wut weiter anstachelnde Gegebenheiten, wie Gendern, Flaggen austauschen vor Staatsgebäuden (beispielsweise im Austausch gegen Ukraine-Flaggen oder anderen Flaggen) oder "wir müssen das euch (unterlichteten) Bürgern nur noch besser erklären"-Ansagen. Und dann kommt irgendwann der Demagoge, der genau in diese Unzufriedenheit reinsticht. Und der eine Gruppe von Menschen ausmacht, die ganz unten stehen und auf die das Gros der Mitte eintreten kann. Das geht natürlich immer nur nach unten. Ihr dürft raten, wer diesmal "Schuld" hat. Das hat schon immer so funktioniert, auch in der Weimarer Republik. Und wenn dieser Punkt erreicht ist, ist es nahezu unmöglich, das Ruder wieder herumzureißen. Weil die Menschen schlichtweg den Institutionen misstrauen, beispielsweise den Volksparteien, die sie aus ihrer Sicht in diese missliche Lage gebracht haben.

Schuld an der gegenwärtigen Situation sind die absurd schlechten und opportunistischen Führungsköpfe der vergangenen 20 Jahre aus Politik und Wirtschaft.
Das ist kein rein deutsches Problem, wie wir sehen und ja auch gestern schon besprochen haben. Die demagogisch angefixten Deutschen sind aber gefährlich. Viel gefährlicher, als alle anderen Länder und Kulturen der Erde und das macht es so besorgniserregend.


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread: