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Vergleiche sind schwierig und Monokausalitäten rar (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 14.05.2019, 00:59 (vor 2552 Tagen) @ Matse

Vorab ein dickes Dankeschön für den sehr überlegten und reflektierenden Beitrag.

In der Saison 11/12 hatten wir einen Kader, der parallel zur Implementierung und Entwicklung einer neuen Spielweise über drei Spielzeiten angepasst wurde. Es war ein organisch gewachsener Kader, der in der Vorsaison Meister geworden war und nur einen wesentlichen Verlust zu verkraften hatte (Nuris Wechsel zu Real). Gündogan als anders veranlagter Spieler brauchte zwei Drittel der Saison, um zu der erhofften Verstärkung zu werden. Hinzu kam der Quasi-Ausfall Shinjis in der Hinrunde. Es kamen mehrere Gründe zusammen, warum das erste Saisondrittel mäßig verlief und es gab mehrere Gründe, warum wir ab dem zweiten Saisondrittel gnadenlos gepunktet haben. Einer davon war die Optimierung unseres Ballbesitzfußballes, ein anderer die Übernahme der Rolle des tiefen Spielmachers durch Hummels. Interessant im übrigen, dass Hummels und andere rückblickend darauf hingewiesen haben, dass man sich nicht zuletzt auf Initiative der Spieler hin nach dem verlorenen Spiel in Hannover mit dem Trainerteam zusammengesetzt und gründlich und ernsthaft über notwendige Veränderungen diskutiert habe. Und ganz offensichtlich zu den richtigen Schlüssen gekommen ist.


Diesen Punkt empfinde ich als sehr interessant zu betrachten, nicht zuletzt im Vergleich zur Amtszeit von Tuchel, sondern auch mit Blick auf die aktuelle Saison. Ist natürlich Kaffeesatzleserei, da mir der Einblick in die Mannschaft fehlt.

Ausgehend von deinen Ausführungen herrschte unter Klopp ein Klima des offenen Dialogs, in dem Spieler mögliche Schwachpunkte benennen und kommunizieren konnten. Für die Zeit unter Tuchel würde ich das tendenziell eher nicht so sehen. Es gab verschiedene "Fraktionen" pro/contra Trainer. Spricht für mich gegen eine der kontruktiven Kommunikation förderlichen Struktur. Bei welchem Trainer gab es nochmal den Vorwurf, die Mannschaft hätte nicht verstanden, was der Trainer wollte?

Verbleibt die Frage: Hat man nun eine solche Struktur und hat man entsprechende Charaktere, die ein solches Feld auch bestellen könnten? Favres Umgang mit Journalisten muss nicht beispielhaft für seine Gesprächsbereitschaft innerhalb des Teams stehen.

Auf Seiten der Spieler: Keine Ahnung, ob Hummels jemals Wortführer war (teilweise wird sein Image des Feingeistes in Zweifel gezogen). Aber wer drängt sich im aktuellen Team dafür auf, mit dem Trainerstab bestimmte Abläufe auch kritisch zu hinterfragen? Reus? Götze? Bürki? Viele andere Spieler sind zu jung, noch nicht lang im Team oder sportlich aussortiert.

Vielleicht ist tatsächlich diese unter Klopp funktionierende Zusammenarbeit die Lösung der aktuellen "Probleme".

Dass sich Trainer mit ihren Führungsspielern austauschen z.B. über taktische Fragen ist eher Normalität denn Ausnahme. Sepp Herberger hat dies mit Fritz Walter getan, Helmut Schön mit Franz Beckenbauer. Nicht von ungefähr gibt es den Begriff vom ‚verlängerten Arm des Trainers‘ auf dem Feld. Dabei ist immer klar, wer Koch und wer Kellner ist. Horst Hrubesch hat einmal geschildert, wie Ernst Happel ihn, Manni Kaltz, Felix Magath und Dietmar Jakobs am Abend vor dem Endspiel im Europapokal der Landesmeister gegen Juventus Turin 1983 auf einen Spaziergang mitgenommen hat, um ihre Meinung zu hören, ob man Michel Platini gesondert in Manndeckung nehmen soll oder nicht. Die Spieler hätten gemeint, dass dies nicht nötig sei und Happel habe dies dann auch so übernommen. Happel habe immer erwartet, dass seine Vorgaben umgesetzt wurden. Wenn ein Spieler aber eine andere Idee hatte, die ihm einleuchtend schien, dann hat er seine Vorgaben auch entsprechend geändert.

Kloppo ist sicherlich kein Basisdemokrat. Er gilt als sehr konsequent als Trainer, gerade was die Umsetzung seiner Vorgaben anbelangt. Sicherlich wird auch er über taktische Dinge mit Spielern nicht in Einbahnstraßenmanier kommunizieren. Aber einen ständigen Dialog dürfte es wohl eher nicht geben.

Die damalige Situation und Konstellation war sehr speziell. Trainerteam und ein Großteil der Mannschaft waren drei Jahre lang erfolgreich nach vorne marschiert und waren gerade sogar Meister geworden. Es dürfte zwischen bestimmten Spielern und dem Trainerteam ein besonderes Vertrauensverhältnis geherrscht haben. Buvac muss man da unbedingt hinzuzählen. Wie Nuri es einmal sagte, Buvacs Wort war in der Kabine Gesetz. Bis dahin lief alles wie geschmiert, die Spieler hatten keinerlei Anlass, an den Vorgaben des Trainerteams zu zweifeln. Im Gegenteil, sie hatten ihm fußballerisch viel, wenn nicht alles zu verdanken. Und in dieser Situation hakt es zum ersten Mal richtig. Was gestern noch funktioniert hatte, funktioniert auf einmal nicht mehr oder nur noch eingeschränkt. Vielleicht ist es zu hoch gegriffen, von Krise zu reden. Aber man schien in eine Sackgasse geraten zu sein. Nur eine solche Situation macht das damalige ‚sich Zusammensetzen‘ erklärlich. Wobei von den damaligen Spielern nach meiner Einschätzung vielleicht 2, 3 das grundlegende taktische Verständnis und die Kommunikationsfähigkeit besaßen, um eine Problemanalyse mit entsprechenden Lösungsansätzen durchzuführen: Hummels, Nuri und eventuell noch Kehl. Wobei Nuri schon gar mehr zum Team gehörte.

Die aktuelle Situation und die gesamten Umständen unterscheiden sich mMn zu sehr von den damaligen Gegebenheiten, alsdass man Parallelen ziehen könnte.


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