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Der Tag nach der Derbyniederlage - Thread (BVB)

Kris, Sonntag, 28.04.2019, 15:04 (vor 2560 Tagen) @ CHS

@ Steffi


Hallo Steffi,

vielen Dank für deine offenen Worte, die auch vieles von meiner Gefühlswelt auf den Punkt bringen.

Ich ärgere mich darüber, wenn wir nicht gut spielen und mit irgendwelchen Unkonzentriertheiten und Leichtsinnsaktionen Gegentore kassieren. Ich fühle mich aber Minuten später wieder supergut, wenn ich mir unsere Tore anschaue, wie schön sie herausgespielt wurden und freue mich sogar für Mario Götze, den ich schon mal auf das Schlimmste verteufelt habe. Ich freue mich über unsere Spielzüge und war fest davon überzeugt, dass wir dieses Spiel gegen das Gerumpel der Blauen gewinnen würden.
Leider ist es ihnen gelungen, uns mit Unterstützung des Schiris auf ihr Niveau herunterzuziehen, und Foulen und Unfairness ist nicht unser Ding. Dass sich ausgerechnet Marco die rote Karte einfängt, kann ich immer noch nicht fassen. Von ihm hätte ich mehr Coolness erwartet. Dass es hektisch werden würde, damit musste man doch rechnen. Aber irgendwie kann ich noch nicht mal ihm einen Vorwurf machen, wenn man sich das gesamte Spiel anschaut. Auf die zweite Rote mag ich nicht mehr eingehen, ich weigere mich innerlich, mir diesen ganzen Mist nochmal anzuschauen: eine einzige Kaskade von gelbwürdigen Fouls der Blauen, die auch tatsächlich hin und wieder, aber nicht entscheidend geahndet wurden. Mir ist nach vielen anderen Fouls immer noch der Ringkampf von Burgstaller gegen Weigl im Kopf, für den es lediglich einen Du-Du-Zeigefinger von Zwayer gab. U.v.m.

Insgesamt habe ich nach dieser Woche die Faxen ziemlich dick, und das meine ich auch grundsätzlich. Nicht wegen unserer Jungs, oder dass wir wahrscheinlich die Meisterschaft und ein Derby vergeigt haben. Es geht um das Gesamtpaket „Fußball“. So wie dich widert mich dieses ganze Drumherum ebenfalls völlig an. Es ist etwas anderes, wegen eines verlorenen Spiels enttäuscht zu sein, oder immer wieder derbe Klatschen einstecken zu müssen, die mit der eigenen Spielweise nur peripher zu tun haben.

Zunächst symptomatisch diese Hand-Regel, die kein Mensch mehr versteht. Hier freue ich mich sehr darüber, dass unser Trainer, der sich sonst in der Öffentlichkeit eher wortkarg gibt, klare Worte findet „Wer hat diese Regel erfunden? Das sind Leute, die von Fußball keine Ahnung haben. Der Fußball macht sich lächerlich.“

Dann dieses Sky-Paket mit seiner bis ins kleinste durchchoreografierten, unerträglichen Bayern-Affinität, diese unsäglichen Kommentatoren, die man dem Zuschauer zumutet, das doofe Geschwätz drumherum, das ich mir schon lange nicht mehr anschaue; Kalli als „Experten“ usw. Leider kann ich nicht ins Stadion und bin auf diesen Ekelsender Sky angewiesen, für den ich sogar die ständigen Werbeeinblendungen mitbezahle. Wie bescheuert muss ich eigentlich sein? Für uns bleibt es dabei, dass Sky zum Ende der Saison gekündigt ist, irgendwann ist einfach Schluss.

