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Neu auf schwatzgelb.de: Investoreneinstieg bei der DFL - Unnötig oder notwendig?: Grundwerte und Investoren beim BVB (BVB)

stfn84, Köln, Montag, 08.05.2023, 20:46 (vor 1193 Tagen) @ stfn84

Im TU Interview lese ich vor allem Annahmen:

Wir gehen davon aus, dass jemand, der bereit ist, so eine große Summe zu investieren, sich auch erheblichen Einfluss zusichern lassen wird. Weil es um Vermarktung geht, befürchten wir, dass man unter anderem Anstoßzeiten und Austragungsorte beeinflussen möchte.

Alles mögliche Szenarien. Aber unabhängig vom Investoren-Einstieg eben auch schon seit langem gängige Praxis. Siehe:

Man sieht das ja jetzt schon: Die Verbände sind beispielsweise im DFB-Pokal bestrebt, die Anstoßzeiten immer weiter auseinanderzuziehen

Das haben die Offiziellen von Verbands- und Clubseite eben beschlossen. Ohne Investor. Auf der Suche nach Geld. Die Entscheidung wurde auch kommuniziert. Ebenso wurde frühzeitig kommuniziert, dass es in diesem Jahr das AF und nicht das VF betrifft. Aber es ging halt unter. Passiert.

Und da fängt es bei mir an direkt kribbelig zu werden.
Wenn die Clubs Liquidität wollen und man den Investor ablehnt, hat man sehr wahrscheinlich das Gegenteil erreicht. Denn dann werden die Clubs noch mehr darauf angewiesen sein schnell Geld woanders her zu bekommen. Das geht dann vor allem durch mehr Spiele (siehe CL-Reform, WM-Reform). Wenn man also meint, dass man einen Investor nur laut genug ablehnen müsse um Fan-Interessen durchsetzen zu können, wird man sich noch umgucken.
Aber, um das klar zu benennen: Auch das ist eine Annahme. Ich habe dafür keinen Beleg. Es ist nur meine logische Schlussfolgerung.

In amerikanischen Sportarten und in manchen Ländern Europas geht es sogar noch weiter. In Italien spielt man das Finale des Supercups in Saudi-Arabien. In England finden nahezu keine Spiele mehr parallel statt. In Spanien wird um 22:30 Uhr angepfiffen, zur perfekten amerikanischen Übertragungszeit.

Es macht in meinen Augen wenig Sinn, dass wir den Fußball nun mit amerikanischen Sportarten vergleichen. Die Entwicklung in Italien und England kann auch ohne Investor passieren. Oder haben die den DFL-Weg nur früher umgesetzt?
22:30 Uhr in Spanien ist 13:30 Uhr an der Westküste der USA, also wohl eher nicht Prime Time an einem Samstag.

Das zweite Hauptproblem ist aus meiner Sicht die Firmen, die möglicherweise investieren. Das sind Private Equity-Gesellschaften, die nach maximalem Gewinn streben. Das ist per se nicht verwerflich, ist aber aus unserer Sicht mit einem solidarischen Fußball, wie es ihn eigentlich in der Bundesliga zumindest in Ansätzen noch gibt, schwerlich in Einklang zu bringen.

Auch hier: Welcher solidarische Fußball ist gemeint? Ist die aktuelle Verteilung solidarisch? Was passiert mit unseren Werbeeinnahmen? Geben wir die an den 1. FC Nürnberg?

Ich stelle - wohlgemerkt für mich! - folgendes fest:
Das Thema Investoren-Deal der DFL wird überladen. Mit Themen die wir schon an anderer Stelle zur Diskussion gestellt haben.

Ich finde es ebenso essentiell, dass wir die Uhr soweit es geht zurück drehen und eher mehr Parallelspiele als weniger haben, keine Pflichtspiele in Usbekistan austragen und bezahlbare Ticketpreise haben. Aber man überlädt das Thema Investoren (un?)bewusst mit anderen Themen, um Mehrheiten zu schaffen die womöglich gar nicht da sind.

Eine Umfrage unter Stadiongängern zu Fragen wie willst Du einen besseren Wettbewerb in der Liga, mehr Spiele am Samstag um 15:30 und wie wichtig sind bezahlbare Tickets würde vermutlich zu Übereinstimmungsquoten von 95+x% führen. Aber das muss ja dann weder die Mehrheit der BVB Fans sein, noch hat es einen direkten Zusammenhang mit dem Einstieg eines Investors. Warum wird es also in diesem Zusammenhang angeführt?

