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Der "Umbruch"... (BVB)

Blarry, Essen, Dienstag, 03.04.2018, 19:06 (vor 2834 Tagen) @ Nolte

Ich schrieb ja nicht, dass man nun einfach ohne Plan ein paar hierarchisch oben stehende Spieler absägen soll. Diese Alternative habe ich vorhin angedeutet. Bei Toprak hätte ich keinerlei Bedenken, dass er von den Jüngeren akzeptiert würde. Bei Spielern wie Weigl, Dahoud, Akanji gälte es, ihre diesbezügliche Eignung abzuklopfen. Andere Namen kämen sicherlich auch infrage.


Ganz pedantisch sollte man noch differenzieren zwischen Leadern der Mannschaft und sportlichen Anführern, die natürlich nicht deckungsgleich sein müssen und offene Grenzen haben. Kloppo hat jahrelang die enorme Wichtigkeit Sebastian Kehls für das Mannschaftsgefüge betont und gelobt, welcher z.B. in der ersten Meistersaison nur rund ein Dutzend Ballkontakte hatte. Kevin Großkreutz spielte irgendwann sportlich kaum mehr eine Rolle, hatte als "Heimatminister" aber enorm positiven Einfluss auf die Integration der Neuzugänge. Sven Bender, obwohl er kaum ein Wort rausbekommt, galt bereits in den Jugendnationalmannschaften als absoluter Führungscharakter. Letztes, aktuell eher unbeliebtes Beispiel: Aubameyang war jahrelang unsere sportliche Lebensversicherung und gleichzeitig eine Säule im Kader durch seine enge Beziehung zu Marco Reus und als erster Ansprechpartner und Mentor für unsere französischsprachigen jungen Spieler. "Führungsspieler" hat da viele Facetten.

Nur ist davon niemand mehr da. Und da neben der Standzeit im Verein das Alter so ziemlich das wichtigste Kriterium dafür ist, wer als "Kern der Mannschaft" in Frage kommt, wird es Vielen nicht gefallen, wer das in Zukunft sein könnte. Reus, Schmelzer, Piszczek als Stubenälteste sind, denke ich, unstrittig. Götze und Schürrle als gewichtige Gründe für Reus' Vertragsverlängerung gehören sicher ebenso zum erweiterten Kreis wie Toprak und Castro, die einfach die (Lebens-)Erfahrung haben, eine Rolle zu spielen und beide nicht irrelevante Fremdsprachenkenntnisse mitbringen. Bürki wird in der Mannschaft sportlich ebenso respektiert wie als jemand, der mit Mikrofon im Gesicht auch mal sagt, was ihm nicht passt. Kritisch wird es bei Weigl; dem hat man zwar zur Vertragsverlängerung den Sitz im Mannschaftsrat geschenkt, ihn aber womöglich vergessen darüber aufzuklären, welche Verantwortung damit einhergeht. Gerade als Jungspund muss man sich solch ein Privileg ja mit Leistung erarbeiten und auch verteidigen. Da hilft es auch nicht, dass man bei ihm nie wirklich weiß, wie viel Thomas Tuchel noch drin steckt. Ganz suspekte Personalie.

Das sehe ich auch so und ich kann mir gut vorstellen, dass Kehl da einen sehr guten Job machen könnte. Ein klein wenig Sorge macht mir die Tatsache, dass er mit manchen der Spieler noch zusammen gespielt hat und in mancher Hinsicht, auch was Konflikte von Spielern untereinander oder mit Trainern angeht, nicht ganz neutral sein könnte. Aber es würde mich nicht überraschen, wenn meine diesbezügliche Sorge unbegründet wäre.

Nach seiner kafkaesken Verwandlung im Zuge des Sportmanagementstudiums bei der UEFA habe ich nullkommanull Zweifel an Sebastian Kehls totaler Neutralität. :P

Aber je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir klar, dass der (immer noch sehr jungen) Mannschaft wirklich so eine Art Vaterfigur fehlt, die nah an den Spielern dran ist. Klopp hat das sieben Jahre lang unverbesserlich gut gemacht. Danach kamen mittlerweile fast drei Jahre der menschlichen Distanz zwischen Spielern und Übungsleitern, und ausgerechnet in diesen Zeitraum hatte ein Sergej eine nicht so gute Idee; eine Situation, die selbst die abgehärtetesten Profis vor völlig neue emotionale Herausforderungen stellt. Und in der Situation hast Du einen Haufen junger Knirpse, denen Berater und Umfeld und Fans - und Trainern - 24/7 absolute Professionalität einfordern, die praktisch allein gelassen sind und irgendwie selber klar kommen müssen. Ich weiß, es klingt schnulzig, aber Kloppo hätte einen Abend lang mit den Jungs geweint und nächsten Tag vor dem Spiel gegen Monaco eine Ansprache gehalten, auf die Winston Churchill neidisch wäre.

Vielleicht überdenken wir die Trainerpersonalie gerade. Vielleicht sollten wir weniger auf die totale Fußballkompetenz Wert legen als darauf zu achten, wie der neue Trainer an Weihnachten im roten Mantel und Bart ankommt. Jemand mit natürlichem menschlichen Mitgefühl und einer fundierten psychologischen Grundausbildung für den Umgang mit einer ernsthaft angeschlagenen Truppe. Quasi einen Spieß, eine Mutter der Kompanie.

Nein. Tuchels Entlassung hielt ich damals und halte ich auch heute noch für richtig und notwendig, und dafür war Tuchel meiner Einschätzung nach zum größten Teil selbst verantwortlich :P

Ich sage ja: wir schwimmen auf einer Welle. :)


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