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Vier Ts für (k)ein Halleluja. (Spieltage)

Brulence, an der Ruhr, Donnerstag, 06.04.2023, 09:47 (vor 1014 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Ich gebe zu, eigentlich ist hier alles gesagt. Nur noch nicht von jedem. Und deswegen ist es gar nicht schlimm, wenn ich meine Ergüsse hier auch noch zum Besten gebe.

Das war sie also, die Saison 2022/2023. Wo vor fünf Tagen noch der Meisterschafts-Zug befeuert wurde, man sich Formstärke eingeredet hat, liegt die Saison im Frühjahr wieder mal in kleinen unappetitlichen Trümmern vor uns. Und das nach einem Auftreten, das so maximal unwürdig war, wie ich es seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe. Das war einer der dunkelsten Tage der jüngeren Vergangenheit und wirft (mal wieder) erhebliche, neue und auch altbekannte Fragen auf. Dazu im Verlauf mehr.

Kommen wir zu den im Titel angesprochenene "Ts" - und das ist, wenn ich mir meine eigene Forenhistorie ansehe, eine Blaupause zu den Spielthreads unter dem BVB-Trainer Rose.

Taktik. Technik. Tempo. Das vierte T ergibt sich aus dem Ersten und lautet Terzic. Das dritte Spiel gegen den RB-Trainer Rose, in dem wir taktisch hoffnungslos unterlegen waren und unser Trainer gleichermaßen nicht in der Lage ist, während des Spiels ordnend und korrigierend einzugreifen. Die pure Hilflosigkeit an der Seitenlinie. Die Herangehensweise RBs, das hohe Pressing, die hoch stehenden AVs in deren Aufbau, das alles war so unfassbar klar, das identische Muster zum dritten Mal, so offensichtlich und unsere Mannschaft hat ebenso offensichtlich taktisch und technisch nix an der Hand, um darauf zu reagieren. Den gestrigen Matchplan hätte ich im Nachhinein von unserem Coach gerne mal näher erläutert.

Gut, es mag sein, dass da wirklich ne maximal ausgeklügelte Taktik ausgegeben wurde, die unsere Spieler mangels individueller Klasse schlicht nicht umsetzen konnten, das machts in Summe dann nicht deutlich besser und verschiebt das Problem nur. Wir haben seit Wochen und Monaten Probleme, sauber über unsere AVs zu eröffnen, die schlicht und ergreifend null pressingresistent sind. Der Transfer-Coup mit Ryerson, der hier nach Ankunft überschwänglich für seine Mentalität gelobt wurde, erschließt sich mir nach wie vor nicht. "Der kann links wie rechts" hieß es. Ja natürlich kann er. Auf links bloß leider invers, weil er den Linken dann doch irgendwie nur zum Stehen hat. Wir leisten uns auf unserem Niveau (oder dem Niveau, wo wir uns gerne sehen würden, je nachdem) einen inversen LV und wundern uns warum wir keinen gescheiten Aufbau hinkriegen. Da brauchst Du Dir über Tiefe und Breite in der Offensive zumindest mal keine Gedanken mehr machen wenn das Spiel schon 25m vor dem eigenen Tor versandet.

Da sitzt ein Dahoud (den ich jetzt keineswegs besser machen will als er ist) 90 Minuten auf der Bank. Zumindest vom Spielertypus jemand, der fußballerische Lösungen anbieten KÖNNTE. Gut, wenn MD selbst bei einem solchen Spielverlauf und der dargebotenen Hilflosigkeit keine Alternative zu Salih Özcan darstellt, dann ist die Trennung am Saisonende nur folgerichtig und bezeichnend. Ebenso bezeichnend ist, dass zum zweiten Mal in Folge unser Kapitän das Feld vorzeitig verlassen darf. In zwei der wichtigsten Spielen der Saison. Was grundsätzlich und leistungsmäßig nachvollziehbar war - im größeren Kontext aber auch ziemlich viel aussagt.

Und so stehen wir heute wieder hier und trauen uns kaum das Wort der Mentalität in den Mund zu nehmen. Denn die, die uns als Mentalität verkauft wurden, waren ja gestern nahezu alle am Ball. Wolf, Özcan, Ryerson, Can. Vor lauter Mentalität vergessen wir aber auf der einen oder anderen Position auch mal den fußballerischen, spielerischen Aspekt.

Und so steht uns erneut ein Sommer bevor, der grundsätzliche Probleme und Fragen mit sich bringt. Der Umgang mit den alternden Hummels und Reus, die Frage nach einer VVL Brandts (natürlich verbunden mit höheren Bezügen, das ist klar), die Personalie Guerreiro, dem man zuletzt gegen nationale Mittelklasse wieder zu Füßen lag, weil er ja ein wirklich toller Fußballer ist. Solange es nicht zu intensiv wird auf dem grünen Geläuf. Dazu der ziemlich sichere Abgang Bellinghams.

Also eine erneute Mammutaufgabe verbunden mit der Frage, wofür Borussia Dortmund denn demnächst so stehen möchte, Ziele, Wünsche, tralala.

Spannend insofern, da Eines ziemlich offensichtlich ist. Auch wenn die Bundesliga-Tabelle nach wie vor einen grundsätzlichen Daumen nach oben zeigt, so werden wir von Jahr zu Jahr eher schwächer als besser. Gesamtheitlich. Haaland, Sancho und auch Bellingham mögen das etwas verwässert haben und natürlich sind solche Spieler nicht 1:1 zu ersetzen, sodass der Umstand des "schwächer werdens" individuell gar nicht kompensierbar ist. So gilt es, das nächste Wunderkind zu finden und das Kollektiv irgendwie stabiler zu machen. Da sag ich mal toi, toi, toi, lieber Sebastian Kehl.

Und Eines noch zum Abschluss, weil es zuletzt Thema meines Arbeitskollegen und mir war:
Ja, möglicherweise werde auch ich älter, nörglerischer und der Blick ist ein anderer als mit 20. Die Frage war:

Was um alles in der Welt passiert eigentlich beim BVB? Irgendwie wäre man gerne Big Player, vermarktet das auch einigermaßen geschickt und doch ist es nicht mehr als die goldene Ananas, um die man Jahr für Jahr spielt bzw. spielen darf. Europäisch nachvollziehbar abgehängt, national mit nem kurzen Meisterschafts-Schnuppern in einem von zehn Jahren (ungefähr) und im Pokal mit der eigentlichen Hoffnung, doch bitte nicht auf die Bayern zu treffen. Auch wenn St. Pauli und Leipzig manchmal schon reichen.

Und dafür, DAFÜR, macht man dann ein immenses Aufheben. Schleust jährlich hunderte Millionen über die Transfermärkte der Welt (brutto), greift in Köln, Mönchengladbach und Köpenick zu, verteilt Verträge, an die sich mancher Spieler ein Leben lang erinnern wird und irgendwie ändert sich ja doch nix. Wie auch, möchte man fragen. Mehr geht nicht. Finanziell nicht. Sportlich nicht. Das ewige Hamsterrad.


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