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Jeder, der WM-Spiele schaut, ist Komplize (BVB)

CF, Dienstag, 07.07.2026, 09:58 (vor 1 Tag, 6 Stunden, 7 Min.) @ markus

"Konsumverhalten steuert Entscheidungsträger" setzt voraus, dass Fans als Kollektiv handeln. Tun sie aber nicht.

Fußball-Fans sind keine homogene Masse mit koordinierter Kaufentscheidung. Der eine boykottiert DAZN, zehn andere schließen ein neues Abo ab, weil sie einfach ihr Team sehen wollen. Für einen wirksamen Hebel bräuchte es kritische Masse – die gibt es bei Fans strukturell nicht, weil die Bindung ans eigene Team stärker ist als jede Solidarität mit einer abstrakten "Fan-Bewegung".

Und selbst wenn: FIFA, DAZN, Sky, Investoren, Verbände, Vereine – da hängen zu viele finanzielle Interessen dran. Die Antwort auf sinkende Nachfrage ist selten "wir ändern unser Modell", sondern eher neue Erlösquellen erschließen. Das Geld muss weiterfließen, notfalls wird das Produkt umgebaut, nicht das Geschäftsmodell hinterfragt.

Individueller Verzicht ist moralisch integer, aber er ist Symbolpolitik, kein Hebel. Der Vergleich mit Radiohören vorm Stadion zeigt das Problem selbst: Es ändert nichts an TV-Deals oder Ticketpreisen, es ist eine persönliche Geste. Legitim, aber man sollte sie nicht als Druckmittel verkaufen, das sie nicht ist.


Man benötigt dafür keine homogene Masse. Es genügt, wenn genügend Konsumenten sich individuell abwenden. Wenn ein Unternehmen Scheiße baut, verliert es nach und nach seine Kunden. Bei Nokia brauchte es auch keinen homogene Masse. Das Produkt war einfach nicht mehr gut genug und die Leute wandten sich nach und nach ab.


Dann brauchen wir ja nur noch ein Pendant zum iPhone, das die Nokia-Kunden an sich gezogen hat.


Gibt es denn keinerlei andere Dinge im Leben als nur Fußball, die lebenswert sein könnten? Und selbst innerhalb des Fußballs kann man ja differenzieren und z.B. nur die FIFA Wettbewerbe boykottieren.


Du hattest den Nokia-Vergleich gezogen. Smartphones waren aber nicht andere Dinge, die waren dasselbe mit weiteren Möglichkeiten. Natürlich gibt es 1.000 andere Dinge und jeder hier hat sicher auch andere Dinge. Aber ich möchte mir durch korrupte Funktionäre auch nicht einfach vollständig etwas nehmen lassen, dass mir i.d.R. Spaß macht. Das ist mir auch ein zu digitales Denken.


Ob die Kunden wegen eines besseren Konkurrenzprodukts, schlechter Qualität oder wegen fragwürdigen Verhaltens des Unternehmens nicht mehr konsumieren, ist für das Prinzip unerheblich. Entscheidend ist, dass Unternehmen von den Entscheidungen vieler einzelner Konsumenten abhängig sind. Dafür braucht es keine homogene Masse oder eine zentrale Organisation.

Und dass dir etwas Spaß macht, ändert daran nichts. Jeder entscheidet selbst, welche Faktoren ihm wichtig sind – Preis, Qualität, Funktionen oder auch das Verhalten eines Unternehmens. Wenn genug Menschen sagen: “Das unterstütze ich nicht mehr”, hat das wirtschaftliche Folgen.

Das klappt ja schon super bei Amazon, Facebook, Google, TokTik. Die Menschen verzichten nur bzw. ändern ihr Kaufverhalten, wenn man Alternativen anbietet, die dann eine Verbesserung in irgendeiner Hinsicht darstellen.


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