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Fair enough (BVB)

uwelito, Wambel forever, Freitag, 23.08.2024, 21:08 (vor 541 Tagen) @ Giog

Zu dem Podcast müsste man einen eigenen Artikel schreiben, da sind so viele hanebüchene Dinge gesagt worden. Aber zu dem von dir angesprochenen Punkt: es wäre tatsächlich spannend gewesen, wenn zwei Fragen, die CC selbst aufgeworfen hat einmal gestellt worden wären: er sagt zum Einen, vor 2 Jahren hätte man das wohl nicht gemacht. Da wäre doch naheliegend gewesen zu fragen „warum?“ und ob sich der Sinneswandel rein aufgrund der politischen Lage ergeben hat, oder auch Rheinmetall als unternehmen einen Anteil hat (schließlich bekommt man nicht vom Verteidigungsministerium im Zuge der Zeitenwende Geld, sondern von Rheinmetall).
Zweiter Punkt ist die Stelle, wo die „roten Linien“ bei der Auswahl von Partnern angesprochen wird, aber gleich abgewiegelt wird, dass man die nicht weiter benennen wolle. Diese Debatte würde ich sehr gerne mal geführt sehen, weil an der Stelle lediglich deutlich wird, dass man mit dem arabischen Raum nix zu tun haben will (klar, die verzerren ja auch den Fußball Wettbewerb).

Ich habe den Podcast heute noch einmal gehört. Das war nicht zuletzt deshalb gut, weil ich Gruszeckis Hinweis auf seine Freunde in Argentinien beim ersten Hören akustisch vollkommen falsch verstanden habe. Es ging also an diesem speziellen Punkt nicht um das Unverständnis bezüglich des Sponsoring- Deals mit Rheinmetall sondern darum, dass die Kumpels aus Argentinien nichts mit den Diskussionen bezüglich Katars und WM- Boykott anfangen konnten. Das kann ich total nachvollziehen, denn für die meisten oder alle meine Freunde aus Südamerika würde wohl aus den verschiedensten Gründen das gleiche gelten. Das ist aber für das hier debattierte Thema vollkommen irrelevant, wobei ich keinesfalls unterstellen möchte, dass hier bewusst eine Nebelkerze gezündet werden sollte. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen noch mal auf den Podcast zurückkommen kann.

Dieses kleine Missverständnis hatte aber nun umgehend dafür gesorgt, dass ich mich noch einmal genauer mit den Zusammenhängen zwischen Rüstungsindustrie, Chile und Argentinien und den dortigen Militärdiktaturen zwischen 1973 und 1990, bzw. 1976 bis 1983 beschäftigt habe. Da ich selbst 30 Jahre lang in Lateinamerika gelebt habe und im Grunde in allen spanischsprechenden Ländern (plus Brasilien) eine ganze Reihe Freunde und Bekannte habe wusste ich, dass das, was ich da glaubte gehört zu haben, falsch sein musste. Denn gerade in Argentinien und Chile kann man mit den Themen "deutsche Waffenexporte" etwas anfangen, wie ich aus einem früheren Gespräch (in den 90ger Jahren) mit meinem chilenisch-jüdischen Freund Mario wusste. Der wurde in Santiago geboren, seine Eltern stammten ursprünglich aus Deutschland und waren in der NS- Zeit nach Chile geflohen. Mario war damals Professor für Philosophie an der Universidad de Santiago de Chile und erzählte mir Dinge über sein Land, für die er sich als Chilene und ich mich als Deutscher im wahrsten Sinne des Wortes geschämt haben. Von der Nähe großer Teile der jüdischen Gemeinde zu Pinochet und seinem Folterregime und der Unterstützung der deutschen Botschaft in Wort und Tat, die - wie eine ganze Reihe von Politikern in der BRD - von einem "notwendigen Übel" sprach. Von jüdischen Ministern, die mit dem Hitlerbewunderer Pinochet gemeinsame Sache machten. Von der Unterstützung durch F.J. Strauß und Teile der CSU für die Folterknechte, aber auch von der großen Gastfreundlichkeit, auf die im besonderen viele chilenische Akademiker im Exil in Deutschland trafen. Hier gebührt den deutschen Gewerkschaften, den Universitäten und auch Teilen der SPD großer Dank. Er erzählte mir aber auch von der Unterstützung des Folterregimes durch die deutsche Militärindustrie. Das alles hatte ich noch so einigermaßen auf dem Schirm, als der Rheinmetalldeal publik wurde und ich den Podcast hörte, aber nicht mehr, welcher oder welche Konzerne mithalfen, dass sich der Hurensohn Pinochet solange an der Macht halten konnte. Deshalb habe ich noch mal nachgeschaut. Was dabei herausgekommen ist, wird dich nicht überraschen: https://www.spiegel.de/politik/im-zweifel-passiv-a-30285bde-0002-0001-0000-000014349676

Muss jetzt leider nach Hause, Frau guckt mittlerweile nicht mehr amused. Ein kurzer Dank noch an dich für deine wohltuenden Beiträge, die ich in der Diskussion mit einer gehörigen Portion Empathie verfolgt habe. Auf drei Punkte morgen. Abrazos.


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