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Mats hat Recht: mehr über Fussball reden (Spieltage)

Ravenga, In der Ruhr liegt die Kraft, Dienstag, 18.10.2022, 13:14 (vor 1321 Tagen) @ Ricola1
bearbeitet von Ravenga, Dienstag, 18.10.2022, 13:33

Das ist ein absoluter Kernpunkt. Den "Peak ihrer Formkurve" kennt natürlich niemand vorher, insofern lasse ich den Punkt mal außen vor.

Das Gefüge wird aber letztlich vom Trainer vorgegeben oder entwickelt bzw. davon, wie sich die sportliche Leitung dazu verhält. Man braucht einen sehr, sehr starken Trainer mit grundlegendem Konzept und - bei uns - eine Gesamtleitung, die das aushält. Klopp auszuhalten, war anfangs nicht so schwierig, weil der Verein ohnehin im oberen Mittelmaß angekommen war.

Das wäre jetzt ungleich schwieriger, da natürlich alles am unmittelbaren Erfolg gemessen wird (etwa, wenn ein Trainer auf die Idee käme, einen Frey oder analog dazu z.B. hier einen Reus (beliebiges Beispiel) rauszuwerfen).

Der BVB unter Aki Watzke bräuchte einen van Gaal, der sich im Zweifel mit allen anlegt aber weiß, was er tut. Unbequeme Trainer sind aber derzeit hier nicht so gefragt.

Eben. Es ist ja nicht so, dass Lucas Höler, Roland Sallai, Vincenzo Grifo und Michael Gregoritsch absolut herausragende individuelle Ausnahmekönner wären, aber sie sind sorgfältig nach einem genauen Plan hinsichtlich ihrer Stärken und möglicher Passform in ein bestimmtes taktisches Gefüge ausgewählt worden und zahlen das in beeindruckender Weise zurück. Mal ehrlich, kein Schwein außer Christian Streich hat den Tausch Demirovic/Gregoritsch vor der Saison verstanden, im Gegenteil, ganz Fußballdeutschland schaute sich fragend an, aber er hatte mit Gregoritsch einen exakten Plan, der bislang voll aufging. Das tun seine Pläne natürlich auch nicht immer (siehe Rekordtransfer Santamaria), genauso wenig wie die von Klopp seinerzeit (oft genug leider im Derby), aber in den allermeisten Fällen schon, auch wenn es Rückschläge bedeutet. Mit einer langfristigen Spielidee und damit erforderlichen personellen Kontinuitäten auf der Trainerbank und/oder im Management kann man ja z.B. die eigenen Jugendspieler gezielt auf diese Spielidee und die damit verbundenen Ansprüche hin ausbilden. Guckt euch mal an, wie viele Eigengewächse in Freiburg rumturnen! Allein aus dem 20-köpfigen Spieltagskader gegen die Bayern stammten 10 Mann (!) aus der eigenen Jugend. Dann kann man auch einen finanziellen Rückschlag emotional besser verarbeiten, z.B. wenn man den hadernden Rekordmann Santamaria wieder verkauft und seine Position durch hauseigene Spieler zum Nulltarif, wie Höfler oder Keitel, gleichwertig oder besser ersetzen kann. Natürlich funktioniert das nur so lange solche Transferflops nicht zur Regel werden und man die Fehleinkäufe, die man getätigt hat, auch schnell und möglichst wenig schmerzhaft wieder los wird.

Frage: Würde dieser Plan so auch beim BVB im Jahr 2022 funktionieren? Antwort: In dieser Form aus diversen Gründen auf keinen Fall, nein, aber Gegenfrage: Hat der BVB überhaupt einen langfristigen Plan? Oder irgendeine konkret skizzierte Idee, welchen Fußball man spielen lassen will? Ich sehe da nichts, im Gegenteil, man kauft einfach nach Verfügbarkeit und guten Leistungsdaten, aber ohne Gesamtkonzept oder Blick dafür, ob das stimmig ist, was man da gerade tut. Selbst wenn es irgendeinen übergeordneten Plan für den BVB-Fußball gibt, muss dieser sich allem Anschein nach durch den Leistungsdruck einer Amtsstube der Deutschen Bundespost in den 80er Jahren auszeichnen, wo sich die versammelte, langjährige Beamtenschaft kurz vor der Pensionierung unterschwellig einig ist, dass sich der neue 30 jährigen Grünschnabel seine neumodischen Teambuildigung-Maßnahmen und seine Vorschläge zur Effizienzverbesserung mal schön in die Haare schmieren kann. Klar, man guckt sich das erstmal an und macht dann auch anfangs mit, aber schon bald verschlechtert sich das Klima, das Murren beginnt, man sucht die Schuld beim jeweils anderen und am Ende macht wieder jeder sein eigenes Ding. Dann, im Angesicht des drohenden Zusammenbruchs des kompletten Postamts, entziehen die panischen Amtsleiter dem zwar motivierten, aber immer verzweifelter und ratloser wirkenden Reformer nach spätestens 12 Monaten das Vertrauen und ersetzen ihn durch einen zweiten, dritten und vierten leitenden Angestellten, jeder mit jeweils anderen Philosophien und Methoden, aber alle mit dem gleichen Schicksal. Man schafft es dann am Ende zwar wieder irgendwie zu den Spitzenfilialen der Region zu zählen, aber nur, weil man ein um drölfhundert Prozent höheres Personalbudget hat als die zum Teil deutlich effizienter arbeitenden Postämter in den Nachbarbezirken.

Aber abgesehen vom Volumen des Budgets, würde man auch in Freiburg, Frankfurt oder meinetwegen Amsterdam die Verantwortlichen mal freundlich fragen, was genau sie da auf dem Transfermarkt eigentlich mit der ganzen Kohle machen, wenn von den zehn teuersten Neuzugängen der Clubhistorie, von denen sie neun eigenhändig getätigt haben, fünf keinerlei sportlichen Gegenwert bieten und von diesen fünf Spielern zwei ihre Verträge trotz klar kommunizierter sportlicher Sackgasse einfach aussitzen, weil ihnen kein anderer Club einen auch nur ansatzweise so lukrative Verträge anbieten wird.


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