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Versuch einer sachlichen Analyse (BVB)

Dimas87, München, Samstag, 23.11.2019, 13:17 (vor 2475 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Nüchtern betrachtet ist das, was gestern passiert ist, leicht zu erklären. Schwierig wird es, wenn man das in die Gesamtgemengelage einordnen will.

Wir sind gestern in das Spiel gestartet und haben den Gegner nicht wirklich ernst genommen. Der Gegner hat alles reingeworfen und unsere Jungs überrascht. Dabei hat beim SCP in der ersten Halbzeit alles gepasst und wir stellen uns ultra dumm an. Schulz völlig unnötige Grätsche vor dem 1-0 oder Dahouds Harakiripass vor dem 2-0. Sowas ist uns beispielsweise auch schon in Norwegen passiert und könnte in der Theorie auch als Ausrutscher gewertet werden.

In der zweite Halbzeit haben sich dann alle am Riemen gerissen, weil sie gemerkt haben, dass es sonst eine Blamage historischen Ausmaßes geben würde. Das ironische an der ganzen Sache ist, dass Favres Taktik wieder aufegangen wäre, wenn wir uns in HZ 1 nicht so unfassbar dumm angestellt hätten. Selbst mit ein bisschen Glück steht es in der Halbzeit nur 1-0 oder 2-0 und dann hätte die bessere zweite Hälfte für 3-Punkte gereicht.

Betrachtet man das Spiel isoliert, dann sind da leicht Erklärungsansätze zu finden und man muss das Spiel nicht dramatischer einordnen als es ist.


Wenn man das Spiel jedoch in die bisherige Saison einordnen will, dann gibt es einfach ein paar Erkenntnisse.

1. Im Gegensatz zu fast allen Mannschaften gegen die wir bisher gespielt haben schaffen wir es nicht bzw. sehr selten, die Räume zu verengen und so Ballverluste zu erzwingen. Bälle werden meistens erst um den eigenen Strafraum erobert oder kommen durch Abschlüsse des Gegner zustande. Damit meine ich nicht mal das Pressen in der gegnerischen Hälfte, sondern einfaches Verteidigen in der eigenen Hälfte.

2. Sowohl unser offensives als auch unser defensives Umschaltspiel ist quasi nicht vorhanden.

3. Unsere Tore fallen oft erst in der zweiten Hälfte. Abschlüsse in der ersten Hälfte haben ebenfalls Seltenheitswert. Wir hatten noch kein Spiel, wo wir dem Gegner von Anfang klar gemacht haben, dass es nichts zu holen gibt gegen uns. Damit lassen wir die Gegner lange im Spiel und wir sind auf eine starke zweite Halbzeit angewiesen.

4. Unsere Offensiven führen nur dann ordentliche Defensivzweikämpfe und arbeiten nach hinten mit, wenn sie Lust haben, was insgesamt zu selten der Fall ist.

5. Wir haben noch kein Tor von außerhalb des 16ers geschossen, obwohl wir in der Offensive eigentlich genügend "Scharfschützen" haben.

6. Unsere zweiten Reihe im defensiven Zentrum ist zu schwach besetzt. Letztlich haben wir für vier Positionen im Abwehrzentrum und defensiven Mittelfeld lediglich 5 Alternativen, auf die der Trainer regelmäßig baut. Das sind Mats, Jule, Akanji, Delaney und Witsel. Zagadou und Dahoud sind nur sporadische Alternativen. Bei Dahoud nach der gestrigen Leistung verständlich, bei Zagadou der Konkurrenz zu Hummels geschuldet. Delaney ist darüber hinaus jetzt noch verletzt und Akanji nur selten bei 100%.

Welche Konsequenzen zieht man daraus?

Anhand der Punkte wird deutlich, dass es hier nicht nur eine Baustelle vorliegt. Sicherlich ist die Taktik des Trainers nicht 100% optimal für den Kader. Die Geschwindigkeit der Außenverteidiger und Außenbahnspieler wird selten genutzt und ein besseres Umschaltspiel wäre wünschenswert. Würde von den Offensivspieler jedoch besser defensiv mitgearbeitet werden, stünden wir deutlich besser dar.
Ich bin kein Freund von Favres Fußball und hätte ihn als Trainer auch deutlich variabler eingeschätzt. Allerdings fehlen mir so ein bisschen die Alternativen für ihn. Einzig Kovac wäre von den realistischen Alternativen, derjenige der mir am wenigsten Bauchschmerzen machen würde. Eine Ideallösung wäre aber auch er nicht.

Meine Meinung nach fehlt uns neben Witsel, Mats und mit Abstrichen schlicht auch Physis im Kader. Das ist ein klarer Fehler in der Kaderplanung. Sollte tatsächlich Interesse an Can bestehen (hierfür gibt es jedoch noch keine verlässliche und hier zitierbare Quelle), würde ich einen Transfer begrüßen. Allerdings ist das momentan auch eher Wunschdenken.

Daneben muss im Winter ein Stürmer verpflichtet werden, der zumindest Physis mitbringt und so Bälle festmachen kann und ein solides Kopfballspiel hat (Giroud). Das würde uns noch mal zusätzliche Optionen bringen, weil die Verteidiger nicht nur Dribblings verteidigen müssen, sondern auch Flanken verhindern müssen. Damit wird das Spiel der Außen noch unberechenbarer.


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