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Erfahrungen von Leihmüttern und betroffenen Kindern (Politik)

Trainer09, Bochum, Dienstag, 21.07.2026, 12:28 (vor 4 Stunden, 49 Minuten) @ burz

Ich habe mich in der Diskussion bisher bewusst zurückgehalten. Aus meiner Sicht kann man das Thema nur mit einer eingehenden Analyse von Erfahrungsberichten von Leihmüttern bewerten. Ggf. gibt es auch schon genügend erwachsene Kinder, die von Leihmüttern zur Welt gebracht wurden und sich dazu geäußert haben. Hinzu kämen noch Eltern, die ein Kind von einer Leihmutter erhalten haben (also Menschen wie Jens Spahn, allerdings mit vielen Jahren Abstand und entsprechenden Erfahrungen)

Diese Erfahrungen gibt es zwar nicht in Deutschland. In den USA sollten solche Analysen aber verfügbar sein.

Alles andere ist Theorie und ich wundere mich, dass die eindeutigen Positionen Pro oder Contra Leihmutterschaft weitgehend anhand von Annahmen belegt werden.

Hier wurde ja auch häufiger die Parallele zur Prostitution gezogen. Die heutige Meinung zum Thema Prostitution wird auch maßgeblich von Menschen geprägt, die selbst von Prostitution betroffen waren und sich mit einigen Jahren Abstand zu ihren Erfahrungen äußern. Diese Sichtweise scheint mir in der bisherigen Debatte zu kurz zu kommen.

Diese Diskussion hier ist doch, wie so häufig, wieder mehrheitlich auf gefährlichem Halbwissen basierend und driftet ausschließlich in die Extreme. Ich werde auch nie verstehen, warum man Diskussionen nicht erst einmal aus einer gemäßigten Position beginnt, wenn man nicht absoluter Fachmann für eine Sache ist. Nein, da reicht schon, dass man mal eine Youtube-Reportage gesehen hat und Zack, ist die Meinung gesetzt.

Meine Frau und ich haben uns im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung mal ausgiebig mit dem Thema "Eizellenspende" auseinander gesetzt und hier Informationsveranstaltungen besucht. In Deutschland ist dies verboten, wir waren damals sowohl in Österreich als auch in Spanien.
Schon bei dieser Version der Hilfeleistung für kinderlose Paare gibt es etliche Vorschriften zum Schutz aller Parteien, auch der Eizelle selbst als auch des oder der Embryonen. Spenderinnen haben ausgiebige psychologische Betreuung, vor der Spende, nach der Spende. Eltern haben ausgiebige psycholgische Betreuung, vorher und auch Jahre später. Es gibt sogar extra geschriebene Kinderbücher, die im Rahmen der Erziehung genutzt werden können, um dem Kind zu erklären, wie es (entgegen der natürlichen Praxis) entstanden ist. Usw usw usw. Die gesetzlichen Vorschriften hierfür sind sehr streng (Vorhaltung der Zellen, Anzahl dieser, Untersuchung von Erbkrankheiten usw.)

Und hier wird so getan, als ob da verarmte Frauen eingefangen würden, die keine Ausweg mehr sehen, als gegen Geld ihren Körper zu verkaufen. Natürlich ist das Wohlergehen mE der austragenden Frau die wichtigste Komponente dieser Angelegeneheit. Aber wie kann man hier auf die Idee kommen teilweise so pauschale Meinungen zu vertreten? Wenn bei einer ("bloßen") Eizellenspende schon so reguliert wird, warum sollte dies bei einer Leihmutterschaft nicht der Fall sein? Und selbst dann kann man ja meinetwegen noch drüber diskutieren. Aber so krass in die Extreme? Ich finde es wirklich absurd hier teilweise. Was passiert denn mit Familien in unserer Gesellschaft, die offen (wie Spahn) eine Leihmutterschaft in Anspruch genommen haben? Die ächten wir dann oder was per se? Absurd meines Erachtens nach.


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