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Neu auf schwatzgelb.de: Schlechte Stimmung beim BVB: Abbruch statt Aufbruch? (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Montag, 04.09.2023, 20:51 (vor 903 Tagen) @ koom

Ich habe irgendwie immer Werder Bremen im Kopf. Die hatten eine hervorragende Phase, Meister und Pokalsieger, immer international vertreten, dann eine schwierige Phase und auf einmal ging es bergab. Oft Leute mit Stallgeruch eingestellt und letztendlich in der 2. Liga gelandet.

Die haben vermutlich auch ständig analysiert, aber auch an den richtigen bzw. allen Stellen?


Bremen hat aber eine sehr andere Konstellation. Eher vergleichbar mit bspw. Kaiserslautern. Die Stadt Bremen hat nicht viel Geld, im umland sind wenig potente Sponsoren vorhanden und trotz des guten Einzugsgebiets und der Tradition hat man keine Unmengen an Fans. Das "finanzielle" und damit schlussendlich auch sportliche Potential ist einfach erheblich geringer.

Selbst wenn man da also exzellente Arbeit leistet, wird es immer eine Grenze geben, über die sie nicht (langfristig) hinauskommen. Dafür ist die Falltiefe im Grunde unbegrenzt.

Geht man etwas westlicher, ist dort der HSV. Hamburg als "Tor der Welt" und generelle Weltgroßstadt bietet da einfach ganz andere Möglichkeiten, wodurch der HSV trotz aller schlechten Entscheidungen immer noch auf einem beachtlichen Niveau gehalten wird.

Aber als BVB muss man nicht weit schauen: Schalke hat ebenfalls extremes Fanpotential, reichhaltige Tradition und Geschichte. Der Erfolgs-Peak war nicht ganz so groß, aber letztlich war man auch viele Jahre Dauergast im Europapokal. Da dort alles noch mal viel heißer genäht ist wie beim HSV - und weil es eben hier reichlich Alternativen gibt - ist Schalke in der Tat sehr gefährdet, komplett zu verschwinden.

Geographiekenntnisse? ;-)

Sorry, menschliche Schwäche, konnte ich mir nicht verkneifen. Nichts für ungut!

Werder hatte nach dem Wiederaufstieg Anfang der 80er eine sportliche und wirtschaftliche Gesundung erlebt, die einerseits auf dem Credo „Nie wieder Schulden!“ (Willi Lemke), der sportlichen Expertise des Trainers (Otto Rehhagel) und einer auf den (stark eingeschränkten) wirtschaftlichen Möglichkeiten des Clubs geschickten Transferpolitik fußte.

Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass im und mit dem Fußball bei weitem nicht so viel Geld umgesetzt wurde wie heute und der Spielermarkt für die Bundesligisten weitgehend national ausgerichtet war, auch wegen der bestehenden Beschränkungen.

In den 00er-Jahren konnte man mit Thomas Schaaf und Klaus Allofs bei weiter bestehendem schlechten wirtschaftlichem Umfeld an die Erfolgsstory unter Rehhagel/Lemke anknüpfen. Bedingungslose (statt kontrollierter) Offensive und eine ebenfalls geschickte Transferpolitik waren die Grundlagen für den Erfolg. Man wähnte sich zeitweilig als Herausforderer des FC Bayern. Und genau das war der Anfang vom Ende des Erfolgs.

Werder hat sich immer auch von Transfererlösen finanziert. Spieler wurde günstig verpflichtet (meist Spieler, die woanders nicht reüssieren konnten), entwickelten sich bei Werder zu Topspielern und wurden teuer verkauft. Davon rückte man allerdings mehr und mehr ab und versuchte stattdessen mit dem Geld, das man aus den CL-Teilnahmen erhielt, den Kader beieinander zu halten (in dem so einige deutsche Nationalspieler vertreten waren). Was satte Gehaltserhöhungen bedeutete, die das Budget belasteten.

Gleichzeitig wurde die Trefferquote bei Neuverpflichtungen stetig geringer, dafür aber die verpflichteten Spieler teurer.

Hinzu kam der Stadionneu- bzw. Umbau, der sehr teuer war und Werder heute noch und auf längere Zeit erheblich belastet.

Als man sich dann nicht mehr für das internationale Geschäft qualifizieren konnte, musste dann die Notbremse gezogen werden. Im operativen Geschäft geriet man ins Minus, man lebte vom ‚Ersparten’. Leistungsträger wurden verkauft, nicht unbedingt wettbewerbsfähige kostengünstige Spieler wurde dafür verpflichtet. Mit Thomas Eichin wurde eigens ein Manager eingestellt , der Werder wieder aus der Verlustzone bringen sollte, bevor das ‚Ersparte‘ gänzlich aufgebraucht war. Gleichzeitig sollt er dafür sorgen, dass Werder die Klasse hält.

Das ist ihm auch gelungen, immer haarscharf am Scheitern vorbei. Als man dann wieder operative Gewinne erzielte, hatte man zwar so gut wie kein ‚Guthaben‘ mehr, aber es ging wieder aufwärts. Eichin hatte seine Schuldigkeit getan und wurde an die Luft gesetzt.

Danach ging zunächst alles seinen gewohnten Gang; Werders Budget war auf Kante genäht, man spielte gegen den Abstieg, blieb aber in der Liga. Bis man in einer Saison unter Kohfeldt den achten Platz erreichte, einen Punkt hinter den internationalen Plätzen. Und meinte, nun wieder die internationalen Ränge erreichen zu können. Worauf man (für Werderverhältnisse) viel Geld in etablierte Spieler investierte, die weder sportlich weiterhalfen, noch einen Wiederverkaufswert hatten.

Nun erwies sich Kohfeldt nicht als der erhoffte neue Thomas Schaaf, die Spieler nicht als die erhoffte Verstärkung und am End erstieg man ab. Und das alles zu Zeiten von Corona. Nur mit Kreditaufnahmen und Anleihen sowie freundlicher Zugewandheit der DFL/des DFB konnte sich Werder am Spiel Strübig weiter beteiligen. Wobei es natürlich Auflagen gibt, z.B. das Erlösen von Transfergewinnen in bestimmter Höhe. Und die Kredite wollen auch bedient werden.

Bei Werder ist nicht nur alles auf Kante genäht, man wandelt ständig am finanziellen Knockout. Corona konnte man nicht vorhersehen; alle Clubs wurden stark getroffen (absolut wohl am meisten der BVB). Auch am schwachen wirtschaftlichen Umfeld kann man nichts ändern. Wobei ein Investor bislang aus prinzipiellen Gründen bislang abgelehnt wurde.

Die entscheidenden Fehler jedoch, die zu dieser Misere geführt haben, wurden in Erfolgszeiten durch falsche Einschätzung der Situation, der Perspektiven und der eigenen Fähigkeiten durch die handelnden Personen selbst gemacht.

Schuster bleib bei deinen Leisten. Sonst: The harder they come, the harder they fall.


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