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Schiedsrichterin (Schach) (Fußball und Sport allgemein)

Sascha, Dortmund, Donnerstag, 16.01.2020, 11:01 (vor 2177 Tagen) @ Nietzsche

Irgendwie kommt es mir so vor, als gäbe es bei dir überhaupt keine Trennung zwischen Gläubigen und religiösen Fanatikern.


Wie ist denn die Definition von Fanatiker? Das ist doch jemand, der über die Vernunft nicht mehr zugänglich ist, oder?
Wer wirklich ernsthaft gläubig ist, muss zwangsläufig Fanatiker sein.

Das ist doch Unsinn. Die katholischen und evangelischen Kirchen selber betreiben eine historisch-kritische Bibelexegese. In der Bibel wird dem Menschen ein "freier Wille" zugeschrieben. Aussagen werden in den historischen Kontext eingeordnet, interpretiert und auch aktualisiert. Und am Ende hat jeder Mensch die Wahl, wie er handelt. Fanatismus und Dogamtismus hängen eng zusammen und es gibt mit Sicherheit etliche Gläubige, die in beiden Kategorien denken. Aber es gibt eben auch genug Gläubige, die ihren Glauben mit dem Zeitgeist in Einklang bringen. Das ist einem Fanatiker jedoch nicht möglich.

Das bedeutet natürlich nicht, dass diese Menschen anderen Leid zufügen. Das will ich damit überhaupt nicht sagen.
Aber wenn sie gute Menschen sind, Gutes tun, andere respektvoll und anständig behandeln usw. dann tun sie es, weil sie anständige Menschen sind und trotz ihrer Religion. Niemals wegen ihrer Religion!

Vielleich funktioniert auch einfach beides. Sie behandeln Menschen anständig, weil sie anständige Menschen sind. Und sie bleiben es, weil Religion ihnen immer wieder ihre Werte bewusst macht. So eine Art Leitplanke. Ans Ziel komme ich wegen der Straße und nicht wegen der Leitplanke. Aber sie verhindert, dass ich von der Straße abkomme.

Zumindest in Deutschland ist diese Form von religiöser "Verblendung" doch kaum noch wahrnehmbar. Selbst meine mittlerweile verstorbenen Großeltern waren zwar praktizierende Katholiken in Form regelmäßiger Kirchgänge und Kirchenchor etc. Gleichzeitig waren sie aber auch Menschen, die mitten im Leben standen, mit Sicherheit nicht in permanenter Angst vor der Hölle gelebt haben und auch Menschen anderer Konfessionen, oder Glaubensausrichtungen oder auch Nichtgläubige als Menschen zweiter Klasse behandelt haben. Und in den folgenden zwei Generationen ist diese Glaubensausbünung mit Sicherheit nicht weniger weltlich geworden.


Na klar, die meisten sind so. Weil sie ihre Religion eben nur bis zu einem gewissen Punkt ernst nehmen. Zum Glück!
Und damit sind wir wieder beim Ausgangsbeitrag dieses Strangs. Die Fundamentalisten im Iran nehmen das eben sehr ernst. Und dann führt das notwendigerweise zu solchen Sachen. Und da kommt man eben auch nicht raus.

Natürlich, wenn ich hinter jeder Religion eine Armee potentieller Gotteskrieger sehe, dann wird das alles sehr unappetitlich. Aber das ist jetzt auch nicht unbedingt das, wie ich "Religion" im erweiterten Umfeld wahrnehmen.


Die Perspektive ist eher so:
Die Religion als Idee ist ein Glaubenssystem, dass zu einer Armee von Gotteskriegern führen kann. Das System gibt das widerspruchsfrei her.
Deine Formulierung trifft es gut: Religion als Idee und System ist ziemlich unappetitlich.

Zum Glück gab es inzwischen so viele gesellschaftliche Veränderungen, dass sich nicht mehr viele Menschen davon verführen lassen. Aber das liegt halt nicht an der Religion!

Welches System gibt das nicht her? Politische und ideologische Systeme haben häufiger zu ähnlichen Ergebnissen geführt. Man könnte fast meinen, dass es eher am Menschen liegt und nicht am System...


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