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Ist es wirklich die Angst vor Wohlstandsverlust? (Sonstiges)

FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Sonntag, 28.06.2026, 22:47 (vor 4 Stunden, 55 Minuten) @ Sascha
bearbeitet von FourrierTrans, Sonntag, 28.06.2026, 22:57

Ich mache mir schon seit längerer Zeit viele Gedanken über diese Themen und ich gebe dir komplett recht: letztlich weiß eigentlich jeder, was los ist, in Sachen Klima. Am Ende wissen auch die allermeisten AfD Wählerinnen und Wähler, dass, wenn sie aus dem Arbeitermilieu oder aus der (ehemaligen) Mittelschicht kommen, die AfD rein gar nichts zu ihrem Wohlstandserhalt beitragen wird. Eher das Gegenteil wird der Fall sein.

Mir ist aber unklar, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass es wieder so viele Menschen gibt, die derart abgedriftet sind. Eine Lösung kann ich zwar inhaltlich auch nicht anbieten und mehr als eine "Systemkritik" wird es dann nicht, aber letztlich habe ich schon zunehmend den Eindruck, dass im Grunde ebenso von den Schalthebeln der Macht überhaupt nichts unternommen wird, diesen Entwicklungen gegenzusteuern. Es scheint für Spitzenpolitik und globaler Geld- und Machtelite nur ein Ziel zu geben: das Wachstum und der Konsum müssen weiter gesteigert werden, sie sind die neue Religion unserer Zeit, die Musik der Globalisierung (mit all den Vorteilen, die sie auch über die Jahrzehnte gebracht hat), in das letzen Endes auch fast jeder von uns schon rein beruflich gefangen ist, muss weiter spielen. Gibt es irgendwo auf der Welt einflussreiche Personengruppen die ernsthafte Überlegungen anstreben, welche Nachteile dies möglicherweise auch mit sich gebracht hat und ob wir einen anderen Weg einschlagen müssen? Im Grunde nicht, abgesehen von "Exoten" des Degrowth, denen es mMn aber auch primär um Kulturkampf geht.

Die Folgen für das Klima, den Alltag der Menschen, die eine globalisierte Welt mit sich gebracht hat, sind enorm. Insbesondere natürlich in Regionen der Welt, die dadurch mittels Klimawandel noch viel mehr "abbekommen", aber auch die Lebensweisen hier bei uns. Ehrlich gesprochen, habe ich dieses Leben selbst einige Zeit gelebt in einem Konzern, in der Welt zu Hause gewesen, Asien, NAFTA, Osteuropa, mit all den üblen Charakteren und Denkweisen in diesen Buden, mit all den ekelhaften Karrieretypen, die den Wert ihres Lebens vom Jobtitel abhängig machen, mit all den Heucheleien (Workshops zum Thema "Nachhalitgkeit" und "Equality", aber hardcore öko-feindlich und in "Kadavergehorsam" wirkend). Konzerne, die schon lange nicht mehr im Sinne von "die Flut hebt alle Boote" argumentieren können, sondern die die Basis nach Strich und Faden ans Messer liefern, die einen Alltag etabliert haben, der George Orwell's "1984" längst in Nichts mehr nachsteht. Was außerhalb des konkreten Jobs auch dazu geführt hat, dass heute im Grunde bereits zwei Einkommen zu einem Haushaltseinkommen einer Familie standardmäßig mit einkalkuliert werden, was Gemeinschaften und Ehrenamt zunehmend unter Druck setzt (auch durch das "dem Job hinterherziehen"). Ein Zeichen dafür, dass hier grundlegend und fundamental seit einigen Jahrzehnten etwas schiefläuft, ist der rasante Anstieg mentaler Erkrankungen in westlichen Gesellschaften.

Ich wäre mir gar nicht so sicher, ob unbewusst oder bewusst, nicht ein erheblicher Teil der Bevölkerung willens wäre, wieder in einer viel "einfacheren" Umgebung zu leben, wenn es dazu ein nachhaltig denkbares Lebensmodell für die Masse gäbe. Was dann auch bedeuten würde, weniger Elektronik, weniger Konsum, weniger Fleisch, weniger Mobilität, dafür aber wieder mehr Gemeinschaft und Zugehörigkeit, klare Fokussierung auf elementare Säulen des Lebens wie Familie (und im Zweifel auch Glaube, allerdings ohne die Unzulänglichkeiten, die Religion immer wieder hervorgebracht hat) und Freunde, gesundes, nachhaltiges Leben (mit moderner Medizin, ein klare Erfolgsstory von Globalisierung und Wachstumsstreben). Eventuell schafft die Technik eine Abkehr von der Klimakatastrophe, sofern nicht, wäre wohl nur zuvor beschriebenes ein echter Schub hin zu einer Abkehr des ökologischen Problems?
Am Ende kann ich nur für mich selbst sprechen. Ich versuche stets da wo es geht, "save on waste" zu betreiben bzw. klimaschonend zu leben. Wenn man mich nach "Verzicht" fragen würde, ich wäre ohne zu Zögern jederzeit bereit, in einer anderen Welt aufzuwachen. Mit all den Konsequenzen, die es mit sich brächte, aber auch den (aus meiner Sicht) positiven Veränderungen im gesellschaftlichen Leben. Im Nachgang zum oben beschriebenen muss ich sagen, wird einem irgendwann sehr deutlich, wie künstlich und verachtenswert diese "brave new world" ist, obwohl ich sehr wahrscheinlich als "Globalisierungs-Gewinner" gelte. Würde mich heute Nacht ein Geist besuchen, wie bei Ebenezer Scrooge, der es mir zu Wahl stellte, ob ich mit meiner Familie in einem Paralleluniversum aufwachen würde, in dem es so aussähen würde, wie oben beschrieben, ich würde ohne zu zögern einschlagen. Weil ich persönlich absolut sicher wäre, dass es zwar ein deutlich einfacheres, aber sicherlich glücklicheres Leben wäre, auch für die, die danach kommen.


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