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Frankreich: Aktuelle Zahlen / heftigster Tag (Corona)

Will Kane @, Saarbrücken, Dienstag, 24. März 2020, 00:02 (vor 134 Tagen) @ julianbvb
bearbeitet von Will Kane, Dienstag, 24. März 2020, 00:05

Ich schätze sehr, dass du uns über die Lage in Frankreich informierst und die Situation ist sehr Besorgnis erregend.

Ich wohne in Sichtweite der französischen Grenze, habe lange Zeit in Frankreich gelebt und gearbeitet, habe französische Freunde und Bekannte und bin sehr oft in Frankreich. Hinzu kommt, dass wir im Saarland dicht an dicht mit Lothringen leben und tausende französischer Grenzgänger täglich hierher zur Arbeit kommen. Zur Zeit natürlich nicht, mit Ausnahme z.B. von Mitarbeitern im Pflegebereich. Wie sind hier unmittelbar von der Situation in Lothringen und dem Elsass betroffen, daher die Infos darüber.


Ich möchte gerne versuchen, die Zahlen mit meinen soliden Mathematikkenntnissen einzuordnen - gut möglich, dass du das auch selbst kannst, aber ich gebe trotzdem mal meinen Senf dazu, wie jeder ordentliche Corona-Internet-Experte ;)

Mathematik war eines meiner beiden Paradefächer in der Schule und eine gute Freundin, die mich in Studium und Beruf begleitet hat. Auch heute noch bin ich ihr zugetan. ;-)

Aber diese Infos hier geben das wider, was abendlich vom Gesundheitsminister oder dem Generaldirektor des Gesundheitswesens bekannt gegeben wird und was in der Presse berichtet wird. Mehr nicht.

Wobei ich mich mit einer Einordnung ohnehin etwas schwer tue, weil die Dunkelziffer für mich eine zu große Unbekannte ist. In der Mathematik sind Gleichungen mit einer Unbekannten nicht unbedingt die größte Hürde. Aber wer weiß, mit wieviel sonstigen Unbekannten wir hier zu tun haben... ;-)


Die Zahl der gemeldeten Infizierten (gerade nach dem Wochenende) hängt von sehr vielen Variablen ab und ist deshalb kein so gutes Maß für die Entwicklung - sinnvoller wäre die Auflistung, wann positive Patienten erste Sympthome hatten. Machen die entsprechenden Institute auch für ihre interne Bewertung, denke ich.

Die Zahl der gemeldeten Infizierten läuft den Maßnahmen ja (wahrscheinlich) so in etwa 12 Tage hinterher. Für die Zahl der Menschen auf den Intensivstationen kommen da noch ein paar Tage drauf und für die Zahl der Toten noch ein paar. Deshalb sind insbesondere diese Zahlen so zu erwarten gewesen. 20% Zuwachs auf der Intensivstation? Entspricht so in etwa der typischen Steigerungsrate der Infektionen vor den Maßnahmen.

Die Zahl der Toten könnte noch ein paar Tage exponentiell ansteigen - so brutal das klingt. Deswegen ist es so wichtig, so früh zu reagieren.

Viele gehen davon aus, dass in einem nicht-vorbereiteten Land jeder Patient 2,5 weitere Patienten ansteckt - in einem Land mit Fußballspielen, vollen Bars, Ubahnen, Schulen und Parks. In einem Land, in dem man auch mit einem Halskratzen und Hüsteln noch mit den Jungs einen Heben geht.
Verglichen damit haben wir die Zahl der Kontaktpersonen so drastisch reduziert und die Vorsicht erhöht. Ist zumindest mein Empfinden, für Detuschland.

Bei diesen Maßnahmen kommt es auch darauf an, wie sie eingehalten werden. Das ist in Frankreich partiell durchaus ein Problem. Eines der wichtigstes aktuellen Ziele ist es, dass die Infektionszahlen in den bis jetzt weniger stark betroffenen Regionen unten gehalten werden. Viele Pariser z.B. sind letzten Montag Hals über Kopf zu Verwandten aufs Land gefahren, weil sie sich dort mehr Freiraum versprechen. Die Bahnhöfe waren überfüllt. Daraufhin wurden sofort die meisten TGV-Verbindungen gestrichen. Und in manchen Vierteln haben immer noch Bars geöffnet.


Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum die aktuellen Maßnahmen nicht wirken sollten und wir binnen Wochen einen deutlichen Rückgang sehen.

Sie werden wirken, die Frage ist halt nur, wie stark. Eine Alternative gibt es mMn auch kaum.


Trotzdem reagieren viele Politker im Panikmodus angesichts der aktuellen Lage - was, wenn die Maßnahmen doch nicht reichen? Das sehen wir dann erst in 14 Tagen, wenn es vielleicht zu spät ist für viele Leben.
Aber wie gesagt, dafür sehe zumindest ich persönlich keinen Grund. Aber ich muss das ja zum Glück auch nicht entscheiden :)

Ich persönlich habe in vielen Dingen die Erfahrung gemacht, dass frühzeitige und konsequent umgesetzt harte Maßnahmen am Ende zu einem früheren Erfolg führen. Das habe ich auch bei Ausbrüchen von Infektionskrankheiten so erlebt. Ich maße mir aber nicht an, hier im Besitz des Steins der Weisen zu sein und die aktuelle Situation ist sicherlich eine besondere.


Richtig interessant fand ich übrigens den Artikel "Der Hammer und der Tanz" auf medium.com, der eine mögliche Perspektive aufzeigt, die Lektüre dauert allerdings etwas länger. Erschienen ist er auf englisch mit entsprechender Übersetzung des Titels. Die neueren Aspekte finden sich eher unten.

Vielen Dank für den Hinweis!

 

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