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So sicher wie das Amen in der Kirche... (Politik)

Schoeneschooh, CDMX, Dienstag, 30.07.2024, 16:48 (vor 562 Tagen) @ Ulrich

Klar, Korruption gab es schon vorher und wird es in der gesamten Region vermutlich auch immer in weitaus größerem Maße geben, als in der westlichen Welt. Der ehemalige mexikanische Präsident Peña Nieto hat die Korruption mal als „un asunto cultural“ beschrieben und nach meiner persönlichen Erfahrung ist das - so bitter es auch sein mag - eine recht passende Formulierung.

Korruption ist hier Teil des Alltags und damit eigentlich kein Thema großer Aufregung. Die Bevölkerung hat sich damit ein Stück weit abgefunden und ist mit Blick auf die Regierung schon zufrieden, wenn einige Dinge einfach mal funktionieren. Und der überwiegende Teil der Leute reduziert dann ein Stück weit auch die moralischen Ansprüche an das eigene Handeln, weil jeder gezahlte Peso Steuern halt zu x% sowieso in die falschen Hände gerät.

Vor 2 Jahren auf einer Dienstreise nach Panama war die Stimmung mit Blick auf die damalige mitte-links Regierung relativ negativ. Die Leute hatten das Gefühl, dass sich nichts bewegt und wollten alle den alten Präsidenten zurück. Dieser war wegen Korruption angeklagt und sitzt in Haft, aber er hatte in seiner Amtszeit erfolgreich eine Metro in die Stadt bauen lassen. Die Devise ist in etwa: „Die klauen eh alle! Lass also ggf. jemanden etwas mehr klauen, wenn dafür etwas funktioniert!“. Und seit ein paar Monaten ist jetzt einer seiner Leute neuer Präsident (weil er selbst nicht antreten durfte) und regiert vermutlich nach Fingerzeig aus dem Kittchen. Business as usual!

Und in Venezuela gibt es halt massiv Korruption, aber es funktioniert halt absolut überhaupt gar nichts!

Als ich in die Region gezogen bin, war ich zu Beginn immer ein wenig fassungslos, aber nach und nach fange ich an in bestimmten Dingen ähnlich zu denken. Warum? Weil die Korruption hier so in der Gesellschaft verankert ist und ich nicht glaube, dass wir sie wegbekommen! Und ja, ich muss mich dann selber immer zwicken und fragen ob mein moralischer Kompass noch funktioniert!

Und: Diejenigen, die hier nach eigener Aussage am stärksten gegen Korruption kämpfen, sind nach meinem Gefühl und dem wenigen Einblicken die ich habe die Schlimmsten! Insbesondere in Mexiko dürften wir aktuell auf dem absoluten Peak der Korruption innerhalb der letzten Jahrzehnte angelangt sein. Völlig unnütze Multimilliarden-Projekte umgesetzt vom Militär oder einer kleinen Zahl von Firmen, die ohne öffentliche Ausschreibung oder transparenten Prozess beauftragt werden. Aber der Präsident betont jeden Morgen in seiner Pressekonferenz es gäbe keine Korruption! Man muss Lügen halt nur oft genug wiederholen ;)


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