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Trump reagiert und verhängt einen weltweiten Zoll von 10% (Politik)

markus, Samstag, 21.02.2026, 13:01 (vor 23 Stunden, 32 Minuten) @ FourrierTrans

Natürlich gab es Massenproteste der organisierten Arbeiterbewegung. Erinnert sei auch an den faschistischen Kapp-Lüttwitz-Pusch von 1920, der im Handumdrehen durch einen Generalstreik vereitelt wurde.

Traurigerweise ist der Organisationsgrad der arbeitenden Bevölkerung im Vergleich zu damals lächerlich, natürlich auch in den Usa. So hat die Gegenseite leichtes Spiel.


Das ist komplett richtig. Und wir müssen uns auch nichts vormachen, es sähe hier nicht anders aus. Man kann das ja auch "im Kleinen" beobachten, wo sich niemand wehrt, z.B. mit welch asozialer Gier das Großkapital die Reste der deutschen Arbeiterschaft ausnimmt und dabei von der Politik inkl. SPD flankiert wird. Wer sich ein Bild davon machen will, in welch asozialem Endstadium wir hier angekommen sind, kann sich die Finanzvorgänge rund um die VW AG in der vergangenen Woche anschauen. Nur um einige wenige Tage später ein noch härteres "Spar"programm anzukündigen. Und das in einem Konzern, in dem eine Landespolitik sogar direkte Eingriffsmöglichkeiten hat.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/vw-ueberrascht-mit-sechs-milliarden-euro-betriebsrat-will-aufklaerung,vw-1064.html

So entsteht am Ende eine radikale Gesellschaft. Und alle gucken weg in Berlin. Und niemand geht auf die Straße. Keine Gewerkschaft, keine SPD. Allerdings muss sich da auch jeder Einzelne an die eigene Nase fassen, fairerweise.


VW ist mit über 90% stark organisiert. https://www.igm-bei-vw.de/meldung/pressebericht-ueber-angeblichen-ig-metall-mitgliederschwund-bei-vw-ist-falsch

Problematisch sind eher Dienstleistungsbereiche. Und genau deshalb sind dort die Löhne schlecht.


Ist richtig, nur was ist das greifbare Resultat?
Seit 2023 sind 11.000 festangestellte Jobs abgebaut worden, durch Abfindungen und co.
Bis Dezember 2025 waren weitere 25.000 Streichungen vertraglich fixiert (ATZ und co.). Also in weniger als 3 Jahren sind knapp 36.000 Stellen aus Deutschland verschwunden, bei VW fest angestellt. Parallel sammelt das Management in Q3 und Q4 2025 Geld, löst Rückstellungen auf und co. um dann im Q1 2026 6 Mrd. Euro Cash-Flow zu präsentieren. Das Ganze führt zu einer erhöhten Dividende (an der Stelle danke ich auch) und aber insbesondere die höchst möglichen Boni für das (Top)Management, welche, was ein Wunder, ab der Schwelle 5,5 Mrd. Euro Cash-Flow greift. Für eine aus meiner Sicht völlig unterirdische Performance. Es gab mal Zeiten, da wurden Dividenden ausgesetzt, wenn ein Unternehmen sich nicht imstande sah, Mitarbeiter zu halten bzw. aufzubauen und notwendige Investitionen in einen Modernisierungsschub tätigen musste. VW hingegegen sorgt dafür, dass sich die Inhaber den Tunnel durch Salzburg zum eigenen Schloss dann doch noch zeitgerecht fertigstellen können. Während man den Standort Deutschland ausbluten lässt. Interessante Performance der Arbeitnehmerseite.
Wenn so etwas möglich ist, welche Rolle genau spielt dann der BR oder die IGM oder die Landespolitik? Müssen wir dankbar sein, dass es nicht 70.000 Stellen sind?


Bei Volkswagen passiert gerade ein massiver Umbau (E-Mobilität, Software, Effizienzprogramme).
Der Abbau ist nicht primär ein Ergebnis „schwacher Gewerkschaften“, sondern technologischer Wandel.
Den entscheidenden Punkt übersiehst du: Es handelt sich überwiegend um Altersteilzeit, Abfindungen und freiwillige Programme. Genau das ist das Resultat starker Mitbestimmung durch IG Metall und Betriebsrat.

Ohne diese Strukturen wären das klassische betriebsbedingte Kündigungen – schneller, härter und deutlich billiger für das Unternehmen.

Hohe Organisation verhindert keinen Strukturwandel, aber sie bestimmt, wie er abläuft und wer die Kosten trägt.

Und genau da sieht man den Unterschied zu schlecht organisierten Dienstleistungsbereichen ziemlich deutlich.


Das ist ganz korrekt, der "pain share" ist mir aber viel zu einseitig. Ok, die Leute werden nicht wie in den USA einfach von heute auf morgen gefeuert. Aber ist das alles?

Wir sehen einen strukturellen Wandel, den das Management über mindestens ein Jahrzehnt so grotesk schlecht gemanagt und orchestriert hat (defacto eigentlich sogar gar nicht, das VW Management der letzten 10-15 Jahre war im Grunde ein schlechter Vermögensverwalter, der sich strategisch/operativ überhaupt nicht eingebracht hat, wie in so vielen deutschen Großkonzernen), dass man jetzt vor einem Scherbenhaufen steht. Bestellt wird das Management vom AR, vice versa, den Piechs und Porsches und der Landesregierung. Ich erwarte als Arbeitnehmervertreter, dass die Dividenden für 5 Jahre komplett ausgesetzt und Manager-Gehälter massiv gekürzt werden, um notwendige Investitionen/Abschreibungen zu tätigen und das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Das Gejammer über, man bekäme mit so einem Manager-Gehalt dann nicht mehr die guten Leute, will ich nicht mehr hören, schlechter als die, die die letzten 15 Jahre da waren, wird es keiner machen. Dann muss der alte Piech halt selbst noch mal ran. Danach können wir über zeitweiligen Personalabbau sprechen. Und ich will als Arbeitnehmervertretung vom AR verstehen, wie man gedenkt, in Deutschland wieder qualitativ hochwertige Jobs AUFZUBAUEN, in den nächsten 10 Jahren. Ansonsten brennen halt im Zweifel eure Hallen und Gebäude, denn wir werden bestimmt nicht unser eigenes Grab schaufeln um euren Asset Change ins Ausland brav mitzugestalten. Das wäre so meine Vorstellung von Arbeitnehmervertretung. Aber darüber kann natürlich jeder auch eine andere Meinung haben.

Du vermischst hier Mitbestimmung mit faktischer Unternehmensführung. Arbeitnehmervertreter sitzen im Aufsichtsrat, aber sie entscheiden nicht allein über Dividenden, Gehälter oder Strategie.

„5 Jahre keine Dividende“ klingt zwar gut, hätte aber reale Folgen: geringeres Vertrauen am Kapitalmarkt, schlechtere Finanzierung und damit am Ende weniger Spielraum für Investitionen und Jobs.

Und beim „Pain Share“: Genau der ist bei VW ja gerade nicht einseitig. Der Stellenabbau läuft über Altersteilzeit, Abfindungen und lange Übergänge – das ist im internationalen Vergleich ziemlich arbeitnehmerfreundlich und Ergebnis starker Mitbestimmung.

Dass das Management Fehler gemacht hat, bestreitet niemand. Aber der Strukturwandel betrifft die gesamte Branche, nicht nur VW.


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