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Noch ein paar Gedanken zu Führung und Motivation (BVB)

Karak Varn, Strobelallee 50, Samstag, 23.11.2019, 12:11 (vor 2475 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Noch ein paar Gedanken zu Führung und Motivation.

Aus dem Studium weiß ich: Ein elementarer Bestandteil von Leadership/ Führung ist Selbstführung. Was möchte ich? Was erwarte ich? Wie kann ich bestimmte Ziele erreichen? Welche Ziele sind das?

Münze ich das auf die Spieler um, kann hier festgehalten werden:
Jeder einzelne möchte im Grunde genommen besser werden. Erst mal für sich auf der Mikroebene. Technisch…taktisch, körperlich und so weiter. Dann mit Team auf der Mesoebene (Liga…Pokale…) und dann im noch größeren Kontext Makroebene (A Spiele, Torjägerkanone…Balon d`dor…eine geile FUT Sonderkarte um sich selbst an der Playsi zu zocken….Weltmeister werden et cet.).

Er ist hier im Grunde genommen Angestellter, der in diesen 3 Ebenen wandert. Das sieht man an Aussagen, wie „Manchester wäre mal so toll Blabla..“ von unserem IV Akanji.

Hier kommt Favre ins Spiel. Er hat es nicht geschafft die Spieler auf persönlicher Ebene zu erreichen; heißt, er hat sie nicht besser gemacht. Gilt auch für 100% aller BvB Abgänge meiner Meinung nach.
Was passiert dann?

Die Spieler mussten mehr „über das Team kommen“. Hier konnte Favre lange Punkten, so lange es funktioniert hat. Siehe der große Einwechslungs-Wahnsinn Anfang letzter Saison. Siehe die recht gute letzte Saison im Großen und Ganzen. Sowas nudelt sich aber aus, wenn Neuzugänge systemisch nicht richtig integriert werden. Wenn die Erwartungshaltung plötzlich vom Arbeitgeber eher Druck zum „besser werden“ -auf der 2. Ebene- erzeugt („wir wollen Meister werden“). Obwohl es auf der ersten Ebene krankt. Wenn verdiente Spieler im Formtief stecken. Und stecken bleiben. Wenn Unklarheiten über Funktionen auf dem Platz herrschen („wissen nicht wie wir pressen sollen“). Wenn junge Spieler persönliche Böcke schießen und auf das große Ganze noch zu unreif reagieren (Sancho).

An diesem Punkt braucht man Motivation und das Abzielen auf die erste Ebene. Das Fundament sozusagen. Und diese Motivation haben wir nicht. Der Sog derzeit geht nach unten. Scheiße statt fabelhaft. Favre ist da zu analytisch, zu detailversessen. Deshalb wird hier auch immer wieder die Jürgen Zeit thematisiert. Der kam über Motivation. Diese zielte aber direkt auf die 3 genannten Ebenen ab. Als erstes aber auf Ebene 1. Besser werden; oder es sein lassen. Das scheint mir Favre nicht zu können, denn Selbstführung ist nichts anderes als Kompetenzbildung um sich gegen äußere Einflüsse unabhängig zu machen.

Auf der Arbeit würde man bei uns in der Supervision sagen: Wie, alles ist Scheiße? Du bist hier freiwillig. Arbeite konstruktiv dran oder lass es. Wenn du aber nicht dran arbeitest, beschwere Dich nicht. Du bist hier freiwillig. Stell Dir einfach die Frage: Was willst Du?

Diese Kompetenz sehe ich dieses Jahr z.B. bei Mats. Ich glaube da spielt die Bayernzeit und die großen Erlebnisse wie 2014 eine große Rolle. Ich finde ihn deutlich reifer als noch in der ersten BvB Zeit.

Leadership umfasst Koordination und Kooperation. Diese muss allerdings ständig begleitet und reflektiert werden. Wenn nach München so eine grundlegend schlechte Nummer wie gestern da bei rauskommt, heißt das für mich:

In der ersten Hälfte habe ich gestern ein Team gesehen, dass gegen den Trainer spielt. Das sich potenzierende Problem könnte hier „Solidarität“ sein. In der Grundtheorie ist Solidarität nichts anderes als das gemeinsame verständigen auf einen gemeinsamen „Übeltäter“. Einfach erklärt: Leute tun sich zusammen und schleppen Sandsäcke….der Übeltäter auf den man sich verständigt hat, ist die Hochwasserflut. Für die erste Hälfte heißt das: Man hält zusammen, weil man das Gleiche will: Ihn loswerden. Ein unbewusster Prozess, in Arschlochtruppen auch manchmal bewusst (unter anderem Pogba, Balotelli…und so weiter). Und Zweifel machen schwere Stollen.

Wasser auf diese Mühlen ist durchaus die 2. Hälfte. Da haben sie gezeigt, dass sie durchaus punkten wollen.
Weiteres Wasser zur Untermalung: Barca zu Hause. Da ging fast alles. Jeder war motiviert, gespielt haben wir gut. Es ist also möglich sich selbst zu motivieren…denn auf den genannten Ebenen ist Barca als Spieler im Westfalenstadion einfach ein Traum. Man braucht als Spieler dieses Spiel in der Vita. Man braucht es aber auch um den Marktwert zu zeigen. Man braucht es aber auch um die anderen beiden höheren Ebenen zu erreichen.
Noch ein Beispiel? 2. Hälfte Inter.

Gegen Augsburg geht sowas nicht locker von der Hand. Oder bei Union. Da braucht man jemanden, der an das Grundprinzip zurückkehrt. Motivation; und besser werden wollen. Tuchel konnte das. Das höre ich auch immer raus, wenn er von seinen Paris-Zockern spricht. Und Jürgen eh. Der hat`s mitterweile perfektioniert. Da waren die beiden gar nicht so verschieden.


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