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Die Ausnüchterung vom Fansein (BVB)

Kalkzilla, Waltrop, Montag, 23.09.2019, 22:32 (vor 2434 Tagen) @ Didi

... sind wir schon langsam zum ewig unzufriedenen, sich selbst auffressenden und selbst vergiftenden FC Gelsenkirchen in schwarzgelb geworden.

Was daran gemessen hier und rund um den Verein los ist? An sich schon heftig, oder?

Was hat die Zeit mit uns gemacht, was ist denn bloss aus uns geworden?

Du musst aber auch berücksichtigen woher das kommt. Diese Stimmung rund um den BVB ist nicht über Nacht entstanden, sondern ein jahrelanger Prozess.

Wo standen wir 2012? Die Klopp-Jahre waren ein absoluter Rausch, den die meisten Fans anderer Vereine niemals auch nur ansatzweise erleben werden.

Von der Fast-Insolvenz 2005 und dem Fast-Abstieg 2007 zurück an die Spitze der Bundesliga, mündend im Double 2012. Und das ist nur der sportliche Aspekt.

Wir hatten ein sagenhaftes Team! Das waren nicht die hochbezahlten Millionäre, die einfach ihrem Job nachgehen. Das waren Spieler, die du jederzeit neben einen von uns auf die Süd hättest stellen können. Fans und Team waren eine absolute Einheit und wir hatten einen Trainer, der nicht nur perfekt zu uns passte, sondern dem ganzen Verein eine echte Identität verlieh. Wir waren ganz oben und wer bitte sollte uns stoppen!? Solch ein Drehbuch würde in Hollywood abgelehnt werden, weil es viel zu kitschig ist.

Vielleicht verklären die vergangenen Jahre ein wenig, wie es tatsächlich war. Vielleicht ist das eine alberne, rosarote Sichtweise, die einer Prüfung nicht Stand halten würde. Aber mal im Ernst: Wie viele Menschen haben genau so gefühlt!? Gar nicht auszudenken, hätten wir 2013 auch noch die Champions League gewonnen.

Und von diesem lächerlich hohen Ross kommen wir. Seitdem sind 6 Jahre vergangen. Und in diesen 6 Jahren wurden wir mit dem Dampfhammer voll auf den harten Boden der Realität zurückgeholt. Wir mussten lernen, dass die Kagawas, Lewandowskis und Gündogans doch nicht zu dieser Familie gehören wollen. Auch "unser" Junge Mario Götze kehrte uns den Rücken und unser angeheirateter Kapitän Mats Hummels folgte ihm bald. Und gerade diese beiden gingen nicht irgendwo hin. Es musste ja ausgerechnet der FC Bayern sein.

Das war alles schon nur schwerlich zu verdauen, doch auch der BVB tat selbst einiges dazu, dass immer mehr Menschen die emotionale Bindung zum Verein verlieren. Trainingslager in Dubai, Kündigung von Dauerkarten für einen größeren VIP-Bereich, Aussagen von Aki Watzke (für jeden , der seine Karte nicht mehr will stehen 5 neue bereit), Götze/Hummels Rückholaktionen, das Verhalten nach dem Anschlag... Im Prinzip war für jeden etwas dabei, um immer weniger Verständnis für seinen Herzensverein aufzubringen.

Zu guter Letzt ist da noch die drückende Überlegenheit der Bayern in der Bundesliga. Die Bundesliga ist zu einer Kirmesveranstaltung verkommen, und die Aussicht auf eine weitere Saison, in der man um die Plätze 2 bis 4 mitspielt, reizt schon lange niemanden mehr.

Der BVB möchte gerne ein Big Player sein, hat dabei aber (teils selbst verschuldet, teils schuldlos) seine Fans vergessen. Und genau mit diesem Gefühl des abgestumpft seins, der "Ausnüchterung vom Fansein" sehen wir uns in weiten Teilen heute konfrontiert. Der ganze Frust und die ganze "Ent-Emotionalisierung" der letzte Jahre schlagen sich heute in (teilweise) völlig überhöhter Kritik und Unzufriedenheit nieder. Wir sind keine "BVB-Familie" mehr. Wir sind ein großer Fußballclub, der gefälligst abliefern soll. Es ist traurig, dass es so gekommen ist. Aber dieses Rad lässt sich vermutlich nie mehr zurückdrehen.


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