Es wird bewusst mit Dingen kokettiert:

Sollte es aber langfristig nicht so laufen, wie es sich der Investor vorstellt, wird dieser massiv Druck auf die DFL ausüben. Dann haben wir schnell noch eine weitere Zerstückelung des Spieltages und dann haben wir auch wieder Montagsspiele.

Wie ich weiter oben schrieb: Ich bin kein allwissender Experte. Das mag sein, kann aber auch im Gegenteil (also ohne Investor) noch viel schlimmer werden.

Im weiteren Verlauf werden dann noch Dinge gesagt, die sich inhaltlich widersprechen.
Einerseits stellt man fest, Geld schieße keine Tore. Dabei will man ja eine andere Geldverteilung, weil doch der Wettbewerb kaputt ist. Ist er aber dann auch wieder nur, weil wir viel Geld für Mittelmaß ausgegeben haben.
Das schaffe ich in meinem Alter nicht mehr - ist mir zu hoch, sorry.
Ist der Wettbewerb nun kaputt? Braucht es andere Verteilschlüssel? Warum, wenn Geld doch kein großer Faktor ist?

In den 90er Jahren konnte zu Saisonbeginn eine Handvoll Teams Meister werden. Zehn Spieltage später konnten es auch fünf andere Teams sein. Ein Aufsteiger konnte Meister werden. Das ist 25 Jahre her.
Borussia Dortmund konnte mit Jürgen Klopp zwei Meisterschaften und das erste Double der Vereinsgeschichte holen. Bitte schaut Euch den Kader der Bayern 2010, 2012 und 2022 an. Wenn man mir dann suggerieren möchte, dass das ja alles vergleichbar ist, kann ich leider nur kopfschüttelnd zur Seite gehen.
Freiburg und Union machen einen super Job. Aber der Wettbewerb zwischen Platz 4 und 16 ist ja nicht das große Problem der Bundesliga/anderer europäischer Ligen. Es ist die Kluft zu den Top-Teams.

Bayern wird in 9 von 10 Fällen Meister. Wir in 9 von 10 Fällen CL-Teilnehmer. Das ist vor der Saison klar. Das war aber nicht immer so.
Ich hätte es gerne zurück, es ist aber aktuell nicht realistisch.

Ich für meinen Teil treffe abschließend aber auch mal ein paar Annahmen:

Würde es den Clubs der DFL nur um eine bessere Vermarktung gehen, würden sie - wie der BVB und andere Clubs - eine Agentur wie SPORTFIVE beauftragen.
Das machen sie nicht.

Warum?
Weil sie offensichtlich nicht liquide sind und heute Geld brauchen, was sie morgen zurück geben.
Der 1. FC Köln hat zwischen 2021 und 2022 das Eigenkapital von 16,2 auf 3 Millionen Euro reduziert. Eintracht Frankfurt hat das Eigenkapital von 39 auf 6 Millionen reduzieren müssen. In einem Jahr! Werder Bremen hat bereits negatives Eigenkapital.
Über die Blauen müssen wir an dieser Stelle nicht reden, denke ich. Über Hertha lachen schon genügend andere...

Jetzt kann ich sagen, dass das eben Pech ist. Sollen sie halt pleite gehen.
Werden sie aber wohl nicht machen, sondern stattdessen alles in die Wege leiten um nicht "neu anzufangen" ohne Lizenz und Kapital in den Niederungen des Fußballs neu zu starten.

Der Wunsch nach fairem Wettbewerb, nach salary cap & Co. ist auch bei mir vorhanden. Er ist nur komplett unrealistisch und aktuell eben 0,0 umzusetzen.
Ich muss mich also entscheiden: Will ich dem BVB die Treue halten, werde ich auch in Zukunft Kröten schlucken müssen. Dabei will ich nicht jede Kröte schlucken und mir ist Diskussion wichtig, die Durchsetzung unterschiedlicher Interessen ist zwangsläufig und die Arbeit der FA und der kritischen Fanszene essentiell für ein Miteinander. Aber dann soll es doch auch bitte mit offenem Visier in der Sache sein.

Wenn ich nun aber so tue, als ob ich bei einem Nein zum Investor einen funktionierenden, fairen und solidarischen Wettbewerb in der Liga hätte, steigt mein Blutdruck.


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