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Auf dem Platz standen gestern (BVB)

Flankengott, Dortmund, Donnerstag, 21.09.2017, 16:12 (vor 3040 Tagen) @ Jahwio

Vor weg: Ich wählte traditionell Grün & die Piraten in den letzten Jahren, werde diese Jahr konservativ wählen, aber sich nicht die AfD.

Aber: Deine Auflistung wird nicht einen AfD-Wähler ansprechen. Denn das ist ja gar nicht der Beweggrund für die Menschen, die ich kenne die AfD zu wählen. Ich bin in einem Verein, in dem wir unter anderen Menschen aus der Türkei und Iran haben. Alle Glaubensrichtungen sind willkommen. Keiner hat ein Problem miteinander, es ist eine schöne Gruppe. Aber auch die nicht "Bio-Deutschen" sind einhellig der Meinung, dass Deutschland einen Fehler gemacht hat bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Meine türkisch-stämmigen Freunde spielen sogar mit dem Gedanken die AfD zu wählen. Sie sind Unternehmer und Polizisten und schildern ihre Eindrücke mit den Menschen aus den Kriegsgebieten durchaus sehr kritisch.

Ebenso andere aus meinem Bekanntenkreis: Lehrer, zum Beispiel. Unsere Gruppe ist wild gemischt, keiner schaut unsere ausländischen Freunde komisch an. Im Gegenteil. Eine wunderbare Gruppe. Trotz dessen werden sicher einige die AfD wählen, vermute ich mal.

Es geht nicht um Nicht-Deutsche und Deutsche bei den AfD-Wählern, die ich kenne (oder wo ich es vermute). Es liegt an teils ganz anderen konservativen Werten.

Meine derzeitige Lebensgefährtin ist Perserin, seit sieben Jahren in Deutschland, PhD-Studentin. Sie sieht die Aufnahme von Flüchtlingen ähnlich kritisch: Deren Kultur und Bildungsstand kann nicht gut sein für Deutschland. Sie selber ist gläubig, interpretiert den Islam aber recht offen (sonst wäre ja kein atheistischer Deutscher als Freund möglich).

Dadurch habe ich nun aber auch sehr viel Kontakt zu Menschen aus islamischen Ländern. Die meisten Ebenso PhD-Studenten. Und, wenn man davon ausgeht, dass die Flüchtlinge zum großen Teil nicht über diese Bildung verfügen, muss man ehrlich gesagt sagen, dass es wirklich ein Fehler war so viele aufzunehmen.

Die Art, wie ich als nicht Moslem in der Gruppe teils behandelt werden ist nicht schön. Dass Sie mit mir zusammen ist, bringt ihr von anderen echte und tiefe Verachtung entgegen. Die Mitbewohner der WG aus Pakistan, Afghanistan, Albanien und Co. sind teils extrem Religös. Die reden nicht mal mit mir. Soll mir eins sein. Sie sind islamisch-konservativ, aber nicht gewalttätig. Nun wollen die auch meistens nicht hier in Deutschland bleiben, im Gegensatz zu meiner Freundin.

Meine AfD-Konservativen Freunde haben aber keinerlei Probleme mit meiner Freundin. Und damit sind wir wieder beim Irrbild, dass AfD-Wähler Ausländer hassen. Sie stehen nur vielen aus bildungsfernen Kulturschichten extrem Kritisch gegenüber. Deswegen ist deine Aufzählung da oben leider nicht wirklich treffend, sondern eher populistisch und sprichst damit eher Linke an, die ohnehin schon so denken. Wirklich jemanden aus dem konservativen Spektrum, der die AfD wählen will wirst du damit überhaupt nicht abholen. So sehen sie sich selber gar nicht. Du drängst sie nur viel mehr in die rechtsradikale Ecke und erreichst damit, meiner Meinung nach, das Gegenteil von "sie vom Wählen der AfD abzuhalten". Sie fühlen sich eher bestätigt, dass Linke auch gerne pauschalisieren und jede andere Meinung als rechts darstellen. Das funktioniert besser, wenn man ihnen sagt, dass die AfD sicher nicht an einer Regierung beteiligt wird und die abgegebene Stimme damit im besten Falle quasi umsonst war, im schlimmsten Falle aber der CDU und der FDP Punkte kostet (AfD Wähler, die ich kenne wählten vorher CDU oder FDP) und damit eventuell Rot-Rot-Grün übrig bleibt.

