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Jeder, der WM-Spiele schaut, ist Komplize (BVB)

markus, Dienstag, 07.07.2026, 09:18 (vor 1 Tag, 14 Stunden, 18 Min.) @ VM

"Konsumverhalten steuert Entscheidungsträger" setzt voraus, dass Fans als Kollektiv handeln. Tun sie aber nicht.

Fußball-Fans sind keine homogene Masse mit koordinierter Kaufentscheidung. Der eine boykottiert DAZN, zehn andere schließen ein neues Abo ab, weil sie einfach ihr Team sehen wollen. Für einen wirksamen Hebel bräuchte es kritische Masse – die gibt es bei Fans strukturell nicht, weil die Bindung ans eigene Team stärker ist als jede Solidarität mit einer abstrakten "Fan-Bewegung".

Und selbst wenn: FIFA, DAZN, Sky, Investoren, Verbände, Vereine – da hängen zu viele finanzielle Interessen dran. Die Antwort auf sinkende Nachfrage ist selten "wir ändern unser Modell", sondern eher neue Erlösquellen erschließen. Das Geld muss weiterfließen, notfalls wird das Produkt umgebaut, nicht das Geschäftsmodell hinterfragt.

Individueller Verzicht ist moralisch integer, aber er ist Symbolpolitik, kein Hebel. Der Vergleich mit Radiohören vorm Stadion zeigt das Problem selbst: Es ändert nichts an TV-Deals oder Ticketpreisen, es ist eine persönliche Geste. Legitim, aber man sollte sie nicht als Druckmittel verkaufen, das sie nicht ist.

Man benötigt dafür keine homogene Masse. Es genügt, wenn genügend Konsumenten sich individuell abwenden. Wenn ein Unternehmen Scheiße baut, verliert es nach und nach seine Kunden. Bei Nokia brauchte es auch keinen homogene Masse. Das Produkt war einfach nicht mehr gut genug und die Leute wandten sich nach und nach ab.


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