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Soziale Distanz und Hygiene (Corona)

Will Kane @, Saarbrücken, Sonntag, 22. März 2020, 12:07 (vor 14 Tagen) @ hanno29
bearbeitet von Will Kane, Sonntag, 22. März 2020, 12:12


Wenn das irgendwann mal vorbei sein sollte/ist, wird sicherlich einiges an Zeit vergehen, um alles wieder auf Normalbetrieb zu fahren, was das miteinander angeht, u.a. zurück zum Händeschütteln, wird nicht von heute auf morgen wieder Einzug halten.

Das ‚shake hands‘ ist ein sehr alter Brauch nicht nur in unserem Kulturkreis und besitzt eine große Symbolkraft. Aus Hygienesicht ist es allerdings eine Art GAU. Ebenso die Wangenküsse, die in Frankreich üblich sind und mittlerweile in vielen Ländern unter guten Bekannten üblich sind. Oder die brüderlichen Umarmungen, mit denen sich Männer im orientalischen Raum oft begrüßen. Oder das gemeinsame Essen mit den Händen von einem Teller, wie es in Teilen Afrikas und Asiens üblich ist.

Ich verzichte seit Jahrzehnten (z.T. notgedrungen) auf diese Rituale. Stattdessen nutze ich die früher auch bei uns durchaus übliche angedeutete Verbeugung, verbunden mit einem freundlichen Lächeln oder Rituale, die ich in anderen Kulturkreisen, insbesondere in Ostasien kennengelernt habe. Zweifelnde und mitleidige Blicke haben mich nie gestört, wobei eine kurze Erläuterung meistens für Verständnis und Ausräumung von Irritationen sorgt.

Dies ist für mich auch keine ‚soziale Distanz‘, da ich ja meinen jeweiligen Mitmenschen dennoch nahe bin. Und innerhalb der Familie sieht dies (Zeiten wie diese ausgenommen) auch anders aus. Ein leidenschaftlicher Kuss mit seinem Sexualpartner ist im Prinzip ein Jahrmarkt des Keimaustausches. Und der Sexualakt ist ein Übertragungsweg der Extraklasse. Aber wer möchte schon darauf verzichten? Und solange man monogam bleibt, gibt es hier auch keine Probleme... ;-)

Die körperliche Nähe vor allem zu ihren Eltern, aber auch Geschwistern, Großeltern und anderen nahen Verwandten und auch zu Freunden ist gerade für Kinder enorm wichtig, überdies unvermeidbar und für die Entwicklung zwingend notwendig. Das macht es in der jetzigen Situation für sie auch so schwer, z.B. zu ihren Großeltern Distanz zu halten. Aber es ist auch ein Lernprozess in der Erwachsenenwerdung, soziale Distanz zu üben.

Interessant in diesem Zusammenhang finde dich die japanische Kultur. In Japan existiert ein ungeheures Kollektivbewusstsein, gleichzeitig wahrt man mit großer Selbstverständlichkeit und Disziplin soziale Distanz. Was in den überfüllten Vorortzügen zur rushhour allerdings der Quadratur des Kreises gleichkommt... Vielleicht ist dies auch ein Weg zur Wahrung einer gewissen Individualität in einer Gesellschaft, welche die Gemeinschaft über das Individuum stellt. Und auch ein Ausdruck der Verantwortung des einzelnen der Gemeinschaft gegenüber. Was sich u.a. auch am selbstverständlichen Tragen von Atemschutzmasken im Falle von Erkältungskrankheiten zeigt. Nicht nur, aber gerade in den Städten lebt man in Japan mit seiner dichten Besiedlung auf engstem Raum zusammen. Wer schon einmal z.B. in Tokio war, wird wissen, was ich meine. Ohne gegenseitige Rücksichtnahme und Disziplin wäre dies ein Paradies für Infektionskrankheiten. Wobei es sicherlich auch eine große Rolle spielt, dass in der Erziehung Einordnung in die Gemeinschaft und Disziplin eine herausragende Bedeutung besitzen.

Positiv könnte der Einfluss auf die eigene Hygiene sein, sich einmal daran gewöhnt, sich z.B. ständig die Hände zu waschen, nicht alles mit bloßen Händen anzutatschen (Türklinken in Geschäften, Einkaufwagen) legen die meisten hoffentlich nicht mehr ab.
Wer das vorher schon so gehalten hat, natürlich nicht so extensiv wie seit 2,3 Wochen, dem wird es nicht schwer fallen.

Aufgrund der dichten Besiedlung und dem Wissen um die Gefahren existiert in Japan generell ein großes Hygienebewusstsein. Ich habe noch kein Land auf dieser Welt erlebt, in dem dieses Bewusstsein derart ausgeprägt ist. Dies kommt u.a. dadurch zum Ausdruck, dass sich wortwörtlich an jeder Ecke Spender zur Handdesinfektion befinden. In öffentlichen Einrichtungen, in Lokalen, in Geschäften, wirklich überall. Und sie werden genutzt und werden immer nachgefüllt. Das zumindest können wir von Japan lernen.

Ich bin gespannt, wie Japan die Corona-Krise meistern wird, zumal man hinsichtlich der Testungen einen anderen Weg geht als viele andere Länder.

 

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