Ich sympathisiere mit vielen Punkten der AfD, sehe aber auch die Gefahr, dass dort ebenso radikalere Kräfte mit ins Boot geholt werden. Ich werde wohl CDU wählen. Das erste mal in meinem Leben. Aber Rot-Rot-Grün möchte ich auf gar keinen Fall. SED-Nachfolgepartei in der Regierung? Ebenso: Nein, danke.

Super Beitrag, danke!
Ich habe viele Ähnlichkeiten für mich erkannt.
Durch meine Freundin (Vater Slowene, Mutter aus dem Kosovo) habe ich natürlich auch Kontakt zum Muslimischen Teil ihrer Familie. Ich erlebte da nie eine Ausgrenzung, wie du es erlebst, aber dieser Familienteil hat sich in den letzten Jahren extrem verändert. Damals wurde bei den Familienfeiern gemeinsam getrunken und gegessen und einfach nur gefeiert. Dann ließ sich die jüngere Generation von irgendwelchen Salafisten bequatschen und der Fokus des Glaubens nahm einen immer grauenhafteren Einfluß in der Familie.
Mittlerweile ist es so, dass auf Familienfeiern Frauen von Männern getrennt werden etc.
Auch wird immer wieder versucht mich in Diskussionen zu zerren in die ich gar nicht rein will. Da ich kein gläubiger Mensch bin, schaffen sie es leider nicht mich dahingehend zu triggern, aber es nervt irgendwann einfach nur.
Meine Freundin distanziert sich immer mehr von diesen Teil der Familie und entwickelt eine anfängliche Islamphobie.
Dabei sind es vollkommen integrierte Leute. Beruflich die Chance damals als Flüchtlinge genutzt und mittlerweile selbstständig.

Ich selber lebte in Ortsteilen von Dortmund, die multikulturell geprägt war.
(Westerfilde, Bodelschwingh, Huckarde und nun Nordstadt)
Und das ist auch gut so! Ich habe mir das durchaus absichtlich so ausgewählt.
Freundeskreis bei mir ist auch bunt gemischt. Und das darf auch so bleiben ;-)
Und dennoch erlebe ich täglich auch die Nachteile der ganzen Geschichte.
Die AfD ist für mich definitiv keine Alternative. Obwohl ich sicherlich ein potentieller Wähler wäre, wenn ich auf deren Wahlsprüche anspringen würde.
Problem ist nur...alle anderen Parteien sind für mich auch keine Optionen.
Mich nervt es, dass man von allen Seiten beballert wird, dass man die AfD nicht wählen darf. Ich glaube auch, dass man damit eher die Leute noch mehr in die Arme der AfD treibt. Statt mal eine Diskussion darüber zuzulassen, dass es definitiv einige Probleme hier gibt, wird lieber gegen irgendeine Kirmespartei gehetzt.

Also was macht man nun mit seinem wertvollem Wahlrecht?
Nicht wählen gehen? Auch böse...wird man ja auch grad von allen Seiten beballert, dass man dann quasi rechts wählt.
Ungültig machen? Hat ja auch keine Auswirkung
Spaßpartei wählen? Selbst da gefällt mir keine so wirklich.
Die "großen" Parteien haben es für mich verkackt.
Also am Ende sowas wie die FDP wählen? Dann kann ich auch lieber meinen kostbaren Sonntag zu Hause genießen ohne einen Finger krumm zu machen.

Bin leicht ratlos


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