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Neu auf schwatzgelb.de: Die Quadratur des Kreises (BVB)

Sascha @, Dortmund, Dienstag, 08. Oktober 2019, 07:12 (vor 45 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Heute hingegen ist der BVB ein extrem solider und wirtschaftlich kerngesunder Verein. Und deshalb muss sich die Führungsriege die Frage gefallen lassen, warum es seit mindestens fünf Jahren, wenn nicht schon sieben Jahren, nicht möglich gewesen sein soll, sich auf eine „innere Linie“ zu einigen, an der sich dann alle orientieren können und die als Leitbild tragfähig ist.

Weil das in meinen Augen gar nicht so leicht ist, wie gedacht. Dieser Gedanke, dass es ein Leitbild, eine "corporate identity", geben müsse, wurde schon vor Klopp häufig geäußert.

Und dann kam er und feuchte Träume eines jeden Mitarbeiters im Marketing wurden wahr. Das Leitbild bestimmte sich quasi von selbst. Leidenschaftlich, emotional, authentisch. Erfolgreich wie die Bayern, aber dabei sympathisch und leidenschaftlich wie in Underdog. Der coole Gegenentwurf zum FCB. Wo die Bayern den Gegner mit kühler Sachlichkeit zerstörten, rannten wir ihn leidenschaftlich nieder. Und an vorderster Linie einen Vertreter, der dafür wie gemalt war und der das Rampenlicht liebte. Selbst Videos von einer Geburtstagsparty von Heidel gingen steil, weil er da als der geborene Entertainer fungierte.

So leicht, und ja auch dringend notwendig, es war, diese Vorlage zu nutzen, um so schwieriger ist es, sich jetzt wieder davon zu lösen. Man kann Leitbilder nicht einfach so wechseln und umkrempeln. Gestern Underdog, der munter nach vorne stürmt, heute zweiter Leuchtturm, der des Spiel nüchtern und sachlich kontrollieren will. Leitbilder sind nur dann glaubwürdig, wenn sie nicht beliebig austauschbar sind.

Andere Vereine haben es da leichter, weil sie eher auf der Metaebene unterwegs sind. Die Bayern stehen für "Mia san mia". Dafür brauchst du um Prinzip nur Arroganz und viel Geld, um dir eine "Leckt uns am Arsch, wir machen unser Ding"-Attitüde zu leisten. Die Blauen haben sich als der Kumpel- und Malocherclub inszeniert. Dafür brauchst du einen Spielertunnel in Stollenoptik und Spieler, die besser rennen und grätschen als kicken können. Und selbst das steht auf wackeligen Füßen, wenn eben nicht mehr gerannt wird.

Wir aber wollten "Echt" sein. Und das ist ein Problem. Wie passt man ein Leitbild den Erfordernissen an, wenn man gleichzeitig echt und authentisch sein möchte? Wenn man vorgestern Pressing und Leidenschaft, gestern Ballbesitz und heute nüchternes und geduldiges Zurückziehen präsentiert? Authentizität und Wandel schließen sich ein bisschen gegenseitig aus. Da es aber keinen Klopp 2.0 gab, war der Wandel alternativlos. Und das zu moderieren ist erstens nicht leicht und zweitens ein Prozess, der lange dauert. Leider länger als die durchschnittliche Halbwertszeit eines Trainers. Man kann nicht innerhalb eines Jahres von einer gefühlen jungen "11-Freunde-Truppe" mit Feuer im Arsch auf den zweithöchsten Gehaltsetat mit dem Anspruch, das Spiel zu dominieren und zu bestimmen, umschalten, ohne dem gewählten Leitbild das Fundament zu entziehen.

Natürlich fehlt etwas neues. Aber ich glaube auch nicht, dass das so einfach und schnell umsetzbar ist, wie es hier dargestellt wird.

 

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