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Mats hat Recht: mehr über Fussball reden (Spieltage)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 18.10.2022, 15:47 (vor 1321 Tagen) @ bobschulz


Es gibt ja auch Abstufungen zwischen Klopp und Favre. LFs Ansatz, den Ball zu haben und gute Chancen zu kreieren war im Prinzip gut. Aber da die Dosis das Gift macht, fehlte ein Element, welches bei ihm verboten war: mögliche Abschlüsse aus der 2. Reihe. Nicht ständig und dauerhaft, da sie weniger Torerfolge versprechen als näher vorm Tor herausgespielte Chancen, aber doch manchmal, um den Verteidigern nicht die Gewissheit zu geben: der BVBler da am 16er zieht eh nicht ab. Denn mit auch nur der Möglichkeit, dass wir von da abschließen, hätten die gegnerischen Abwehrreihen mehr Freiraum auf aussen lassen müssen.mir war sein Spielstil zu wenig konkret,d.h. wir kamen mMn zu selten zum Abschluss, wobei diese wenigen dann Hochkaräter waren.

Es geht eben um diesen grundlegenden Ansatz. Der Anfang war gemacht, und wenn man Favre es nicht zugetraut hätte, diesen grundsätzlichen Ansatz mit zusätzlichen Elementen weiterzuentwickeln, dann hätte ein diesbezüglich flexiblerer Trainer weitermachen müssen. Aber die Führungsetage wollte dies nicht, sondern unbedingt eine Kehrtwende in die fußballerische Vergangenheit.

Favre war auch nicht autark genug, um sich dagegen zu wehren. Ein van Gaal z.B. wäre da ganz anders aufgetreten. Als er Bayern übernommen hat, waren die gerade national und international so richtig abgewatscht worden und deren Führungscrew musste einsehen, dass man von der fußballerischen Entwicklung in Europa abgehängt war und dass es eines Trainers mit Expertise, Kompetenz und Autorität bedurfte, um Grundlegendes bzw. grundlegend Neues zu implementieren. Das hat van Gaal geschafft; dass es in seiner zweiten Saison bei Bayern dann zu Friktionen kam und die Leistungen des Teams dann schwankten (was mit seiner Demission endete) hatte diverse Ursachen und lagen nicht zuletzt in seiner Persönlichkeit begründet. Was aber Wurscht war, denn er hat in einer Saison die Grundlage für das erfolgreichste Jahrzehnt der Bayern in ihrer Geschichte gelegt.

Entscheidend war dabei, dass man mit Heynckes und Guardiola dann Nachfolger verpflichtete, deren Fußball auf dem von van Gaal eingeführten Positionsspiel fußte und die diesen Fußball durch andere Stilmittel ergänzten und weiterentwickelten.

Eigentlich waren wir mit der Verpflichtung Tuchels auf dem richtigen Weg. Kloppo hatte bei uns ja auch einen grundlegend anderen Fußball erfolgreich implementiert, wenn auch einen mit Underdogcharakter. Kloppo hatte dann auch zu Beginn seiner zweiten Meistersaison einsehen müssen, dass dieser Fußball ohne ein funktionierendes Ballbesitzspiel sich nicht weiterentwickeln konnte. In der ersten Meistersaison haben wir die anderen Team noch mit Hurra durch unser Pressing-/Gegenpressingspiel überrumpeln können, in der Folgesaison war das nicht mehr in dieser Art möglich, wie das erste Saisondrittel deutlich aufgezeigt hatte. Die anderen Teams überließen uns mehr und mehr den Ball, mit dem wir nicht so sehr viel anfangen konnten. Wir hatten mehr und längere Ballbesitzphasen, die wir aber nur unzureichend nutzen konnten. Dass Kloppo und sein Team dies ändern und mit den gleichen Spilern ein wirklich überzeugendes Ballbesitzspiel als ergänzendes Element in der laufenden Saison implementieren konnten, halte ich persönlich für Kloppos größte Trainerleistung in seiner BVB-Zeit. Am End erstand bekanntermaßen das Double.

Warum Kloppo diesen Weg nicht weitergegangen ist und schon in der Folgesaison das Presssing-/Gegenpressingspiel wieder absolut dominierte, weiß ich nicht. Für die langfristige fußballerische Entwicklung der Mannschaft war dies jedenfalls eher nachteilig, was man auch in Kloppos letzter Saison bei uns sehen konnte.

Mit Tuchel haben wir dann allerdings wieder den Weg der fußballerischen Weiterentwicklung gefunden; er hat das Team aus der fußballerischen Sachgasse geführt ohne auf wesentliche Elemente des Kloppfußballs gänzlich zu verzichten. Dass seine zweite Saison dann wesentlich zäher verlief und es am Ende mit ihm nicht passte, hatte verschiedene Gründe. Dass wir dann nach der Trennung von Tuchel aber mit einem Trainer Bosz wieder den ‚back-to-Kloppo‘-Weg eingeschlagen haben endete ungut. Um dann wieder mit einem Trainer Favre den Ballbesitzaspekt in den Mittelpunkt zu stellen. Nur um dann mit Terzić/Rose/Terzić wieder die Gegenrichtung einzuschlagen.

Es ist also nicht so, dass wir unter und nach Kloppo nicht schon mehrfach auf dem Weg der fußballerischen Weiterentwicklung gewesen wären. Aber wir haben ihn leider auch immer wieder verlassen.

Ein Kombinationsspiel mit Automatismen in Pass- und Laufwegen geht uns aber derzeit vollends ab. Und dieses war ein Element, welches Favre implementiert hatte. Aber derzeit hat man nicht das Gefühl, dass die elementarsten Dinge wie Passschärfe beherrscht (trainiert?) werden, so dass auch die Idee von öffnenden Doppelpässen arg ambitioniert scheint.

Wenn man sich in Training und Spiel auf Ballgewinne und Umschaltspiel fokussiert, dann leidet das Passspiel zwangsläufig.


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