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20 Punkte nach 12 Spielen - das sagt doch alles aus (BVB)

Sly92, Ort, Samstag, 23.11.2019, 12:42 (vor 2476 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Wir liefern in der Hinrunde eine Bankrotterklärung nach der anderen ab. Es fehlt an so vielem und das war gestern sicherlich der absolute Tiefpunkt. Alles an Favre festzumachen ist falsch und zu einfach und ich kann nur hoffen, dass bei den oberen Herren eine größere Portion Selbstkritik herrscht als es in der Öffentlichkeit der Fall ist. Allerdings ist Favre nun mal das schwächste Glied (darin besteht ja schon der Fehler), und man muss sich nur mal die Fakten vor Augen führen und es reicht für eine Entlassung.

Die Installierung von Sebastian Kehl, das wird in diesen Monaten ganz besonders deutlich, ist in dieser Form einfach ein absoluter Witz und für mich auch nicht vermittelbar. Sein Aufgabenfeld kann er ja selbst nicht mal in ausführlichen Interviews richtig erklären und genau so wirkt es auch. Entweder man schärft da das Profil und Aufgabengebiet und kommuniziert das dementsprechend nach Außen, oder man spart sich solche Geschichten und hört auf, sich lächerlich zu machen.

Dahoud ist jetzt zweieinhalb Jahre hier und hat noch kein einziges gutes Spiel gemacht für den BVB, geschweige denn eine Handvoll Spiele oder Phase gehabt, in der man das Gefühl hatte: das wird was. Chancen hatte er genug, Trainer ebenso.

Julian Weigl wird in der Vorbereitung vom Trainer überredet zu bleiben mit dem Versprechen, ihn künftig wieder auf seiner favorisierten Position im Mittelfeld aufzustellen. Das ging gefühlte drei Spiele so, bis er wieder in der Innenverteidigung auftauchte. Betrachten wir das erst mal nur aus Weigls Sicht: wie soll der Kerl sich im vergangenen Jahr als Sechser weiterentwickeln, den nächsten Schritt machen, wenn er so selten auf seiner Position eingesetzt wird und seit einem Jahr im Aushilfsmodus spielt? So ist eine Stagnation doch hausgemacht. Und dann wollen mir welche vom Entwickler Favre erzählen.

Er erfüllt als Innenverteidiger allein die physischen Voraussetzungen nicht ansatzweise und ich habe durchaus den Eindruck, dass sowas etwas beim Gegner Motivation auslöst. Das ist auf niedrigerem Niveau und Spielklassen doch nicht anders und der Paderborner wusste im Prinzip vor Anpfiff, dass er heute „leichtes Spiel“ hat. Von Zagadous und Balerdis Motivaiton im Training und Konkurrenzkampf ganz zu schweigen.

Man muss sich ja nur mal vor Augen führen, mit welchen Aufstellungen wir allein die Meisterschaft vergeigt haben. Diallo auf Links, teilweise Wolf oder Akanji auf Rechts, Weigl in der Mitte und Götze im Sturm. Das sind fast die Hälfte der Feldspieler, die nicht auf ihren eigentlichen Positionen eingesetzt wurden/werden. In meinen Augen kann man so langfristig gar nicht erfolgreich Fußball spielen auf Spitzenniveau. Hinzu kommt, dass keines dieser Experimente nachhaltig funktioniert hat oder man den Eindruck gewinnt: hier kommen die Stärken des Spielers zur Geltung, hier fühlt er sich wohl und bringt der Mannschaft etwas, wie es in der Vergangenheit bei anderen Spielern durchaus schon mal der Fall war.

Akanji sah sich hier nach eigenen Aussagen schon als Abwehrchef und bei ManUnited, ohne ein halbes Jahr am Stück gezeigt zu haben, dass er dazu taugt. Als Hummels kam, gab es für ihn zwei Möglichkeiten mit der Situation umzugehen: entweder freue ich mich, einen der besten Verteidiger Europas im aktuellen Jahrzehnt neben mir zu haben. Dazu einen Trainer, der weiterhin auf mich setzt und mir nahezu uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringt und wachse daran. Leider ist bei ihm der völlig entgegengesetzte Weg eingetroffen und seit Hummels Rückkehr ist er die Verunsicherung und Blockade in Person.

Witsel hatte eine starke Phase zum Anfang der Saison, der Urlaub tat ihm sichtlich gut. Inzwischen ist er kaum wieder zu erkennen mit dem Spieler, der die Truppe im Herbst 2018 angeführt hat. Gestern ließ er sich von einem Paderborner dermaßen einfach dem Ball abnehmen, vor zwei Wochen gibt er vor Goretzka wie ein Schuljunge klein bei.

Reus spielt seit Saisonbeginn in 90 % der Spiele schlicht unterirdisch. Eine schwache Phase sollte man jedem Spieler zugestehen, erst recht wenn er über Jahre so überdurchschnittlich performt wie Reus und zwei Vertragsverlängerungen in wirklich schwierigen Zeiten vollzieht. Doch er braucht in meinen Augen auch einfach einen neuen (anderen?) Impuls, wie viele seiner Kollegen.

Solche Transfers wie Dahoud passieren und einen Schulz oder Brandt nehme ich gar nicht in die Verantwortung. Aber wenn selbst die Achse um Akanji, Witsel und Reus dermaßen verunsichert, hilflos und ohne Plan agiert und die Häuptlinge untergehen, wird es für jede Mannschaft schwierig.


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