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‚Besser kann man nicht spielen' (Spieltage)

Bembele, Münster, Montag, 21.10.2024, 11:27 (vor 455 Tagen) @ Sascha

"So Sahin nach dem Spiel bei DAZN. Genau sagte er „Anders kann man nicht spielen.“
Aber wenn man „anders“ auf keinen Fall spielen kann, dann geht es natürlich auch nicht besser. Gemeint war die Spielweise gegen einen tiefstehenden, im 5-4-1-System positionierten Gegner. Auch Anton sprach bei Sky von einem „sehr guten Spiel von uns“ Dazu unten mehr.

Vorab: es war gestern ein vollkommen verdienter Sieg, weil man sich gegen einen limitierten Gegner in der zweiten Hälfte ein klares Chancenplus erarbeitet hatte. Der xG-Wert von 3,1 : 0,9 spricht da eine deutliche Sprache.

Aber natürlich war es im Zustandekommen auch ein etwas glücklicher Sieg. Denn ob das nicht gegebene Freistoßtor für Pauli in der 30. Minute tatsächlich abseits war, ist nicht zu beweisen. Die bei DAZN gezogenen Linien zeigten eine Millimeterentscheidung, jedoch nicht zum Zeitpunkt des Abspiels, sondern als der Ball schon 30-40 cm in der Luft war. Ein bekanntes Argument gegen diese knappen Abseits-VAR.-Entscheidungen: Je nachdem, wo ich als Mensch den Abspielpunkt festsetze (technisch noch nicht zu 100% sicher ermittelbar, auch wenn es mit dem nun immer mehr verbreiteten Chip im Ball schon deutlich genauer sein kann), ist es abseits oder nicht.
Auch bei der Riesenchance zum Ausgleich von Pauli in der Nachspielzeit, die den Trainer ‚extrem aufgeregt“ hat (und deshalb erst einmal getresst in die Kabine lief), hatte der BVB das nötige Glück des Tüchtigen, wie es auch Brandt nach dem spiel formulierte und von einem „zähen Spiel sprach“.

Und damit sind wir beim ‚wie‘. Wäre es nicht das xte Spiel, des BVB, das weitgehend von „spielerischer Armut“ (kaum eine Torchance in Hälfte 1) und „null Fortschritt“ (Sky heute morgen) geprägt wurde, dann könnte man mit so einem Spiel und 3 Punkten doch sehr gut leben. Aber nach Frankfurt, Bremen, Brügge, Stuttgart, Bochum, Union schaut man berechtigterweise etwas genauer hin, nur das Trainerteam nicht.

Denn wie kann es sein, dass Sahin nach dem Spiel unter laut hörbarem Stöhnen sagte (und Anton bestätigte), er sei überrascht worden von der Spielweise der Paulianer („so tief habe ich sie nicht erwartet“)?
Was hat er denn erwartet? Dass der Aufsteiger St. Pauli im Westfalenstadion so weit vorne attackiert, wie Celtic, um es dem Gegner dann leicht für schnelle Konter zu machen? Im letzten Auswärtsspiel in Freiburg hatten sie doch auch mit einer „aufmerksamen Defensivleistung“ (Kicker), demselben Spielsystem gepunktet und hatten auch nahezu identische, knappe Ballbesitzzeit (27%). Wie kann das also überraschen?

Selbst wenn ich als Trainer mein Team so vorbereite, dass der Gegner mit verstärktem Pressing operieren wird, muß ich im Training doch auch immer Plan B (was in diesem Fall hätte Plan A sein müssen) vorbereiten. Das hat er offenbar nicht gemacht, so dass ihnen in Halbzeit 1 nichts anderes einfiel, als zahlreiche Flanken aus dem Halbfeld in den Strafraum zu schlagen. Von den 14 Flanken kam dann auch 1 an, und die führte glücklicherweise zum Tor.
Man sei, so Sahin, wegen dieser defensiven Spielweise einfach nicht zu Grundlinie gekommen, um von dort reinflanken zu können. Wie soll das auch mit Sabitzer (wieder einmal) auf dem rechten Flügel gelingen mit seiner fehlenden Antritts- und Endgeschwindigkeit (gestern 30,5 km/h)?
Es ist wieder einmal dem eingewechselten Gittens (auch wenn er nur in 2 von 8 Versuchen an seinen Gegenspielern vorbeikam) und seiner Antrittsschnelligkeit (und Guirassy und seinem nur 2. gewonnenen Kopfballduell - bei 6 verlorenen) zu verdanken, dass der verdiente Sieg dann doch noch eingefahren werden konnte.

Nun noch mal zu Sahins Aussage nach dem Spiel ‚Anders/Besser kann man nicht spielen‘ gegen einen so tiefstehenden Gegner. Dann guckt er offensichtlich wenig Fußball. Denn Bayern zeigt es in dieser Saison nahezu in jedem Spiel (exemplarisch vor kurzem bei einem so spielstarken Gegner in Frankfurt), oft auch Frankfurt, Leverkusen , Stuttgart, von ManCity (siehe oben das Zitat) ganz zu schweigen. In Madrid dürfte es ja nun wesentlich einfacher werde, denn die werden nicht so tief hinten drin stehen."

Zwei Sachen: wenn man sagt, dass man Glück hatte, weil St. Pauli ein Tor knapp aberkannt wurde und sie kurz vor Schluss eine riesige Chance hatten, muss man auch sagen, dass Guirassy zwei Mal frei vorm Tor war und auch Brandt zwei erstklassige Torchancen hatte. Es hätte also durchaus auch gut 4:2 ausgehen können.

Und was den Plan B angeht: genau das waren doch die Flanken. Und wir haben zwei Tore damit gemacht. Plus eben Brandts Kopfballchance und die Reingabe, an der Guirassy und Malen vorbei rutschen. Zudem hat Malen in der zweiten Halbzeit mehrmals zentral quasi als hängende Spitze hinter Guirassy gespielt.

Was erwartet man da als Plan B, wenn der Gegner dicht am eigenen Strafraum steht und hohe Laufbereitschaft zeigt? Wenn es da den Masterplan gäbe, der das komplett aushebelt, hätten wir das schon oft gesehen. In der Regel kann man da nur variieren (was wir wie beschrieben haben) und hoffen, dass man möglichst schnell den Dosenöffner schafft. Aber selbst danach hat St. Pauli ja nicht die Spielanlage geändert, sondern nur das Ziel. Statt auf den einen Konter zum Siegtreffer zu warten, hat man eben auf den einen Konter zum Ausgleich gewartet.


Mit deinem ersten Punkt hast du vollkommen recht, aber das hatte ich doch auch genau so geschrieben (s.o.), dass der BVB hätte höher gewinnen gewinnen können/müssen.

Was den zweiten Punkt, die Flanken betrifft, ist zu unterscheiden von den vielen, recht einfallslosen, weitgehend harmlosen Flanken aus dem Halbfeld in der ersten HZ, aus dem immerhin eine ankam (und zum Tor führte) und den 2 gefährlichen Flanken von der Grundlinie, die erst möglich wurden durch die Schnelligkeit des eingewechselten Gittens.

Und wie man Plan B auch ausführen kann, dazu habe ich im letzten Absatz etwas geschrieben. Auch wenn Sahin behauptete 'besser kann man es nicht spielen'... es geht besser, wie die von mir aufgeführten Mannschaften schon bewiesen haben, auch in dieser Saison.


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