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So sicher wie das Amen in der Kirche... (Politik)

uwelito, Wambel forever, Dienstag, 30.07.2024, 12:30 (vor 562 Tagen) @ Ulrich

Populistisch klingt allerdings schon "harmloser".


Schaut man sich die Entwicklung Venezuelas über die letzten Jahrzehnte an, dann ist das der typische südamerikanische Linkspopulismus. Korruption blühte dort schon immer, auch vorher. Die jeweils Regierenden kassierten ab.

Vor gut einem Vierteljahrhundert kam Hugo Chavez an die Macht, das war der Beginn der noch immer andauernden Phase. Chavez hatte im Gegensatz zu Maduro ein deutliches Charisma, er agierte als Volkstribun. Er wurde zunächst mit echten Mehrheiten gewählt und überstand mindestens einen Putschversuch des Militärs. Unter ihm begann der wirtschaftliche Niedergang. Preise wurden z.B. staatlich festgelegt, daraufhin exportierten die Anbieter lieber ins Ausland, statt im Inland Minus zu machen.


Maduro ist ein Clown, leider ein gefährlicher.

Nach dem Tod von Chavez folgte ihm Nicolas Maduro nach, ein farbloser Funktionär aus dem Apparat. Schon dessen erste Wahl stand unter dem Vorwurf der Manipulation, und das zog sich dann durch. Ein beträchtlicher Teil der Venezuelaner hat das Land wegen der verheerenden wirtschaftlichen Situation verlassen, und je mehr Maduro unter Druck geriet, um so mehr griff er zu offen repressiven Maßnahmen. Nach der letzten, ganz offen manipulierten Wahl steht er mit dem Rücken zur Wand. Jetzt hängt alles am Militär. Senken die Generale den Daumen, dann ist er weg. Senken sie ihn nicht, dann könnte das bereits im wirtschaftlichen Chaos versunkene Land auch noch im offenen Bürgerkrieg versinken.


Man sollte die Situation aber auch nicht vom Sofa in Europa aus komplett falsch einschätzen.
Es sind nicht nur die Militärs. Die Polizei, Verwaltung und eigentlich weite Teile des Staatsapparates stehen unter Kontrolle des Chavismus. Und das vollalimentiert. Die machen das zu einem Großteil, weil sie an die "revolucion bolivariana" glauben und dahinter stehen. Es gibt mittlerweile aber auch Teile, die sich hier weniger Repression wünschen. Wir reden hier auch von Lehrern etc.. Druck von außen führt dann dazu, dass man dann dem Ausland die Schuld für die Misere gibt. Alles bekannt.
Dazu kommen dann noch weite Teile der armen Bevölkerung, die sich einfach mehr davon versprechen, wenn sie alimentiert werden. Das funktioniert natürlich alles nicht, wissen wir. Aber in den Barrios im Süden ist das relativ egal, wenn wenigstens etwas auf dem Tisch landet und ich wenigstens einen Arzt habe, zu dem ich gehen kann.
Deshalb stehen ja immer noch irgendwas zwischen 35% bis 40% hinter Maduro und dem Chavismus. Kriege da selber ab und an Diskussionen im Familienkreis mit. Das ist schon arg schwierig. Und die Indoktrination der letzten 25 Jahre zieht da schon gewaltig. Da sind Familien komplett gespalten.
Aus dem Grund hat González Urrutia einen sehr konzilianten Ton angeschlagen.
Er hätte mit einem chavistischen Staatsapparat regieren müssen und einer Bevölkerung die zu einem großen Teil sich noch immer an die Ideale und Alimentation des Chavismus klammert. Auch wenn das nicht funktioniert und am Ende zu wirtschaftlichem Niedergang, Verarmung, Isolation und Repression führt.


Die Frage ist doch, was hat Maduro überhaupt noch an Wohltaten zu verteilen? Er hat das Land so weit herunter gewirtschaftet, dass er mir weitgehend "blank" erscheint. Das dürfte auch beim eigenen Anhang durchschlagen.

In solchen Situation haben auch schon andere Herrscher Kriege vom Zaun gebrochen. Da stellt sich die Frage, was Maduro jetzt in Richtung Guyana unternehmen wird. Man möchte sich schon seit längerer Zeit eine kaum bevölkerte, aber erdölreiche Provinz dieses Landes einverleiben.

Das Thema Guyana ist in der Tat insoweit heikel, weil im Grunde 100% der Bevölkerung der Meinung ist, dass es sich um venezolanisches Gebiet handelt. Wofür es eine Reihe von Argumenten gibt. Das typische Chaos eben, generiert durch den britischen Kolonialismus. Man kann auch davon ausgehen, dass eine Intervention des venezolanischen Militärs dort tatsächlich angedacht wurde. Allerdings wurde Maduro und Co schnell klar, dass das ein zweites Falkland werden würde -sein Endgame, wie damals für die Militärjunta in Argentinien.


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