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Mangelnde Selbstkritik (BVB)

markus, Dienstag, 07.07.2026, 21:12 (vor 1 Tag, 6 Stunden, 35 Min.) @ Sascha

Dass die WM wegen bestehender TV-Verträge kurzfristig weniger empfindlich ist als Nokia, mag stimmen. Aber auch die FIFA lebt langfristig von Einschaltquoten, Ticketverkäufen, Sponsoren und Medienrechten. Wenn das Interesse dauerhaft sinkt, werden Sponsoren weniger zahlen und Sender geringere Summen bieten. Die wirtschaftlichen Folgen kommen zeitversetzt, nicht gar nicht.

Beim Klimawandel gilt für mich dasselbe: Natürlich kann und sollte man nicht alle Verantwortung auf den Einzelnen abwälzen. Deshalb braucht es politische Regeln. Aber daraus folgt nicht, dass individuelles Verhalten bedeutungslos wäre. Märkte reagieren auf Nachfrage – ob bei Elektroautos, erneuerbaren Energien oder pflanzlichen Alternativen sieht man das seit Jahren.

Deshalb sehe ich das nicht als Entweder-oder. Politik setzt den Rahmen, individuelles Verhalten beeinflusst den Markt. Beides wirkt zusammen.


So funktionieren aber globale Märkte nicht, dass sich der einzelne einer eigenen Konsumkritik unterstellt und damit irgendwas bewirken könnte. Womit wurde das immer größer werdende Ozonloch bekämpft: dass wir individuell auf Produkte mit FCKW verzichtet haben oder weil die Weltengemeinschaft solche Produkte verboten hat?
Für genau sowas haben wir doch Regeln. Wenn Firma XY sich einen Wettbewerbsvorteil durch unerlaubte Methoden verschafft, fordern wir den einzelnen auf, einfach nicht mehr deren Produkte zu kaufen oder sind hier höhere Instanzen für zuständig?


Aber daraus folgt doch nicht, dass individuelles Konsumverhalten wirkungslos wäre. Märkte reagieren ständig auf Nachfrage. Unternehmen ändern Produkte, Strategien oder Geschäftspraktiken, weil Kunden sie kaufen oder eben nicht mehr kaufen.

Weil sie etwas anderes, oder bei einem anderen kaufen. Profifußball ist aber ein monopolistischer Markt und wer sich dafür interessiert, wird dann nicht zum Tennis wechseln, weil er mit den Praktiken der FIFA nicht einverstanden ist.

Es muss niemand zu Tennis wechseln. Die Alternative kann auch einfach sein, die WM nicht zu schauen und meine Zeit anders zu verbringen. Für die FIFA macht es keinen Unterschied, ob ich stattdessen Tennis schaue, ein Buch lese oder spazieren gehe – entscheidend ist, dass ich ihr Produkt nicht konsumiere.

Und irgendwann muss doch auch der Punkt kommen, an dem der Schmerz groß genug ist. Die ganzen Auswüchse sind untrennbarer Teil des Profifußballs.


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