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Ach, Aki (Leistungsgesellschaft Deutschland) (Fußball und Sport allgemein)

FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Donnerstag, 07.09.2023, 21:31 (vor 875 Tagen) @ markus
bearbeitet von FourrierTrans, Donnerstag, 07.09.2023, 21:41

Bei uns hieß es mal vom BR "Ab Gehalt EG14.4 aufwärts gibt's AT, ist in IGM-Betrieben so vorgesehen". Ist das dann nicht überall so (oder meinst du generell so rein von den Werten der einzelnen EGs/AT her?)?


Das scheint aktuell so zu sein, ist aber nicht in Stein gemeißelt und ließe sich ändern. Ich bin selbst Mitglied in einer Tarifkommission und als es darum ging, Verschlechterungen im Bereich AT zuzulassen, hatte niemand Mitleid mit ihnen. Da hieß es: „Die sind eh nicht Mitglied bei uns“. Hauptaugenmerk liegt immer dort, wo (viele) Mitglieder vorhanden sind.

Ja gut, in der Theorie wäre das denkbar, ATler und Gewerkschaft. Aber man muss da schon schauen, das geht da ja auch einigermaßen zügig und man ist in einem Bereich unterwegs, wo man mehr Arbeitgeber (oberer Führungskreis, mittlerer Führungskreis usw.) als Arbeitnehmer ist oder?

Sieh es mal aus Sicht deines Chefs: Warum sollte er dir mehr Geld geben, wenn er weiß, dass du auch für weniger arbeiten würdest und in der Abteilung auch keinerlei Bewegung in Sachen Gewerkschaft drin ist? Du kannst noch zehn Jahre meckern. Es ist ihm egal. Außer du drohst mit Kündigung und er kann nicht auf dich verzichten. Erst dann wäre mehr für dich drin. Aber vermutlich wäre ihm auch das egal, zumindest solange andere Leute nachrücken würden. Für ihn selbst ist der eigene Bonus wichtig.


Ich wollte es nicht direkt im ersten Post sagen, aber letztlich habe ich jetzt genau das gemacht. Ich sch***** auf den deutschen Traditionskonzern und gehe zu einem Ami. Der Ami hat letztlich den Chinesen ausgestochen, beide Angebote waren ungefähr beim doppelten Income von meiner jetzigen Situation (wohlgemerkt, beide für Standort Deutschland, beide ganz ohne Gewerkschaft ("Gewerkwas?" sagen die Chinesen)). Der Ami bietet aber weitere weicher Faktoren, die etwas netter sind, wie anständigerer Dienstwagen, Überstundenregelung usw.
Gleiches Spiel wie bei unzähligen jungen Kolleginnen und Kollegen vor mir in den vergangenen 2-3 Jahren, auf einmal war dann doch viel mehr möglich. Letztlich war aber in jedem Bewertungskriterium mein jetziger deutscher Arbeitgeber schlechter, als der Ami oder der Chinese, nachdem sie jetzt noch mal "nachlegen" wollten. Im Grunde nicht wettbewerbsfähig. Mein Gegenangebot würde die "Gehaltshygiene kaputtmachen". Und das bei so einem namhaften Großkonzern. Da wird dann bald offene Stelle Nummer 573 ausgeschrieben sein für Deutschland, während man von morgens bis abends im Konzern heult, wie unfair doch die Welt und der Fachkräftemangel ist. Das Gleiche höre ich selbst bei den ganz großen Jungs wie den Autobauern. So wird das nix, Germany.


Der Leidensdruck scheint noch nicht groß genug zu sein. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis das wirklich flächendeckend ankommt. Vermutlich noch so fünf bis zehn Jahre, denn in dem Zeitraum gehen viele Boomer in Rente.


Also mein Chef macht jetzt schon 60h für lächerliche 120k brutto im Jahr (eine adäquat ähnliche Position bei meinem neuen Arbeitgeber macht da so 200-250k im Jahr, ein alter Studikollege von mir macht genau das) und darf jetzt meinen Bums noch auffangen. Wir haben schon Aufträge im Milliardenbereich proaktiv zurückgegeben (war selbst dabei), weil zu wenig personelle Ressourcen. Seit Corona ist der Mutterstandort Deutschland um knapp 1/4 bis 1/3 geschrumpft, durch Altersteilzeit, Abfindungsprogramme und Rente der Boomer. Teufelskreis, mittlerweile leidet auch der Cash-Flow schon enorm.
Sollen sich aber jetzt andere drüber den Kopf zerbrechen, zum Glück halte ich keine Stocks von der Bude. :-D


Ich fürchte, dass bei dem ein oder anderen Konzern der Zug abgefahren sein wird und die ein oder andere Bude dann dicht gemacht wird. Das was du beobachtest, beobachte ich bei uns im Konzern auch. Aber niemand will das hören, niemand will es sehen und ändern. Es traut sich heutzutage auch keiner mehr eine Entscheidung zu treffen, schon gar nicht, wenn die Geld kosten würde. Es wird kurzfristig und an den eigenen Bonus gedacht. An die nächsten fünf bis zehn Jahre denkt man nicht.

An der Stelle angemerkt: wir haben keinerlei technologische Probleme, im Gegenteil, die Entwicklung hin zur Elektrifizierung ist im Grunde ein Geschenk. Nichtsdestotrotz ist es so, wie oben beschrieben, aufgrund verheerender Verfehlungen im HR-Bereich, willfährig mitgetragen vom BR, die jetzt natürlich richtig reinknallen. Mit open end.


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