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Neu auf schwatzgelb.de: Jürgen Klopp zu Red Bull: Entkultet (BVB)

koom, Donnerstag, 10.10.2024, 13:23 (vor 492 Tagen) @ burz

Ich frage mich da, wie sich Sympathien losgelöst von der Geschichte eines Vereins entwickeln können. Nichts anderes ist Tradition. Deine mehr oder weniger ausgeprägte Sympathie zum BVB basiert auf Jürgen Klopp. Also einer Geschichte seit 2008. Die Dosen sind sicher schon mehr als ein schlafender Riese. Wie schauts hier mit Sympathien aus?

Meine tiefste Verbundenheit habe ich zu Mainz 05. Support your local team etc. Und die Erlebnisse, gerade mit so einem Underdog-Verein, prägen und werden ewig teil von mir sein. Nichtsdestotrotz kriegt man schon irgendwann mit, dass der wirtschaftliche Teil den Herzensteil ausmerzt. Und da habe ich für mich geernt und beschlossen, dass ich das Spiel und den Verein mag, aber grundsätzlich ist das auch schon alles an Beziehung. Es bestimmt nicht mehr meine Gefühlswelt, weil das nur einseitig und falsch ist. Selbst Mainz 05 ist grundsätzlich ein Wirtschaftsunternehmen. Man macht viel richtig, bleibt moralisch größtenteils auf einem guten Pfad, aber mehr darf man nicht erwarten.

Du hast die Sicht Jürgen Klopps vermutlich sehr treffend dargestellt. Es ist aber eben auch bezeichnend, dass Du auf den Kern meines Statements nicht eingegangen bist. Ja, Jürgen Klopp empfindet oder empfand die 3 Vereine wie seine Kinder. Er hätte genügend Möglichkeiten gehabt, seine Kinder gar nicht oder weniger zu verärgern.

IMO wird da viel zu viel in diese Analogie mit den Kindern reingelesen. Das ist keine dauerhafte Beziehung wie in einer Familie. Es ist eine nettere Umschreibung dazu, dass Klopp "seine Kinder" eben sehr geprägt hat. Vor allem Fußballerisch. Er hat alles viel beigebracht, keine verbrannte Erde hinterlassen, ihnen Manieren und Fähigkeiten vermittelt. Und nun adopiert er ein neues Kind. Und will auch dort prägen, erziehen, vermitteln.

So wird diese Analogie eher gedacht sein.

Wenn er dort ähnlich erfolgreich agiert wie zuvor, wird das eben auch einen Einfluss auf Konkurrenten wie den BVB haben. Ihm muss doch klar sein, was es Fans des BVB bedeuten würde, wenn man dauerhaft von einem Konstrukt wie RB abgehängt wird.

Klar. Aber ich denke, es geht ihm darum, dass er mit diesem Posten die Chance hat, nicht nur ein neues Kind zu erziehen, sondern eher wie ein Lehrer dafür sorgt, dass es künftig mehr Erzieher gibt, die sein Idealbild weitergeben. Fußball mit Freude, Leidenschaft, Energie, Anstand. Wenn das gelingt, ist dem Fußball als Ganzes sicherlich mehr geholfen. Da würde auch der BVB profitieren, der seit Jahrzehnten versucht, irgendwie nen neuen Papa für die Familie zu suchen, aber keinen findet.

Er ist klug genug zu wissen, wie weit er von dem Verständnis eines Südtribünenbesuchers (inzwischen) entfernt ist.

Ja und Nein. Klopp hat noch nie viel auf die Fußballfolklore gegeben. Dieser Part wird ihm immer eher zuwider gewesen sein. Er ist Sportsmann, immer fair. Das ist seine "Marke". Was der sektenhafte Südtribünenbesucher da irgendwo reinliest, darf jener für sich gerne machen, aber Klopp wird sich nicht dran gebunden fühlen.

Für mich hat das mit Religion wenig zu tun. Ich kann akzeptieren, wenn es Betrachter wie Dich gibt, die im Fußball fast ausschließlich an den Ereignissen auf dem Platz interessiert sind. Umgekehrt erwarte ich aber auch, dass Begriffe wie Geschwurbel hier außen vor bleiben. Wir reden hier von Millionen von Fußballfans, die deutschlandweit über die Tradition ihren Verein gefunden haben. Und ich sehe zumindest nicht, dass dies schlechter ist als dieses moderne Bild eines Fußball-Sympathisanten, das aus Deiner Sicht anscheinend unabwendbar ist.

Ich nenne es Geschwurbel, weil es sehr hinderlich ist für die Entwicklung. Man hält über solche nicht greifbaren Positionen wie "Tradition" gewisse Vereine davon ab, zu wachsen. Damit eine ich nicht die RBs, sondern eher die Mainz' und Freiburgs. Und andere. Man zementiert auch verschiedene Positionen damit, erhält dadurch dann auch eine Rangfolge von Wichtigkeit. Anstatt dann auf tatsächliche Attraktivät eines Klubs und seines Spiels zu gehen, verkauft man nur die Atmosphäre, die mittlerweile oft überschätzt wird (die BVB-Stimmung ist bspw. hart überbewertet).

Und dieses Geschwurbel sorgt dafür, dass Klubs wie HSV, Schalke, Hannover, Berlin und viele weitere Unsummen an Geld verbrennen. Das sie Vollidioten in wichtige Positionen stecken, weil sie "Stallgeruch/Tradition" haben, weil sie mal nen Elfmeter in nem wichtigen Spiel versenkt haben. Oder hin und wieder, weil sie einfach nur gute Zulaberer sind. Profitieren davon tun vor allem die Horden an Berater, die für ein bisserl telefonieren absurde Unsummen einstecken. Und wir Fans zahlen diese Scheisse.

Sowohl für den Fan als auch für den Sport würde ich sofort ein Franchise-System wie die NFL beführworten. Sportliche Gleichheit, alle Klubs sind attraktiv und interessant, weil auf Augenhöhe. Bessere Arbeit bringt mehr Erfolge usw. Der momentane Bayernknick sollte nicht davon ablenken, dass die Wahrscheinlichkeit gut ist, dass sie sich anschicken, 9 von 10 der künftigen Meistertitel wieder einzuheimsen.


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