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Demokratie leben und das Wahlrecht nutzen (BVB)

Alones, Samstag, 23.09.2017, 07:16 (vor 3038 Tagen) @ prosakind

Das gute an der modernen Welt ist ja, das es da draußen immer noch eine Menge kluger Menschen gibt, die Dinge viel besser und deutlicher artikulieren können, als man selber. Das schlechte an der von unseren Hausherren leider nicht beeinflussbaren Verlinkungspolitik ist aber, dass direkte Hinweise darauf nicht mehr möglich sind. Das erschwert dann die zumindest durch komplexere Gedankengänge abgestützte Argumentation. Zum Thema AFD und Neoliberalismus hat jüngt Tomasz Konicz bei Telepolis eine schöne Zusammenfassung geschrieben (google "Konicz National und neoliberal").

Das ist in der Tat ein hervorrangeder Artikel und so ziemlich das Beste, was ich in letzter Zeit im Zusammenhang mit der AfD gelesen habe. Wer die wirtschaftspolitische Ideologie dieser Partei verstehen möchte, sollte sich unbedingt diesen Artikel durchlesen. Für mich persönlich war die Agenda jetzt zwar nicht sondernlich neu, aber wer immer noch mit dem Gedanken spielt, dieser Partei seine Stimme zu geben, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen - schon gar nicht aus Sicht des "kleinen Mannes". Es ist allein schon bezeichnend, dass die Hayek-Stiftung (neoliberaler, marktradikaler Think Tank) als "Mistbeet der AfD (SZ)" bezeichnet wird, indem bis 2015 auch noch Christian Lidner Mitglied war. Kein Wunder also, dass sich Gauland die FDP als potentiellen Koalitationspartner wünscht. Die ideologische Schnittmenge ist größer, als man sich zunächst vllt. denken mag.

Natürlich würden Gauland & Co. kein neues Drittes Reich errichten. Es sind also keine "klassischen" Nazis. Dafür fehlt allein schon der Judenhass. Tatsächlich hat The Intercept unter dem Titel "Islamophobic U.S. Mega-Donor Fuels German Far-Right Party With Viral Fake News" erst vor ein paar Stunden darüber berichtet, wie eine amerikanische Jüdin mit islamfeindlichen Fake News Werbung für die AfD macht - so viel übrigens zu dem Thema, dass Wahlkampfeinmischung immer nur aus Russland kommt (wenngleich es natürlich auch einige dubiose Kontakte nach Russland gibt). Die AfD findet also, ähnlich wie auch schon Trump, einen gewissen Anklang im Lager der Zionisten.

D.h. aber noch lange nicht, nur weil Gauland kein klassischer Nazi ist, er auch kein Faschist ist. Ersetzt man "Jude" einfach nur mit "Moslem" kommt man schon wieder sehr nah an die ursprüngliche Nazi-Ideologie. Hauptsache es gibt einen Sündenbock, für den man alles die Schuld geben kann. Grundsätzlich gilt, dass der Faschismus sehr unterschiedliche Formen annehmen kann. Der Grundgedanke, der dabei sowohl den Neoliberalismus, als auch den Faschismus vereint, ist die Menschenverachtung. Während beim Faschsimus die Menschenverachtung auf rassistischen Motiven beruht, ist es beim Neoliberalismus die maximale wirtschaftliche Ausbeutung des Menschen. Folglich ist es also nur konsequent, dass diese beiden Ideologien zueinander finden. Kurz: man könnte es auch einfach unter dem Oberbegriff "Kapitalismus" zusammenfassen.

Zum "Neoliberalismus". Ich weiß, getroffene Hunde bellen. Wenn Du das als "Schimpfwort" verstehst, gerne. Ist für mich ja auch eines - wenn halt als aus anderer Perspektive. Trotzdem hat der Begriff einen hohen analytischen Wert. Denn er beschreibt etwas, das nicht beschrieben werden soll. Nicht zuletzt deshalb haben sich seine Vordenker doch von dem Begriff abgewandt. Die plumpe Annahme: was keinen Namen hat, kann auch nicht kritisiert werden. Daher sollten wir schon dabei bleiben.

Zum Thema Neoliberalismus reicht es im Grunde schon auf Prof. Rainer Mausfeld zu verweisen. Seine Vorträge zu diesem Thema lassen sich auf Youtube finden. Dasselbe gilt auch für das Thema Demokratie.


Aus Zeitgründen kann ich leider nicht auf den Rest eingehen, aber durchaus gelungener Beitrag. Ich kann mir allerdings schon vorstellen, was das bei einem bestimmten Lager in diesem Forum wieder für Reaktionen hervorrufen wird. Dürfte nicht lange dauern, bis die Verschwörungstheoretiker-Keule geschwungen wird.


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