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Risikoland Deutschland (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Samstag, 14.03.2020, 21:19 (vor 2374 Tagen) @ Alones
bearbeitet von Will Kane, Samstag, 14.03.2020, 21:23

Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis Deutschland, wenn vielleicht auch als letztes Land in Europa, ähnliche Maßnahmen trifft.


Im Moment kann man es wohl auf den einfachen Faktor herunterbrechen, dass die Reisefreiheit in der gesmten EU komplett eingestellt wurde. Jedes Land versucht nun für sich, die Krise unter Kontrolle zu bringen.

Dass nun einzelne Länder innerhalb der EU selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen, ist nicht verwunderlich. Die EU hat in meinen Augen schlicht versagt. Es gibt Situationen, in denen bestimmte Errungenschaften wie die Reisefreiheit hinter dem Wohl der Allgemeinheit zurückstehen müssen. Genau genommen haben wir es mit einem Notstand zu tun und Notsituationen erfordern Notmaßnahmen. Diese sind allerdings am wirkungsvollsten, wenn sie früh-/rechtzeitig, hart und konsequent durchgezogen werden. Ich habe die eine oder andere Katastrophensituation in meinem Leben erlebt, sogar in Deutschland. Immer war es die gleiche Erfahrung: Nichts tun, wenig tun, inkonsequentes Handeln haben erst recht eine Situation entstehen lassen, die weitaus größeren Schaden angerichtet hat und nur mit noch einschneiderenden Maßnahmen wieder in den Griff zu bekommen war.

Ob das nun eine sinnvolle Maßnahme ist, weiß ich nicht. Ich bin da eher skeptisch. Warum sollte es jetzt besser sein, wenn jemand aus Bayern problemlos nach Berlin reisen kann, jemand aus Österreich aber nicht?

Ich lebe in einer Grenzregion und allein durch die knapp 20.000 Grenzgänger, die täglich von Frankreich ins Saarland einpendeln, haben wir hier eine exponierte Situation. Hinzu kommen tausende Menschen, die täglich aus Frankreich und auch Luxemburg zum Einkaufen kommen. Apropos Luxemburg: Die Hälfte der in Luxemburg Beschäftigten pendeln täglich aus Deutschland, Frankreich und Belgien nach Luxemburg ein. Und halt auch wieder zurück.

Es in der jetzigen Situation absolut sinnvoll, wenn die saarländischen Betriebe die Mitarbeiter aus dem lothringischen Risikogebiet nicht mehr auf das Werksgelände lassen. Es ist aber verantwortungslos, wenn dieselben Mitarbeiter mit ihren Familien ihre nun gewonnene freie Zeit mit Familienshopping in Saarbrücken verbringen. Frankreich und Deutschland als Staaten, das Saarland als Bundesland und Grand Est als Region haben hier gar nichts unternommen.

Es hätte hier kaum einer ein Problem damit, wenn die grenznahen Lothringer Gebiete und das Saarland und Luxemburg als Einheit auftreten und gemeinsam Maßnahmen treffen würden. Je kleiner die Einheiten, desto besser. Das passiert aber nicht.

Da ist momentan viel Aktionismus dabei und alle Länder versuchen sich mit immer noch strikteren Auflagen zu überbieten.

Ich hatte in einem anderen Beitrag geschildert, was es tatsächlich mit den seit kurzem eingeführten sog. ‚Grenzkontrollen‘ hier im Saarland auf sich hat. Eine Farce. Eine unnütze, teure und völlig wirkungslose Maßnahme, die nur wichtige Ressourcen bindet.

Was die Maßnahmen anbelangt, so können sie mMn nicht strikt genug sein. Dass sie abgestimmt und gemeinsam getragen sein sollten, ist eine andere Sache.

Teilweise sind die Maßnahmen einfach nur willkürlich und von Panik getrieben. Die wirtschaftlichen Folgen werden fatal sein.

Die wirtschaftlichen Folgen des Nichtstuns bzw. zu späten und inkonsequenten Handelns werden noch viel größer sein.

Nun versucht man Stärke zu demonstrieren und davon abzulenken, dass die Situation längst außer Kontrolle ist.

Da stimme ich Dir zumindest teilweise zu. Aber auch wenn die Situation bereits außer Kontrolle geraten ist, so darf man nichts unversucht lassen, sie wieder unter Kontrolle zu bringen.


Ich bin weiterhin der Meinung, dass eine demographische Lösung viel sinnvoller ist, als eine geographische. Der Virus macht an keinen Grenzen halt. Aber die Bevöllkerungsgruppen, die am meisten bedroht sind, lassen sich schützen. Umso ernüchternder war es gestern, als ich im Supermarkt war und dieser voll mit alten Leuten war. So macht das doch keinen Sinn.

Es macht auch keinen Sinn, wenn jüngere Infizierte im Supermarkt unter sich bleiben und dann das Virus in die weite Welt tragen. Ich gehöre auch altersmäßig zur Risikogruppe, auch wenn ich jünger aussehe und in guter körperlicher Verfassung bin. Auch ich war in den letzten Tagen und auch heute einkaufen. Die Altersstruktur gerade hier im Saarland weist die ältere Generation als überproportional vertreten aus. Die ersten identifizierten Erkrankten waren/sind allerdings mittleren Alters, die sich an Orten außerhalb des Saarlandes infiziert haben und dann ins Saarland zurückkamen. Neben der Infektionskette, die nun innerhalb des kleinen Saarlandes um sich greift, erhält diese täglich neues ‚Futter‘ von denjenigen, die sich ebenfalls außerhalb infiziert haben und nun ins Saarland zurückkehren oder erstmals einreisen. Wenn ich die Kette unterbrechen will, dann muss ich hier ansetzen. Bis auf die kleinste lokale Ebene hinunter. Die einzigen, die beweglich bleiben müssen, sind Einsatz- und Rettungskräfte, medizinisches und Pflegepersonal, Müllabfuhr, etc. Und denen muss auch alles an erdenklich möglichen Schutzmaßnahmen zukommen.

Davon abgesehen hätte man bereits spätestens Anfang Februar sämtlichen Besucherverkehr in Alten-/Pflegeheimen, Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen etc. striktens unterbinden müssen. Um diese immungeschwächten Menschen zu schützen. Hätte sicher Gemurre gegeben, wäre meiner Einschätzung nach aber von den allermeisten akzeptiert worde. Jeder mit der Materie beschäftigte weiß, wie explosionsartig sich Krankheitserreger in solchen Einrichtungen verbreiten können.


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