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Die Schamlosen. (BVB)

lothar.e, Mittwoch, 31.05.2017, 13:16 (vor 3147 Tagen) @ horstenberg

Hatte ich doch das richtige Gefühl, als ich das direkt nach dem Anschlag und der Verschiebung schrieb...

Bombenanschlag auf einen Bus mit Sportlern auf dem Weg zu einem Fußballspiel von hoher Bedeutung vor 82.000 Zuschauern. Eine ganz und gar abseitige, disruptive Angelegenheit. So noch nie da gewesen und dennoch behandelt wie „business as usual“.

Sicher geht es im Fußball um viel Geld und persönliches Prestige bei allen Beteiligten. Unter großer massenmedialer Befeuerung. Viele - meistens die, die konsequent das Erlebnis und das Miterleben von Fußballspielen verweigern, meinen, es geht nur noch um Geld. Dennoch gibt es doch immer wieder zutiefst menschliche Verhaltensweisen vor, nach, während den Spielen.
Bei Spielern und Zuschauern. Besonderer Zorn, besondere Rücksicht, besondere Empathie, besondere Begeisterung, besonders Mitgefühl…

Wahrscheinlich hatte Bill Shankley, unvergessener Manager des Liverpool FC, Recht, als er sagte: „manche meinen, Fußball wäre ein Spiel auf Leben und Tod, wie unrecht Sie haben: es ist vielmehr als das… „.

Nicht verwunderlich, dass diese Wichtigkeit medial umgesetzt und emotional genutzt wird. Ginge es um Markenartikel, würde man es „Werbebotschaften“ Beteiligter nennen.

So trägt der internationale Verband und Veranstalter des wichtigsten Vereinsfußballturniers, die UEFA, gerne die Werte Respekt und Fairplay wie eine Monstranz vor sich her.

Um dann die häßliche Fratze zu zeigen von „Alternativlosigkeit“ und „die Regeln des Wettbewerbs“ müssen unter allen Umständen durchgesetzt werden. Also auch solchen „Umständen“ wie einem persönlich adressierten Bombenanschlag auf eine Fußballmannschaft im Bus vor ihrem wichtigsten Spiel der Saison.

Diese Eiseskälte ist das Gegenteil von Fairplay und Respekt. Besonders ärgerlich, weil niemand dem Verband ein Gesicht gibt, sich persönlich für die Entscheidung einsetzt und sie verantwortet. Die UEFA mit ihrem Respekt und Fairplay Geschwafel bleibt gesichtslos und unpersönlich.

Auch bei Anrechnung der Machtverhältnisse von UEFA und abhängigem Verein, die Verantwortlichen von Borussia Dortmund haben sich nur wenig verhalten. „Echte Liebe“. „In besonders schweren Situationen hält dieser Verein und seine Fans besonders zusammen“…

In dieser Situation sicher nicht. Da erfahren die Hauptverantwortlichen des Vereins, Präsident und Geschäftsführer, von einem gravierendem Vorfall (wahrscheinlich Explosion) mit Verletzten in der eigenen Mannschaft. Nicht 1000km entfernt, nicht 100km entfernt, sondern vor der eigenen Haustür.

Und haben als quasi Familienoberhäupter nichts besseres zu tun, als sich in Windeseile mit einem offensichtlich technokratischen Vertreter der UEFA in ein kleines Büro zurückzuziehen, um technische Probleme wie TV-Verträge, Terminalternativen, Stadionräumung und so weiter eiligst und offensichtlich unter dem Diktat einer für ganz andere Vorfälle gedachten Durchführungsregel - bei Absage eines Spieltermins (zum Beispiel wegen Unbespielbarkeit eines Platzes) muß innerhalb von 2 Stunden ein neuer Anstoßtermin und Ort festgelegt werden - durchzuziehen.

„Echte Liebe“ hätte bedingt und gefordert, alles stehen und liegen zu lassen, in ein Auto zu steigen und sich vor Ort ein persönliches Bild vom Zustand der Spieler, Trainer und Betreuer zu machen. Sie zu trösten und Solidarität zu zeigen, die eben auch bedeutet hätte, sich ein persönliches Bild von der Sinnhaftigkeit der Durchführung, nein, des Durchpeitschens, des Spieltermins zu machen.

Vertreter der UEFA und der anderen Mannschaft hätten mitfahren können. Die Zeit für Hin- und Rückfahrt hätte genauso gut für Gespräche genutzt werden können, wie im Büro. Alternativtermine, technische Fragen sind ohnehin etwas für die „zweiten Reihen“, die das parallel hätten vorbereiten können.

Werte zu definieren und für sich zu reklamieren ist wohlfeil, leicht und eine Sache. Sie zu leben offensichtlich eine andere. Zuletzt bleibt nur Scham.

Ergänzung: wieder mal nach dem unsäglichen "Offenen Brief".


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