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Auf dem Platz standen gestern (BVB)

pornstache, Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis), Donnerstag, 21.09.2017, 20:48 (vor 3039 Tagen) @ Zico80

Erstmal danke für die ehrliche Antwort, mit der ich grundsätzlich kein Problem habe. Ich wünsche Dir das Du damit glücklich wirst, solange Du dabei niemandem schadest und allen versuchst es als die einzig richtige Lebensweise aufzudrängen (was mir jetzt bei Dir auch nicht aufgefallen wäre). Nun kann ich zu den Weisungen der orthodoxen Kirche nicht viel sagen, da ich mich kaum mit Ihnen beschäftigt habe in den letzten 20 Jahren. Ich schliesse aber aus Deinen vorherigen Äusserungen, das Homosexualität wohl nicht zu den konkreten Handlungsansweisungen gehört:-)

Danke für den fairen Austausch. Ja, nach meiner/unserer Ansicht muss man jedem den freien Willen lassen, sich für eine bestimmte Religion und Lebensweise zu entscheiden, nur Freiwilligkeit zählt. Das ist einerseits der Unterschied zu anderen Religionen und schließt andererseits ein Aufdrängen kategorisch aus, nicht aber, dass man eine Meinung hat, wenn man gefragt wird.

Und insoweit gibt es nach diesem Verständnis eben konkrete und absolute Handlungsanweisungen, die auch verbindlich sind. In der Tat ist Homosexualität ausgeschlossen, ebenso (aufs Sexuelle reduziert) außer- und vorehelicher Verkehr, Pornokonsum, Erniedrigung des Partners etc. etc.

Man darf nur nicht denken, dass Nicht-Schwulsein eine Leistung sei ode gar "ausreicht". Es gibt 1000 Sünden und dies ist nur eine. Und vor allem gibt es weit schlimmere Verhaltensweisen von heterosexuellen Namensorthodoxen, die Anderen direkt schaden. Dann kann man sich auf seine Heterosexualität selbstverständlich nicht berufen.

Manche fixieren sich leider auch auf diese Dinge, mir ist das Thema jedoch gar nicht übermäßig wichtig. Vor allem darf sich niemand überlegen fühlen und muss primär die eigenen Schwächen sehen, nicht die der Anderen. Dennoch wirst Du "bei uns" niemanden finden, der das Ausleben von Homosexualität "absegnet".

Ich kann Deinen Ansatz menschlich schon verstehen, aber er ist halt mit dem Konzept unveränderlicher, göttlicher Maßstäbe nicht vereinbar.


In meiner Wahrnehmung ist es nun so, dass ich nicht glaube, dass sich die meisten bewusst dafür oder dagegen entscheiden, einen Mann oder eine Frau zu lieben, es passiert halt. Dann kommen wir nämlich zu meiner kleinen Einschränkung zu Beginn: Dann schadet es zumindest indirekt Menschen. Wir sehen das die Selbstmordrate vor allem unter Schwulen Jugendlichen um ein mehrfaches höher ist bei heterosexuellen Jugendlichen. Dies ist vor allem darauf zurück zu führen, dass sie mit Diskriminierung konfrontiert sind und vor allem Angst vor Diskriminierung und Reaktionen ihres Umfeldes entwickeln. Und viel dieser Angst kommt davon, dass uns seit Jahrhunderten eingeredet wird, dass es böse ist. Ist es aber gar nicht, denn es schadet niemaden. Mein Leben zumindest wird nicht dadurch schlechter, das meine Nachbarin lesbisch ist. Ihres hingegen schon. Aber nur deswegen, weil sie von "konservativer" Seite Diskiminiertung erlebt. Sowohl von dem Konservativen Moslem als auch von dem konservativem Bayern, Sachsen oder Westfalen übrigens. Das ist ein Schaden für einen Menschen.

Wie gesagt, ich verstehe Deinen Startpunkt. Diskriminierung sollte es nicht geben. Love the sinner, hate the sin. Viele fühlen sich jedoch schon diskriminiert, wenn man ihr Verhalten nicht ausdrücklich als gut bestätigt. Wie gesagt geht das aus unserer Warte aber nicht in jedem Fall und wir halten daran fest, auch wenn der Zeigeist sich ändert. Da tut sich dann schon ein Spannungsfeld auf und man kann sich letztlich nicht einigen.

