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Strategische Spielausrichtung (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Mittwoch, 20.01.2021, 11:40 (vor 2112 Tagen) @ CHS

Die Hinserie ist für uns beendet. Mit einem in vielerlei Hinsicht nicht befriedigendem Zwischenstand hinsichtlich Ergebnis und Leistung nach dem 17. Spieltag.

Das heißt allerdings nicht, dass in der Hinserie (ob nun unter Favre oder unter Terzić) alles schief gelaufen wäre. Und es heißt auch, dass bis zum Endstand nach dem 34. Spieltag noch 17 weitere Spiele zu absolvieren sind. 17 Spiele, in denen wir noch genügend Punkte holen können, um uns für die CL zu qualifizieren. Das ist unser Mindestziel, und das können (und werden wir mMn) auch erreichen.

Es ist in der jetzigen Situation mMn müßig darüber zu diskutieren, ob es ein Fehler war, sich vorzeitig von Favre zu trennen. Er ist nicht mehr da, ein Nachfolger wurde installiert. Favre hat hier mAn gute Arbeit geleistet und wurde zusehends (so meine Wahrnehmung) in einer schwierigen Situation in einer Phase der nicht zufriedenstellenden Leistungen und Ergebnisse von der Clubführung im Regen stehengelassen. Man konnte sogar den Eindruck gewinnen, dass Spieler instrumentalisiert wurden, ihm den Knockout zu verpassen. Möglicherweise hat es auch eine Allianz von Spielern und der Clubführung gegen Favre gegeben. Was beides ein gefährliches Spiel wäre, da man sich quasi in die Hände dieser Spieler begäbe.

Man mag prinzipiell mit dem Spielverständnis Favres nicht konform gegangen und bestimmter Dinge überdrüssig geworden sein und das Saisonziel in Gefahr gesehen haben. Was aber nicht heißt, dass die strategische Grundausrichtung sowie Spielweise und taktische Ausrichtung unter Favre grundsätzlich falsch und unerfolgreich gewesen wären. Wenn man diese aber nicht mehr wollte, wäre es allerdings ein Fehler, eine grundsätzliche Änderung von strategischer Ausrichtung, Spielweise und Taktik innerhalb der Saison in eine relativ kurzen Zeit zu erwarten. Man würde die Mannschaft, aber auch den neuen Trainer damit überfordern.

Deshalb wäre es in meinen Augen sinnvoller, nicht gleich alles grundsätzlich zu ändern. Es ist vielleicht besser, solche Änderungen Stück für Stück anzugehen. Wenn man z.B. verstärkt mit Pressing als taktischem Mittel agieren will, muss man da gleichzeitig auch zwingend die strategische Grundausrichtung des Spiels ändern? MMn nicht.

Welches Spiel war bislang das überzeugendste unter Terzić? Es dürfte allgemeiner Konsens sein, dass dies das Match gegen Leipzig war. Wenn man die andere Spielweise und die anderen taktischen Mittel einmal außen vorlässt, so war die strategische Ausrichtung in diesem Spiel durchaus so wie unter Favre.

Sicherlich wollte Leipzig uns von der ersten Minute an unter Druck setzen und hat dies auch getan. Allerdings sah es durchaus so aus, als ob wir dies auch bewusst zugelassen hätten. Nur haben wir konsequent in dieser Phase gegen den Ball gespielt und im Prinzip dem Gegner nicht viel Chancen erlaubt. Unter Favre wäre es eher so gewesen, dass wir den Ball in den eigenen Reihen hätten zirkulieren lassen, um so den Gegner nicht zu Chancen kommen zu lassen. Zwei verschiedene taktische Stilmittel, ein Ziel.

Im weiteren Verlauf des Spiels verlegte der BVB sein Spiel peu à peu immer weiter nach vorne, um schließlich das Spiel zu dominieren und zu gewinnen. Im Prinzip war es unter Favre oft nicht anders. Sicherlich auch nach Rückständen (aber nicht nur); ein Rückstand hätte uns allerdings auch in Leipzig passieren können.

Hier im Forum (und nicht nur hier) wird oftmals die Ansicht vertreten, ein Spiel müsse von Beginn an mit ‚Vollgas‘ bestritten werden, der Gegner müsse von Beginn an so unter Druck gesetzt werden, dass früh die entscheidenden Tore zum späteren Sieg fallen. Davon einmal abgesehen, dass dies für den zuschauenden Anhänger sicherlich in puncto Attraktivität einiges bietet, ist es auch eine adäquate Vorgehensweise für ein Team mit Ambitionen.

Ob es allerdings immer klug ist so vorzugehen, ist ein andere Frage. Denn ein Team (d.h. auch jeder einzelne Spieler) muss auch in der Lage dazu sein. Und zwar fußballerisch, physisch und hinsichtlich der Beherrschung der dafür notwendigen Mechanismen und Abläufe. Das sind Voraussetzungen, die ich persönlich zumindest momentan beim BVB nicht erfüllt sehe. Dazu sind mMn Umstellungen notwendig, die in der laufenden Saison problematisch sind, weil die dafür erforderliche Trainingszeit fehlt. Mit einem ‚Dann spielen wir jetzt einfach mal grundsätzlich anders‘ ist es nicht getan. Weil grundsätzliche Umstellungen von der Pike auf erfolgen müssen. Oder wenn man so will umgekehrt, vom Kopf her hin zu den Füßen. Das ist eine Aufgabe, die einen längeren, intensiv genutzten Zeitraum benötigt; Minimum eine Vorbereitungsphase im Sommer. Und vielleicht benötigt man dazu auch den einen oder anderen neuen Spieler.

Diese Zeit haben wir jetzt nicht, und unter den aktuellen Bedingungen der engen Spieltaktung erst recht nicht. Was allerdings nicht heißt, dass im laufenden Spielbetrieb gar keine grundsätzlichen Änderungen möglich wären. Nur eben nicht alle angestrebten Änderungen auf einmal. In diesem Sinne wäre es mAn hilfreich, sich z.B. wie oben erwähnt auf taktische Änderungen zu konzentrieren, die strategische Spielausrichtung allerdings beizubehalten. Uns z.B. in der Anfangsphase eines Spiels zunächst auf das Spiel gegen den Ball zu konzentrieren, um dann zunehmend im Verlauf des Spiels das Spiel mit dem Ball zu forcieren. Durchaus auch unter Ausnutzung von Wechseloptionen. Angepasst je nach Ausrichtung des Gegners und eben zumindest zum Teil mit anderen taktischen Mitteln als unter Favre.


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