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Aki Watzke, mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet, (BVB)

Ulrich, Dienstag, 04.02.2025, 12:11 (vor 373 Tagen) @ stfn84

Danke für die Links, das lese ich mir nachher mal in Ruhe durch.

Ich bezweifle jedoch, dass man den Aufstieg der AfD, gerade in den letzten Monaten, monokausal am vermeintlichen hinterherhecheln ist.
Die AfD hat Themen besetzt die Jahrelang von Parteien links liegen gelassen und als nicht sonderlich relevant erachtet wurden. Ich erkenne da nicht zwingend ein jahrelanges Hinterherrennen und den Umstand, dass dadurch der Aufstieg in 2024/2025 gekommen ist. Wäre mir zu einfach.

Die Entwicklung gibt es bereits deutlich länger. Das Zitat von der Migration als "Mutter aller Probleme" stammt weder von Björn Höcke noch von Alexander Gauland, es stammt von Horst Seehofer. Und es steht für eine einseitig verzerrte Sicht auf das Thema. Migration bringt Probleme mit sich, da darf man nicht blauäugig sein. Aber Migration ist auch dringend notwendig für unsere überalternde Gesellschaft. Mittlerweile hat ein Viertel der Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Das kann man nicht umkehren. Trotzdem wird auch von der Union der Eindruck erweckt, wir könnten zurück in das Deutschland des 20. Jahrhunderts.

Borussia Dortmund steht für Vielfalt und Toleranz, aber ich erlebe unsere Gesellschaft so gespalten wie noch nie in meinem Leben. Ich weiß von Menschen, die trauen sich nicht mehr in Busse und Bahnen, weil sie eine übersteigerte Angst vor Messerattentaten haben. Ich weiß von Menschen, die leben in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland. Sie haben in der Regel die deutsche Staatsangehörigkeit, sind wie man so schön sagt "vollständig integriert", haben teilweise akademische Bildungsabschlüsse. Und denken trotzdem über eine Exit-Strategie nach, weil sie sich bei uns nicht mehr willkommen fühlen. Antisemitismus ist so präsent wie lange nicht mehr. Teils versteckt hinter Parolen wie denen von den angeblichen "Globalisten", etc. Teils lautstark-aggressiv wie von Seiten der Hamas-Freunde. Teils mörderisch wie beim versuchten Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Als Antwort setzen sowohl AfD als auch Teile der Union auf vollkommen untaugliche Rezepte. Kaum ist das mörderische Assad-Regime in Syrien durch Islamisten gestürzt worden, stellt beispielsweise ein Jens Spahn in den Raum, dass man jetzt die Flüchtlinge, die von dort gekommen sind, wieder zurückschicken könnte. Dabei weiß noch niemand, wie sich die Zustände dort entwickeln werden. Eventuell wird dort nur ein diktatorisches System durch ein anderes ersetzt.

Was wir tatsächlich bräuchten, das wäre z.B. eine deutliche Stärkung unserer Kommunen. Die gehen finanziell sehr häufig auf dem Zahnfleisch. Sie schaffen es deshalb nicht mehr, die Kernaufgaben zu erfüllen. Trotdem bürdet man ihnen mehr und mehr zusätzlich auf. Wir bräuchten deutlich mehr Wohnungsbau, vor allem fehlen auch für Menschen mit niedrigem Einkommen bezahlbare Wohnungen, in den Ballungsräumen betrifft das zunehmend auch Menschen, die im mittleren Einkommensbereich liegen. Unsere Behörden müssten deutlich besser ausgestattet sein und effizienter arbeiten, wir bräuchten eine deutlich bessere Ausstattung der Kitas mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wir bräuchten mehr Deutschkurse für Migranten, wir bräuchten mehr Jugendarbeit gerade in den sozialen Brennpunkten.

Wir bräuchten zudem das, für das sich der BVB unter dem Motto "Borussia verbindet" einsetzt, eine vielfältige, tolerante Gesellschaft ohne jede Form der Diskriminierung z.B. wegen der Herkunft.


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