Und dann, über die Jahre hinweg, und das ist für mich am unerträglichsten, immer und immer wieder die Begünstigung der Bayern, wenn es um Titel geht. Mal trifft es uns, mal andere Vereine, aber NIE die Bayern. Nie! Ich meine das nicht als Rumgejaule, sondern als Feststellung. Es kommen einem einfach komische Gedanken in den Sinn: gerade wieder diese Woche die Fehlentscheidung im Pokalspiel, dann ausgerechnet die Ansetzung des so „untadeligen“ Herrn Zwayer als Schiri gegen uns, der in meinen Augen nie wieder hätte ein einziges Fußballspiel pfeifen dürfen. Und dann schon fast erwartungsgemäß diese unterirdischen Entscheidungen im Spiel. Aber so ist es doch für die Bayern wieder prima gelaufen: man begünstigt das Gerumpel mit einer zweifelhaften Elfer-Entscheidung, und weigert sich, das Herumgefoule der Blauen entsprechend zu bestrafen. Man lässt das Spiel weiterlaufen, obwohl Sancho aufgrund einer Tätlichkeit behandelt werden muss. Diejenigen, die sowas gutheißen bekommen Recht. Nur weiter so. Wenn alles nicht hilft, einfach einen Spieler verletzen und dann auf den Schiri hoffen. Hat geklappt.
Irgendwie klingt das nach Verschwörung und Aluhut, aber ganz ehrlich, mir reicht‘s bis oben hin. Den Rest haben wir uns dann selber eingeschenkt: zwei rote Karten mit Folgen.

Zuletzt frage ich mich, wieso ich mich über Dinge aufrege, die ich als Fernsehzuschauer überhaupt nicht beeinflussen kann? Warum pöbele ich lautstark herum, wo ich sonst ein friedfertiger Mensch bin? Wozu soll ich mir dieses für mich abgekartet erscheinende Spiel weiter antun? Als vernunftbegabtes Wesen kann man nur zu einem Schluss kommen: aufhören damit! Tja, und dann ist da die Liebe zu diesem Sport und zu meinem Verein. Die Hoffnung, dass sich etwas zum Besseren ändert, stirbt zwar zuletzt, aber sie ist in dieser Saison erheblich poröser geworden, als sie zuvor schon war. Ich denke eher, dass die Dinge sich weiter verschlechtern werden. Egal wie bin ich jetzt da angekommen, wo andere schon zuvor: Ich lasse mich nicht mehr veräppeln von Machenschaften und Unfähigkeiten. Es reicht wenn man damit im echten Leben zu tun hat.

Ein letzter Satz zu uns: Ich bin gespannt, wie Favre die Saison, insbesondere die Rückrunde für sich bewertet. Es könnte auch gut sein, dass er von sich aus seinen Vertrag nicht verlängern wird. Das würde einige hier im Forum sicherlich freuen, mich nicht. Ich fand auch nicht, dass wir gestern „seelenlos“ gespielt haben. Wir müssen vielleicht schneller und druckvoller spielen, dennoch waren wir den Blauen spielerisch um Weiten voraus und hätten das Spiel selbst mit unseren Duselfehlern eigentlich gewinnen müssen. Mit einem anderen Schiri wäre das sicherlich gelungen.
Ich als Laie finde den Spielansatz unter Favre interessant, auch wenn mich manchmal die Ungeduld packt. Ich denke, er möchte ein Team formen, das hinten sicher steht und nicht durch unnötige Risiken in Rückstand gerät. Dafür müssen unsere jungen Spieler noch viel lernen. Das ist zurzeit nicht spektakulär, eben kein Klopp-Fußball. Es gelingt auch nicht immer, weil sich individuelle Fehler einschleichen, bei denen Favre sich sicherlich auch die Haare rauft.
Mit ihm könnten wir längerfristig einen schönen Fußball zu sehen bekommen, teilweise ist es auch jetzt schon so. Wenn er ginge, wüsste ich nicht, wer stattdessen übernehmen sollte. Für mich wäre das ein Scheitern mit großer Tragweite. Wir sind dabei, ein Team zu formen und müssen auch an die Zeit nach Marco und Sancho denken. Ich hoffe, dass diese Reise weitergeht, und dass der Fußballgott dennoch ein Einsehen haben wird, indem er all die Machenschaften irgendwann bestraft oder zumindest einschränken wird.


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