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Reiche: Spritpreis wird nicht auf der deutschen Autobahn gebildet (Politik)

markus, Montag, 06.04.2026, 19:21 (vor 11 Stunden, 51 Minuten) @ Pfostentreffer

Laut dem Artikel ist doch genug Angebot vorhanden, da wir kaum Öl aus der Region beziehen. Es geht allein um dem Preis.


Der Artikel gibt nur wieder, was Frau Reiche sagt und wie sie das Thema setzt. Das hat aber nichts mit der Realität oder den wirklich relevanten Fragen zu tun, sondern sagt sie nur zur Ablenkung von eben dieser und diesen.

Bei autofreien Sonntagen oder Tempolimit in Deutschland ging es immer um die Senkung des Verbrauches, noch nie um die Senkung des Weltmarktpreises für Öl. Wäre ja auch komplett wahnsinnig.

Kannst du denn widerlegen, was Frau Reiche sagt? Ist nicht genügend Angebot da? Denn nur dann haben wir überhaupt ein legitimes Ziel.

Das ist schön, ist aber ein klassischer Bias und gilt für die meisten nicht. Benzin hat eine sehr geringe Preiselastizität, was auch logisch ist, da es für viele keine praktische Alternative gibt, gerade in einem Land, in dem man den öffentlichen Nahverkehr in einen Zustand versetzt hat wie in Deutschland.

Kurzfristig stimmt das oft – Menschen müssen zur Arbeit etc. Langfristig reagieren Menschen sehr wohl: kleinere Autos, weniger Fahrten, Umzug, andere Verkehrsmittel.
Wenn Verhalten so wenig beeinflussbar wäre, wären CO2-Abgaben völlig wirkungslos.

Das Geld, welches im Motor in Form des Öls ( Gesamtausgaben Deutschland für fossile Energien letztes Jahr: ca. 80 Mrd Euro, das sind ziemlich viele Kindergrundsicherungen) für uns verbrannt wird, wird ja gar nicht verbrannt, sondern fliesst in die Länder, die uns damit beliefern. Wenn sie nun durch ein Tempolimit nicht im Motor "verbrennen", bleibt das Geld in ihrer Tasche, sie sparen es anschliessen entweder oder fügen es dem hiesigen Wirtschaftskreislauf hinzu, wäre also gut für unsere Wirtschaft.

Die These „weniger Ölverbrauch = Geld bleibt im Inland“ greift zu kurz. Weniger Konsum bedeutet auch geringere Steuereinnahmen (Mineralölsteuer, CO2 Steuer, Mehrwertsteuer). Geld wird nicht automatisch „besser“ ausgegeben – das ist eine Annahme, kein Fakt. Wenn ich einen in Asien hergestellten Fernseher kaufe, bleibt z.B. nur die Mehrwertsteuer im Land.

Zudem ist eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung seit Jahren für ein Tempolimit, trotz aller publizisticher Anstrengung dagegen. Man würde also dem Volkeswille entsprechen.

Mehrheit ≠ automatisch richtig. Mehrheiten ersetzen keine Abwägung von Kosten, Nutzen und Nebenwirkungen.

Das alles und noch viel mehr sind positive (Teil-) Effekte eines Tempolimits und generell des Nicht- Verbrennens von fossilen Energieträgern. Beim Tempolimit kommt noch hinzu: Es ist gratis.

Entsprechend habe ich mal eine Gegenfrage an dich:

Welche negativen Effekte auf diese oder andere Faktoren hätte denn ein Tempolimit?

Die Frage ist nicht nur, ob ein Tempolimit Vorteile hat, sondern ob seine Vorteile im Verhältnis zu den Eingriffen und Alternativen stehen. Die Eingriffe liegen ja auf der Hand: Eingriff in individuelle Freiheit (für viele realer Wert) und Zeitverluste auf bestimmten Strecken.

Ich halte nichts von reiner Symbolpolitik. Ein solcher populistischer Aktionismus ist sogar gefährlich. Denn wenn der gewünschte Effekt ausbleibt, heißt es ganz schnell, dass die Politik schon wieder versagt habe. Ist ja bei der 12 Uhr Regelung nicht anders.

Ich würde von Befürwortern auch eine saubere Abwägung erwarten. Welches legitime Ziel wird verfolgt? Du behauptest, es geht um die Einsparung von Sprit. Veronika Grimm geht es jedoch um reine Symbolpolitik („kluges Signal“ setzen). Grünen Politiker Felix Banaszak geht es wiederum um den Preis.

Offenbar sind sich Befürworter nicht einmal darüber einig, um was es eigentlich konkret gehen soll. Mal angenommen, es geht um die Einsparung von Treibstoff. Dann würde ich konkret dargelegt haben, wieviel Angebot vorhanden ist, wann das Angebot zur Neige geht und warum ausgerechnet das Tempolimit dafür sorgt, dass das nicht passiert. Frau Reiche behauptet bereits, dass genügend Angebot vorhanden ist. Kannst du das widerlegen? Wann laufen die Tankstellen leer und kann das ein Tempolimit verhindern? Nur dann wären die Einschränkungen verhältnismäßig.

Wenn ein Befürworter diese Fragen nicht beantworten kann, stellt sich die Frage, ob es ihm dann wirklich um die Sache geht, oder einfach nur um den Wunsch, eine vermeintlich einfache Lösung zu finden, die einen natürlich selbst nicht betrifft.


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