schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
A- A+
schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
Startseite | FAQ | schwatzgelb.de unterstützen
Login | Registrieren

Wichtiger Sieg - Benfica (Spieltage)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Freitag, 04.11.2022, 01:09 (vor 1164 Tagen) @ Trainer09

Sorry, habe Deinen Post erst spät entdeckt und bin dann irgendwie nicht dazu gekommen, darauf zu antworten. Mache es jetzt auch nur selektiv, da mir Deine entsprechende Frage noch präsent war.

Ich muss zugeben, ich verfolge den Fußball an sich nicht mehr so übermäßig stark wie früher. Das meine ich wörtlich, "Übermaß", meine Frau würde anderes behaupten ;-)

Würde meine Frau wahrscheinlich auch so sehen, wenn die Situation bei uns normal wäre, was sie allerdings nicht ist. Eigentlich wollte ich DAZN kündigen, doch meine Frau wollte, dass ich dies nicht tue. Sie sieht das Fußballschauen als kleine Ablenkung und Abwechslung für mich an. Deshalb schaue ich auch relativ viel; unter normalen Umständen zuviel.

Deshalb eine ernstgemeinte Frage: Gibt es das denn überhaupt noch bei Mannschaften im oberen Drittel einer Tabelle einer Topliga, dass rein auf Pressing- und Umschaltfußball gesetzt wird? Bzw. auch andersrum- gibt es noch wirklich viele Teams, die ausschließlich auf Ballbesitzfußball setzen?

Sicherlich spielen Teams wie Liverpool oder ManCity nicht mehr den jeweils reinen Umschalt- bzw. Ballbesitzfußball. Als absolute Spitzenmannschaft muss man heute schon mehr Variabiltät im Spiel haben, weil man sonst zu ausrechenbar wird. Außerdem benötigt man flexible Antworten auf bestimmte Spielsituationen, die es in der jeweiligen ‚reinen Lehre‘ schlicht nicht gibt. Unabhängig davon, dass diese Teams in ihrer Grundausrichtung erkennbar bleiben.

Wenn man seinen Spielstil nicht weiterentwickelt, wird man zunächst stagnieren und läuft dann Gefahr sich zurückzuentwickeln. Gut möglich, dass es Atlético nun so geht.

Wenn ich nun über Beispiele nachdenke, wo ein Spitzenteam einer Spitzenliga dennoch voll und ganz auf einen ganz bestimmten Spiestil ohne große Kompromisse setzt, dann fällt mir eigentlich nur Benfica ein. Es kann natürlich sein, dass ich da etwas übersehe und Benfica nur deshalb so ins Auge sticht, weil sie mit dem Pressing-Gegenpressingfußball Schmidtscher Prägung so radikal einen neuen Weg gehen. Und das in eine rLiga, die nicht unbedingt eine Pressingliga (wie die Bundesliga) ist, vorsichtig gesprochen.

Wobei man einschränkend sagen muss, dass die portugiesische Liga nicht zu den Topligen Europas zählt. Andererseits ist sie nach den ‚Big Five‘ die wohl qualitativ beste, ihre Spitzenclubs Porto, Sporting, Benfica und auch Braga spielen in den europäischen Wettbewerben Rollen, die nicht so weit entfernt sind von denen der Teams der Bundesliga jenseits der Bayern.

Und man sollte auch erwähnen, dass Benfica bereits in den letzten zwei Jahren stärker auf Pressing-Gegenpressing gesetzt hat. Nur nicht so konsequent wie man es jetzt tut. Hintergrund dürfte wohl sein, dass man die einst führende Stellung im portugiesischen Fußball an den ungeliebten Konkurrenten aus Porto und ein Stück weit auch an den ewigen Lokalrivalen Sporting verloren hat. Da brauchte es eines neuen fußballerischen Ansatzes und es hat sich auch durchaus etwas bewegt, aber nicht in dem gewünschten Maße. Und jetzt der Radikalschritt mit der Verpflichtung Roger Schmidts als Trainer, der für Fullpower-Allzonen-Pressing steht.

Und siehe da, der Erfolg hat sich prompt eingestellt. Sicher konnte Schmidt aufbauen auf dem, was sein Vorgänger bereits implementiert hatte. Aber es ist schon beeindruckend, wie schnell, konsequent und erfolgreich die Mannschaft seine Version dieses Fußballstils umsetzt. Da blieb für Spieler wie z.B. Weigl kein Platz. Dafür setzt Schmidt im defensiven/zentralen Mittelfeld auf den jungen Florentino,,der nach zwei eher unglücklichen Leihen zurück ist und bärenstarke Leistungen abliefert, offensiv wie defensiv. Auf den haben bestimmt schon diverse Spitzenteams ein Auge geworfen. Sein Partner im defensiven Mittelfeld ist der Norweger Auresnes, der kurioserweise bereits so gut wie bei Werder war, nur fehlte den Bremern just zu diesem Zeitpunkt eine Summe von lediglich 200.000 €, um die geforderte Ablösesumme in Höhe von 600.000 € leisten zu können, weil man andere Spieler nicht rechtzeitig hat verkaufen können. Beide bilden den Motor der aktuellen Mannschaft, es gibt allerdings auch einigermaßen adäquate Alternativen auf der Bank.

Benfica ist in dieser Saison noch ungeschlagen, hat in der Liga nach dem ersten Saisondrittel alle Spiele bis auf eines, das Remis ausging, gewonnen. Im Pokal ist man eine Runde weiter und in der CL hat man sich in der Gruppenphase (wenn auch äußerst knapp) gegen den PSG als Gruppenerster durchsetzen können. Gegen den PSG spielte man zweimal Unentschieden und in der Liga gelang im ‚O Clássico‘ in Porto endlich wieder ein Sieg.

Man weiß nicht, in welcher Verfassung sich Benfica im neuen Jahr befinden wird und wie sich die Gegner auf die Spielweise des Teams einstellen werden. In der aktuellen Form, in der sich Benfica befindet, dürften sie für so einige Achtelfinalteilnehmer allerdings nicht unbedingt der Wunschgegner sein.


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread:


1521893 Einträge in 16353 Threads, 14353 registrierte Benutzer Forumszeit: 11.01.2026, 07:47
RSS Einträge  RSS Threads | Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Forumsregeln