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"Wir sind alle ein bisschen verliebt in diesen Verein" (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Montag, 30.09.2019, 12:11 (vor 2429 Tagen) @ Sascha

Was hier aber an Gift, Zersetzungsenergie, Mutmassungen fehlender Einigkeit etc. drin ist und damit auch wirklich jede Sachlichkeit verdrängt, ist einfach wirklich völlig ungesund und das raubt dann doch auch jeden Spass.

Es gibt ja irgendwie noch keinen auf Verdacht geäusserten Vorwurf, der noch nicht geäussert wurde. Und da sehe ich die Hauptursache einfach in der deaströsen Kommunikation und nicht in der Realität auf dem Rasen, denn die ist zwar tendenziell eher mittelmässig, aber rechtfertigt sicher nicht so eine Hysterie.


Wobei man auch aufpassen muss, dass man diese "Zersetzungenergie" nicht einfach auf die Fans statt auf die Mannschaft, bzw. den Trainer spiegelt.

Vielleicht habe ich da auch eine falsche Wahrnehmung, aber ich sehe auch auf der Tribüne die Zeit von 2010 bis vielleicht 2014 als große Ausnahme und habe uns außerhalb nie so wirklich als in sich ruhende, einheitliche Gruppe wahrgenommen. Zu Klopps Amtsantritt gab es das "Zorc raus"-Banner in Leverkusen für den Verkauf von Petric und selbst in Klopps letzter Saison wurde häufig gemurrt, wenn man ergebnislos in Handballmanier rund um den Strafraum quergepasst hat. Gündogan wurde von Klopp zu Beginn auch deshalb "zum Schutz" auf die Tribüne gesetzt, weil er als "Pirouettendreher" bei vielen negativ gesehen wurde. Unter Doll wars noch schlimmer. Hatte vorhin noch einen Spielbericht vom Kicker vom 0:3 gegen den HSV in der Saison 07/08 gelesen, in dem erwähnt wurde, dass die Mannschaft mit einem Pfeiffkonzert in die Kabine verabshiedet wurde. Klar, damals waren wir nicht auf einem CL-Platz. Dafür waren die Wechsel auch Buckley für Federico, Kruska für Kuba und Valdez für Petric.

Natürlich braucht es mehr Ruhe und Gelassenheit, aber im Großen und Ganzen sehe ich aktuell eine Unruhe bei uns, die es auch in früheren Zeiten schon gegeben hat. Und die auch bei vielen anderen Vereinen so vorkommt. In Köln haben die Zuschauer massiv auf Markus Anfang geschimpft, der eigentlich gar nicht mehr nicht wiederaufsteigen konnte, in Gladbach spürte Yan Sommer in der Vergangenheit häufiger, was einige Fans von ihm hielten, etc.

Da könnte man noch einige Jahrzehnte zurückgehen und aus jeder Phase noch hunderte von Beispielen heranziehen. Nörgeleien, Meckereien, Besserwissereien, Defätismus, unrealistische Erwartungshaltungen, Pauschalisierungen - das alles gehört ganz offensichtlich auf den Zuschauerrängen, am Radio, vor dem TV-Gerät beim Fußball dazu. Eine zeitlang habe ich mir Gedanken gemacht, warum das so sein könnte. Auch weil dies bei anderen Sportarten (die durchaus auch mehr als ein paar Dutzend Zuschauer anziehen) nicht so ist oder zumindest weniger ausgeprägt ist. Aber nach einiger Zeit habe ich es aufgegeben und nehme es einfach als gegeben hin. Durch die Veränderung der Medienlandschaft und die kommunikationstechnischen Entwicklungen hat sich das alles nicht unbedingt gesteigert, aber die Geschwindigkeit, in der sich etwas hochschaukelt, ist nicht mehr mit früheren Zeiten zu vergleichen. Was übrigens in beide Richtungen gilt. ‚Hosianna‘ und ‚Kreuziget ihn‘ lagen allerdings immer nur einen Wimpernschlag auseinander.

In den 90ern, in einer der großen Erfolgsphasen unseres Clubs, gab es eine Serie von Werbespots unseres damaligen Ausrüsters Nike, die im TV oder auch in den Werbeblöcken der Kinos liefen. Einer davon ging (aus der Erinnerung heraus gesprochen) in etwa so:

Ein einsamer, bis auf den Fahrer leerer Bus steht im Dunkeln an einer Haltestelle, eine Anfangs- oder Endstation. Der Fahrer, offensichtlich ein BVB-Anhänger und vielleicht etwas frustriert arbeiten zu müssen und nicht im Stadion sein zu können, nimmt gerade sein Pausenbrot zu sich und verfolgt die Radioübertragung eines Heimspiels des BVB. Zu hören ist der Live-Kommentar eines Radiokommentators und dazu werden schemenhafte TV-Szenen dieser Spielsituation eingeblendet. (Anmerkung: Es wird nicht erwähnt oder anderweitig darauf hingewiesen, um welches Spiel es sich dabei handelt, aber ich meine es wäre aus einem Spiel des BVB gegen Freiburg gewesen, das 2:2 endete). Der Kommentator schildert einen Gegenangriff des BVB. Der Busfahrer scheint zwischen Freude und Skepsis zu schwanken. Allerdings sieht es so aus, als ob bei ihm die Sorge über die Hoffnung siegen würde. Denn er fürchtet offensichtlich nichts so sehr wie einen Pass auf Andi Möller, dem er anscheinend nicht viel zutraut „Gib ihm nich dem Möller“ stöhnt er. Doch der Ball kommt zu Möller, der Radiokommentator schildert ein (in der Tat wunderbares) Solo Möllers, was dem Busfahrer schier körperliche Schmerzen zu bereiten scheint. Am Ende schließt Möller das Solo mit einem Treffer ab. Man hört im Hintergrund den begeisterten Radiokommentator und den Jubel im Stadion. Doch der Busfahrer freut sich überhaupt nicht mit, sondern verzieht eher frustriert seinen Mund und meint: „Den hätte meine Omma auch gemacht...“

Über die Werbewirkung dieses Spots lässt sich sicherlich streiten, aber treffender kann man das Phänomen der nörgelnden Grundhaltung mMn kaum beschreiben.

Was allerdings keineswegs eine Kritik an fundierter Kritik sein soll. Die ist im Gegenteil sinnvoll und vor allem notwendig, solange sie sich an Fakten orientiert und nicht auf Mutmaßungen und persönlichen Vorlieben oder Abneigungen fußt.


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