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Der Fall Spahn - oder wenn das eigene Lebensmodell an der Gruppenmoral scheitert (Politik)

markus, Sonntag, 19.07.2026, 19:38 (vor 2 Tagen) @ Gargamel09

Für mich gehört es zur Demokratie, zu akzeptieren, dass Menschen legale Entscheidungen treffen dürfen. Auch wenn man sie selbst nicht gutheißt.


Das hat doch nichts mit Demokratie zu tun.

Doch, schon. Zur Demokratie gehört, dass der Staat den Menschen einen Bereich privater Freiheit lässt. Solange jemand im Rahmen des geltenden Rechts handelt, muss man akzeptieren, dass andere Entscheidungen treffen, die man selbst moralisch ablehnt.


Außerdem sollte man zwischen Privatleben und politischem Amt unterscheiden. Es ging hier nicht um eine politische Entscheidung, sondern um den privaten Kinderwunsch eines homosexuellen Paares. Angesichts der Rechtslage befand sich Spahn dabei in einer tragischen Zwickmühle. In Deutschland war Leihmutterschaft verboten, für gleichgeschlechtliche Männer gibt es aber keine andere Möglichkeit, gemeinsam ein genetisch verwandtes Kind zu bekommen. Dass man sich dann für einen im Ausland legalen Weg entscheidet, muss man dann eben akzeptieren.


Eben nicht. Du kannst im Ausland im Privaten so viel machen, was hier strafbar oder moralisch verwerflich wäre. Nein, ein Politiker sollte eine Vorbildfunktion einnehmen, ansonsten könnte man auch eine zwielichtige Gestalt in ein politischer Amt wählen, da wird man am Ende wenigstens nicht enttäuscht, weil man genau weiß, was für ein Kaliber das ist.

Du vermischst hier wieder Recht, Moral und politische Eignung.

Natürlich dürfen Wähler hohe moralische Maßstäbe an Politiker anlegen. Daraus folgt aber nicht, dass jede legale private Entscheidung, die manche moralisch ablehnen, jemanden für ein politisches Amt disqualifiziert.

Der Begriff der „Vorbildfunktion“ ist außerdem sehr subjektiv. Für den einen ist eine Leihmutterschaft moralisch verwerflich, für den anderen ist es der nachvollziehbare Versuch eines homosexuellen Paares, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen. Soll ein Politiker sein Privatleben immer nach der jeweils strengsten Moralvorstellung ausrichten? Das wäre kaum praktikabel.


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