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Was ist das Ziel aller Maßnahmen? (BVB)

Blarry, Essen, Samstag, 14.03.2020, 21:02 (vor 2374 Tagen) @ Franke

Akut die Zahl der Neuinfektionen senken, klar. Sonst geht das Gesundheitssystem wohl schnell in die Knie.

Aber: Meint man, das Problem innerhalb von einigen Monaten in den Griff zu bekommen? Wieder halbwegs normales Leben für alle, die nicht reisen wollen oder müssen?

Das Gesundheitssystem ist weniger die Variable. Das macht nämlich seinen Job so gut es kann. Wobei die Größenordnung der Epidemie die Bemühungen mehr oder weniger obsolet macht, da der Katastrophenschutz in Deutschland i.d.R. mit separaten Schadensfällen mit rund 1000 Betroffenen rechnet. Eine nationale Katastrophenschutzstrategie existiert zurecht nicht, da mit einer Epidemie wie aktuell schlicht nicht realistisch zu rechnen ist und die bei ihrem Eintritt sowieso individuelle Maßnahmen erfordert.

Eher geht es darum, einen Massenanfall von Verstorbenen zu verhindern, indem man den Zeitraum der Epidemie streckt. Wenn man von einer unvermeidbaren Verlustmenge X ausgeht, möchte man deren zahlenmäßige Entwicklung möglichst konstant halten. Gerade jetzt, wo die Sommermonate anstehen, kann niemandem zugemutet werden, die Oma tagelang zuhause liegen zu lassen, weil Friedhöfe und Krematorien überlastet sind.

Siehs mal so: das Statistische Bundesamt meldet für 2017 einen Bestand von rund 28'000 Intensivbetten deutschlandweit. Wenn davon eine Baseline von 80% grundsätzlich dauerhaft belegt ist, bleiben nur zwischen 5'000 und 6'000 Betten für die Behandlung schwerer Krankheitsverläufe des Coronavirus übrig. Nochmal: bundesweit.

Wenn du da 200'000 Tote erwartest, kannst du leicht hochrechnen, wie lange es etwa dauern wird, bis dein Gesundheitswesen die alle durchverdaut hat. Der überwältigende Großteil der Krankheitsverläufe wird zuhause mit Ibuprofen und Wärmflasche ausgebumst, uns brauchen also nur die rund 20% schweren Krankheitsverläufe interessieren. Von denen endet rund ein Fünftel, vielleicht ein Viertel fatal. Rechnen wir außerdem mit einer Verweildauer auf ITS von sieben Tagen pro Patient. Dann hast du

200'000 Tote / (6'000 verfügbare Betten * 25% Fatalität) pro Woche = 133 Wochen,

oder rund zweieinhalb Jahre, die du zur Abarbeitung deines sauber gemanagten Verbreitungsverlaufs ohne Überschreitung der Kapazitäten des Gesundheitswesens benötigst.

Ich musste noch nie eine Gleichung nach "Tote pro Woche" auflösen.

Nun sind die 200'000 eine rein theoretische Größe, die locker um 95% nach unten oder, Allah bewahre, 40'000% nach oben schwanken kann. Aber gerade durch die brutale Streuung der möglichen Ausgänge braucht man keine Skrupel haben, da Pi mal Daumen per Fermi-Approximation heranzugehen. Geht eh nur um eine ganz grobe Abschätzung.

Und natürlich bleibt immer die optimistische Hoffnung, währenddessen irgendwie eine Impfung oder ein wirksames Viruzid zu entwickeln.

Besuche im Altenheim sind verboten?

Ist längst überfällig. Zur Zeit sind Besucher in Altenpflegeeinrichtungen der schnellste Weg, um wieder Betten freizukriegen.


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