Mh. Interessant. Auf den ersten Blick hätte ich gesagt, bei dem ersten Satz stimmen wir überein. Auf den zweiten Frage ich mich: Wieso lehnst Du die Lebensform ab? Und glaubst Du, das homosexuelle glücklicher Leben, wenn sie Ihre Homosexualität unterdrücken und vordergründig heterosexuell Leben? Für mich hört sich das nach einem sehr schweren Versteckspiel und extremer psychischer Belastung an. Deswegen würde ich es begrüssen, wenn sie frei damit umgehen dürfen, denn dann geht es Ihnen besser.

Siehe oben. Die Kirche lehnt alles ab, dass sie als Sünde (übrigens im Osten kein Rechtsbruch wie im Westen, sondern eher eine Zielverfehlung) erkannt hat. Ich schließe mich dem an; es gibt kein Büffet, bei dem man sich partiell bedienen kann. Niemand soll aber eine Komödie spielen. Die Kirche empfiehlt schlicht Enthaltsamkeit. Mit Gnade ist alles möglich, auch das eigentlich Undenkbare. So werden die vermeintlichen Naturgesetze ja auch aufgehoben, wenn Heilige nach dem Tod nicht der Verwesung unterfallen. Es kommt aber auch nicht unbedingt auf den Erfolg, sondern auf die Einstellung an. Für jeden gilt, dass das Leben aus Hinfallen und Aufstehen besteht.

Wieder danke für die ehrliche Antwort. Interessant auch: Das mit dem aufs Brot schmieren habe ich schon öfter gehört, aber ist mir selber tatsächlich noch nie so passiert. Es sei denn, für Dich fällt ein "Ich bringe dann meinen Freund mit zur Hochzeit" bereits unter "aufs Brot schmieren" Dann passiert das in der Tat häufiger. Fällt bei mir aber nicht unter "aufs Brot schmieren". Wenn man so drüber nachdenkt, sagen Heterosexuelle ja wahrscheinlich auch viel häufiger, das sie Katja oder Peter mitbringen.

Nein, das sehe ich auch noch nicht als aufs Brot schmieren an.


Und was die Schule angeht: Da bin ich bei Dir. Wobei "alle denkbaren Verhaltensweisen" natürlich sehr sehr sehr unkonkret ist. Falls Du aber wieder auf Homosexualität damit anspielst, haben wir wohl auch hier verschiedene Standpunkte. Denn wenn man wie alle seriösen wissenschaftlichen Studien zu dem Ergebnis kommt, dass 4-10% der Erwachsenen Bevölkerung rein homosexuell ist und ein weiterer Teil(habe dazu gerade keine Zahl im Kopf) der Bevölkerung bisexuell, dann finde ich sollten zumindest Jugendliche auch davon wissen, dass es existiert. Denn wenn nicht, erfahren sie es nicht pädagogisch gut überlegt im Klassenzimmer sondern unwissend auf dem Schulhof. Und dort wird wieder die Basis gelegt für unwissende Vorurteile, die wieder zum oben abgesprochenen Punkt mit Dsikriminerung, psychischen Belastungen und der Selbstmordrate und so führen. Ne, gefällt mir auch nicht.

Ich denke auch, dass in der Schule (jedoch nicht zu früh) umfassend aufgeklärt werden sollte und bin auch nicht panisch, dass jeder schwul wird, nur weil das Thema behandelt wird. Allerdings sollte es "werbungsfrei" ablaufen.

Hm, naja, ich finde, in Polen arbeiten sie bswp. sehr stark daran, die Staatsform abzuschaffen. Die Gewaltenteilung mal so mir nichts dir nichts aufzuheben, empfinde ich doch schon als recht eindeutigen Hinweis in die Richtung. Und besondere Toleranz gegenüber anderen und andersdenkenden habe ich weder beid CDU / CSU noch bei AFD bisher als Hauptaktionspunkt vernommen. Muss aber zugeben, dass dies auch den Grünen in den letztren Jahren ziemlich abgeht. Leider. Und tatsächlich, zum Schluss. glaube ich, sind wir bei Deinem letzten Satz auf einer Linie. Obwohl ich die Wichtigkeit von Nationalstaaten bei der Entwicklung der Demokratie gar nicht hoch genug einschätzen kann, habe ich den Gedanken, auf einen Staat stolz zu empfinden, auch nie ganz nachvollziehen können. Ausser vielleicht bei vorher unterdrückten Völkern, dass sie es endlich geschafft haben, sich gegen Unterdrückung zur Wehr zu setzen.

Du hast Recht, auch viele Konservative in Europa sind nicht übermäßig tolerant. Dennoch sehe ich bei Ihnen nicht die Gefahr, dass wie im sehr konservativen Islam jedwede Kritik bestraft und unsere Verfassung abgeschafft wird.


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