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Kretschmer fordert die 40-Stundenwoche für nahezu alle (Politik)

Lattenknaller, Madrid, Donnerstag, 11.01.2024, 09:37 (vor 764 Tagen) @ FourrierTrans

https://www.tag24.de/nachrichten/politik/deutschland/politiker/michael-kretschmer/kretschmer-mit-knallhart-ansage-fuer-teilzeit-arbeiter-3061560

Das Signal der CDU an junge Leute: Wer gut verdiene, solle nicht in Teilzeit arbeiten dürfen. Es kann nicht sein, dass Geringverdiener Vollzeit malochen und Gutverdiener nicht. Teilzeit gefährde den Wohlstand unsere Landes.


Für gewöhnlich bin ich ja immer auf Seiten der Arbeitnehmer (wobei ich das nicht laut sagen dürfte im Job), aber diese Diskussion ist einfach nur absurd. Ich bin aktuell beruflich in Las Vegas und war vor Weihnachten in Asien, primär China. In fast allen asiatischen Staaten, die ich kenne, gilt das Prinzip "9 - 9 - 6". Von neun Uhr morgens bis neun Uhr Abends, sechs Tage die Woche. In Nordamerika geht das wieder verstärkt in eine ähnliche Richtung, so mein aktueller Eindruck. Der feine Unterschied zu Deutschland ist natürlich, dass man in diesen Ländern auch mit gebrachter Leistung linear "mitverdient", während in Deutschland alleine viele Gewerkschaftsverträge dafür sorgen, dass eine Leistung im Grunde egal ist, mal abgesehen von ein paar ERA Pünktchen plus oder minus. Von den nicht-gewerkschaftlichen gebundenen Unternehmen müssen wir gar nicht erst sprechen, die sind lohntechnisch in aller Regel eine Farce. Das ist der Kritikpunkt, den man anbringen kann. Aber zu glauben, dass wir hier mit unseren <35h produktiver sind als der Rest der Welt, oder einfach nur smarter, ist eine weitere deutsche Traumvorstellung. Die größten deutschen Industrien zeigen aktuell ganz schonungslos, wie schlecht man sowohl in Qualität als auch in Quantität und Schnelligkeit "performt". Völlig losgelöst von der globalen Realität, diese Diskussion.

Sorry, verstehe Deine Argumentationslinie hier generell nun wirklich nicht. Du bist sonst immer einer der die ungleiche Verteilung von Kapital und Einkommen kritisiert und das in guter marxistischer Manier als Kernursache vieler Probleme ansieht, aber jetzt stellst Du Dich in der Argumentation auf die Seite des Kapitals.
Momentan versuchen Kapitalinteressen (und das sind nun einmal die großen Arbeitgeber) verstärkt Druck auf die Arbeitnehmerseite zu machen. Da ist in der Pandemie einiges verrückt was die Themen Autonomie und Gehalt angeht. Die Homeoffice Debatte ist da nur eine Facette, auch wenn massiv surreal in der Argumentationslinie vieler Arbeitnehmer. In den USA werden ja auch im IT-Bereich viele entlassen, da hat man wohl auch zuviel eingestellt, aber einige Produkte laufen auch nicht wirklich gut. Aber das Ganze muss man vorrangig unter Machtkampfaspekten sehen. Allerdings haben die auch in den USA gerade in niedrig bezahlten Sektoren Probleme Leute zu finden. Aber die haben auf der Angebotsseite mehr Spielraum.
In Deutschland geht das gerade los. Mit bescheidenen Erfolg. Wird auch so bleiben. Solange man in der EU und v.a. auch in Deutschland beim Thema Migration so restriktiv verfährt (ich bleibe hier wertneutral) wird man nicht mehr Angebot auf der Arbeitnehmerseite bekommen. Und diese Wünsche nach qualifizierter Einwanderung werden weitestgehend Wünsche bleiben (in Spanien etwas anders durch die Verbindung zu Süd- und Mittelamerika). Und wir wissen die Boomer gehen in Rente und werden dies auch tun, viele wollen früher in Rente. Bis 67 arbeiten da die wenigsten. Das wird das wirtschaftliche Thema des nächsten Jahrzehnts, wird zwar verdrängt, weil viele Teile der Presse Migration nach vorne schieben und momentan das Inflationsthema noch nachwirkt. Aber die Auswirkungen sieht und spürt jeder schon. Ich musste nur grinsen als ich gesehen habe, was Bäcker mittlerweile veranstalten um Leute zu kriegen.
Wenn nun also ein Kretschmer so was raushaut stecken dahinter nur Arbeitgeberinteressen.
Das sind Vorboten eines großen Konfliktes, ein paar große Kapitalinteressen versuchen da massiv die Uhr zurückzudrehen. Die machen das nicht, um den Standort Deutschland zu stärken, sondern aus purem Eigeninteresse.
Ich sehe auch nicht, wie ein europäisches Modell mit hoher Produktivität und geringerer Belastung den Standort schädigt. Im Zweifel wird man mehr automatisieren müssen. Aber die Arbeitssklaven wie in Asien oder den USA erzeugen nicht unbedingt höhere Qualität und Produktivität. Und ansonsten muss man sich in der EU dann eben schützen. Macht die Kommission ja auch schon.


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