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[Politik] Hartz IV: Lebt ihr noch oder seid ihr schon arm? (Sonstiges)

Blarry @, Essen, Dienstag, 13. März 2018, 18:10 (vor 100 Tagen) @ nemix

Ich behaupte mal das man als Single von dem Regelsatz (416€) einigermaßen vernünftig Leben kann, wenn Miete usw. übernommen wird (sprich günstige 1,5-2 Zimmer). Da ist dann aber nichts mit sparen oder mal eben am Wochenende rausgehen.

Nur dass eben nicht allzu viel Miete übernommen wird, und "usw." schonmal gar nichts darüberhinaus. In Essen gibts seit 1. März für einen Einpersonenhaushalt maximal 354€ Wohnzuschuss. Dafür muss man schon in Stadtteile ziehen, die man nach Anbruch der Dunkelheit nur noch im Schützenpanzer verlassen kann. Nicht zu vergessen, dass der Zuschuss lediglich für Kaltmiete, Warmwasser und Heizkosten zusteht und gerade der letzte Posten im Ruhrgebiet oftmals noch über Nachtspeicheröfen, also über die Stromrechnung fällig wird. Die man selber tragen darf.

Überhaupt bleiben von den 416€ schon zum Leben wenig übrig. Lass 50€ für generelle Mietnebenkosten draufgehen, 20€ fürn Handyvertrag, 40€ für Internet/Telefon, 50€ für Strom, 5€ Girokontogebühren, bleiben vielleicht 250€ übrig. Und darin ist noch keinerlei Transport enthalten (Sozialtickets sind ja neuerdings kommunistischer Unfug, der unsere abendländische Zivilisation bedroht), keine Kosten für Arzneimittel oder sonstige diätetische Erfordernisse im Krankheitsfall. Dann willst Du natürlich noch mal ins Kino oder ins Stadion, World of Warcraft kostet auch seine 13€ im Monat - all das musst Du Dir schon zusammensparen, und zwar beim Essen. Am Ende haste vielleicht 4 oder 5 Euro am Tag, von denen Du Dich gesund ernähren willst, was alleinstehend aufgrund der meist auf Familien portionierten Nahrungsmittel viel schwieriger ist als wenn man für drei Personen kochen möchte.

Schlimm wird es wenn Familien betroffen sind, die vorher einen gewissen Lebensstandard hatten und evtl. Haus/Auto finanzieren. Da bricht dann schon in ALG1 vieles zusammen und es geht leider mega schnell abwärts.
Durch ein Familienmitglied bei der Arbeitsagentur (Jobcenter ist 2 Strassen weiter), bekommt man da leider einige Stories mit. Da wird aus dem erfolgreichen Berater mit Kindern und Haus/Autos nach einem Burnout und ewigem Kampf mit Berufsgenossenschaft und Arbeitsagentur ein H4 Fall. Kurz danach zerbricht die Ehe, Haus und Autos sind längst weg und es geht weiter steil bergab.

Teil 2: gerade nach solchen "wirtschaftlichen Abstürzen" stehen oft Schulden, die zu begleichen im Rahmen des Hartz-IV-Satzes nullkommanull Spielraum herrscht, Den- oder Diejenige noch weiter runterziehen, Schufa-Einträge erschaffen die einem noch Jahre später das Genick brechen.

Es ist schon arg auf Kante genäht. Natürlich soll es das irgendwo auch sein, aber "vernünftig" leben geht mit Hartz IV eigentlich nur, wenn man weder Hobbies noch Freunde noch ein sinnerfülltes Leben vorzuweisen hat. Was irgendwo auch eine Aussage über die Wirksamkeit des SGB II ist.

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